Austausch und Projektarbeit im Schuljahr 2008/09

Ein Besuch im Weltladen ist wie eine Entdeckungsreise: Aromatischer Kaffee, pikante Gewürze, schöne Geschenkartikel — hier finden Sie das Beste aus dem Süden. Und es gibt noch mehr zu entdecken: Die Produkte im Weltladen sind nicht nur von besonderer Qualität — sie sind zugleich ein kleines Stück Weltpolitik. Denn sie stammen alle aus Fairem Handel.

Fairer Handel?
Das bedeutet: Ihre ErzeugerInnen erhalten faire Preise, die ihnen ein Leben in Würde ermöglichen. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es klingen mag — die Erlöse für viele Produkte aus dem Süden sind im freien Welthandel so niedrig, dass KleinproduzentInnen kaum davon leben können. Zukunftssicherung bleibt so ein Traum.

Eine echte Alternative
Weltläden wollen das ändern. Deshalb bieten wir Ihnen ein breites Angebot attraktiver Produkte, die dazu beitragen, die Existenz der ErzeugerInnen im Süden zu sichern. Sie sind alle fair gehandelt, viele stammen bereits aus ökologischer Produktion. Wir möchten zeigen, dass die Idee der »nachhaltigen Entwicklung« und die Sicherung der Lebensgrundlage für künftige Generationen nicht nur etwas für die Weltpolitik ist — sondern auch für den Frühstückstisch.

La practica comenzo a las diez de la manana en el Weltladen. El Weltladen es una tienda donde venden productos como cafe, textiles, etc. y tambien hay una cafeteria donde nos esperaba, Andreas, una de las personas que trabaja en esta tienda. Andreas nos explico en que consiste y todo lo que tiene para ofrecer la tienda y la cafeteria. Tambien nos mostro todas las habitaciones del Weltladen como el almacen, la cocina, etc. y como utilizar la cafetera. Tambien nos conto de algunos de los proyectos que querian hacer y sobre las reuniones que hacen para poder discutir todos los puntos del Weltladen. Despues de haber conocido todo sobre el Weltladen empezamos a ver todos los productos para conocer mejor y poder ofrecer a la gente que entraba a la tienda. Tambien conocimos mejor la cafetera y como atender a la gente que entraba a la cafeteria.

Sabiendo toda la teoria sobre nuestro trabajo en el Weltladen, pusimos en practica todos nuestros conocimientos y ya podiamos hablar mejor con la gente que entraba la tienda o a la cafeteria y podiamos ofrecer mejor. Una de las cosas mas interesantes era la cafetera que les habian regalado una industria de cafe. En los momentos que no habia gente en la tienda, hablabamos con otra persona de turno que trabajaba en la tienda sobre la historia del Weltladen.  

Wir danken dem Katholischen Fonds und der Sparkasse Göttingen für die finanzielle Unterstützung! 

1. Weltladen [1]

Im Jahr 1974 gründeten engagierte, politische Menschen den „Arbeitskreis Solidarische Welt“ und dadurch auch den Weltladen.[2] Obwohl die Gründungsmitglieder der Katholischen Studentengemeinde Göttingen nahe standen, war der Arbeitskreis (AK) von Anfang an „von Parteien und Kirchen unabhängig“. Das zunächst im Papendiek ansässige Geschäft zog später in die Lange Geismarstraße um, in der es bis Sommer 2006 blieb. Wie so viele andere ehrenamtliche geführte Einrichtungen auch, hatte der Weltladen kritische Phasen; im Jahr 2005 stand er kurz vor der Insolvenz. Durch eigenes Bemühen und Fördergelder konnte der Weltladen jedoch gehalten werden und befindet sich heute in der Nikolaistraße. Außerdem ist ein kleines Café hinzugekommen. Die Einnahmen aus dem Verkauf sind zwar nicht übermäßig hoch, doch sie reichen aus, um Miete und Nebenkosten zu decken. Außerdem erhält der Weltladen Fördergelder von der LEB (Ländliche Erwachsenen Bildung).[3] Die Räumlichkeiten stehen neben den eigenen Veranstaltungen auch anderen politischen Gruppen wie z.B. attac zur Verfügung. Damals wie heute bestimmen solidarische Grundintentionen die Arbeit im Weltladen. Zunächst einmal ist die Partizipation ehrenamtlich und unentgeltlich, vielmehr möchten sich die Mitarbeiter mit (entwicklungs-)politischen Themen auseinander setzen und eine Alternative zu durchschnittlich-kapitalistischen Unternehmen darstellen.[4]

Inhaltlich sind drei Ziele angestrebt:

  1. Durch fairen Handel soll zumindest für einige Menschen ein besseres, würdigeres Leben in Ländern der Dritten Welt ermöglicht werden.
  2. Die vertriebenen Fair Trade- Produkte sollen als kritische, „wenn auch bescheidene“ Alternative zum ausbeuterischern, globalen Handelssystem dienen.
  3. Information über solche und andere alternative Themen sollen durch den Laden zugänglich gemacht werden.

 

Die praktischen Funktionen unterteilen sich in Bestellgruppen, Café- und Ladendienst, den gesetzlichen Vorstand und Teilnehmer an Plena. Im Kern besteht der AK aus 20 Mitarbeitern, die sich für einen oder mehrere Aufgabenbereiche einsetzen. Daneben gibt es Weltladenwochenenden, an denen alle Interessierten gemeinsam verreisen, und Filmabende zu entwicklungspolitischen Themen sowie einen geplanten Lesezirkel. Schon jetzt kann im Weltladen Alternativliteratur ausgeliehen werden. Das reiche Angebot an kritischen Magazinen bietet Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen abseits der großen Presseblätter. Zusätzlich haben einige Aktivisten, den Informationskreis „Aktion Faire Schule“ ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, an Schulen entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Auch am Hainberg Gymnasium nahmen bereits Klassen daran teil.

1.1 Basisdemokratische Elemente im Weltladen

Die gesamte Struktur des Weltladens ist basisdemokratisch. Am Wichtigsten ist wohl die Tatsache, dass jeder zu jeder Zeit mitwirken und sich an den unterschiedlichen Aufgabenbereichen beteiligen kann. Es gibt keine „Anforderungsliste“, die ein Neuling erfüllen muss, Engagement und die Fähigkeit, offen kommunizieren zu können, stehen im Vordergrund. Zu den Plena, die alle zwei Wochen abgehalten werden, ist jede Person, die sich für den Weltladen und entwicklungspolitische Themen interessiert, willkommen. Das Selbstverständnis geht sogar so weit, dass jeder Interessent als stimmberechtigtes Mitglied angesehen wird. Deshalb ist Integration ein weiterer, wichtiger Punkt auf Seiten der neuen und vertrauten Mitglieder. Durch rechtliche Auflagen sind zwar Machtpositionen vorhanden, die Hierarchisierung ist dennoch sehr flach und transparent. Dies alles zeigt die Unterschiede zwischen basisdemokratischen und repräsentativen Strukturen. Dadurch, dass im Weltladen eine weitgehend gemeinsame Zielsetzung besteht, begünstigt dies eine volonté generale ohne zur Hilfenahme von Repräsentanten. Doch nicht nur für den Weltladen, sondern auch für die Importeure der angebotenen Güter ist das Prinzip der Basisdemokratie relevant. El Puente[5] bspw. gewährt seinen Mitarbeitern direkt- demokratische Mitbestimmungsrechte. Nur wenn auch auf Seiten der Produzenten eine (politische) Emanzipation statt findet, kann sich die Situation verbessern[6], so der Grundgedanke.[7] Transparenz auf allen Handelsebenen macht den Vertrieb gerecht und menschenwürdig.

1.2 Beurteilung

In einem Gespräch mit Andreas Brieger sind die Vor- und Nachteile der Arbeit im Weltladen besonders deutlich geworden, auch in Bezug auf die basisdemokratischen Strukturen. Andreas arbeitet seit 2006 im Weltladen und ist inzwischen auch im Vorstand vertreten. Auf die Frage, ob diese Arbeit das Bewusstsein und Handeln im alltäglichen Leben sensibilisiere, antwortete er, dass dies nicht bei jedem gleich sei. Sein persönlicher Antrieb käme mehr durch das Engagement für das Prinzip des fairen Handels. Außerdem sei die Arbeit im Weltladen insofern interessant, als dass die Beschaffung von Information leichter sei. Er hat begonnen, sich ebenfalls für die Dinge, die hinter den Produkten stehen, zu interessieren. Dadurch habe sich sein Konsumbewusstsein verändert, für alltägliche, aber eigentlich luxuriöse Güter wie Kakao oder Kaffee gebe er jetzt mehr Geld aus. Die nächste Fragestellung nach Gefahren oder Unstimmigkeiten, beantwortet Andreas damit, dass er die Etablierung einer Gesprächskultur für sehr wichtig halte (s. 1.1), problematisch sei für ihn dennoch die Tatsache, dass nicht alle Mitglieder offen miteinander kommunizieren können. Daher verlange die Arbeit von ihm außerdem, dass er auf fremde Personen mit anderer Meinung eingehen könne. Auch in Bezug auf eine Marktanpassung ist er kritisch, obwohl er es für falsch halte „im eigenen Dunst zu bleiben“. Ein angemessenes Mittelmaß sei wohl die beste Strategie. Zum Element der Basisdemokratie meint er, dass es schwierig sei, Hierarchien zu vermeiden. Nicht etwa, weil sie vorhanden sein sollten, sondern weil die  demokratischen Rechte von den Mitgliedern nicht mit gleicher Intensität wahrgenommen würden. Daher fühle er sich selbst häufig als „Quasiautoritätsperson“, ganz entgegen seiner Intention. Bedrohlich sei auch die zunehmende Beschäftigung mit organisatorischen Dingen oder dem Ladenverkauf. Andreas befürchtet, dass der politische Hintergrund, und damit die eigentlichen Beweggründe für die Arbeit im Weltladen, verloren gingen. Schon jetzt gäbe es verhältnismäßig wenig Raum für inhaltliche Diskussionen und wirkliche Kontroversen würden eher von anderen Gruppierungen ausgetragen, so seine Einschätzung.

2. Schlussbetrachtung

Zunächst möchte ich ein Fazit über die Basisdemokratie im Weltladen ziehen: An diesem Realisierungsversuch einer idealen Demokratie stellt man fest, wie schwierig die Umsetzung einer Utopie ist. Wenn sich bereits an der Basis Hürden bilden, kann es auf größere, komplexe Systeme wohl schlecht übertragen werden. Rousseau hat mit seiner Idee einer omnipotenten volonté generale sicherlich einen überaus erstrebenswerten Maßstab gesetzt- doch gleichzeitig wurde deutlich, dass ein vereinheitlichter, konformer Willen nicht möglich ist. Trotzdem kann, wenn man sich bemüht, durch eine Themenzentrierung wie die Arbeit im Weltladen zumindest das eigene Umfeld aktiviert und sensibilisiert werden. Aus meiner Perspektive ist das eine erreichbare Zielsetzung und ein wesentliches Merkmal basisdemokratischen Handelns.

Auszüge aus der Facharbeit von Laura Olmos. Laura Olmos hat Ende 2007 am Projekt „Von der Utopie zur Realität“ in Sucre/Bolivien im Rahmen des Schüleraustausches mit dem Colegio Pestalozzi in Sucre/Bolivien teilgenommen und hat hier in Göttingen die theoretische Aufarbeitung mit betreut.


 

 

 

 

[1] AK Solidarische Welt, S. 15-19
[2] Anhang b)
[3] Für nähere Information, s. Anhang d)
[4] Anhang c)
[5] El Puente ist eine der größten Importeure von FairTrade- Produkten und kooperiert bereits langjährig mit dem Weltladen.
[6] Vgl: Punkt 1 der inhaltlichen Ziele im Weltladen.
[7] El Puente