Austausch und Projektarbeit im Schuljahr 2009/10

JUGEND HILFT! fördert soziale Projekte:

Auf der Grundlage „Sozialpädagogischen Handelns“ sollen Handlungsmodelle kennen gelernt werden, in denen Ziele, Inhalte und besonders Methoden und Verfahren in einem sinnvollen Zusammenhang stehen. D.h. dass die TN in Sucre/Bolivien Institutionen des "Entwicklungspolitischen Netzwerkes" besuchen und erarbeiten mit welchen Zielen und besonders Methoden und Verfahren (Einzelhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit….) in „Sozialen Institutionen“ sinnvolle Arbeit möglich ist.

Diese Informationen und Erfahrungen sollen helfen, die Fülle möglicher Erfahrungen in „Sozialen Institutionen“ zu strukturieren und zu organisieren. Was macht ihr?

  • Im Kinderheim „Tata – Juan de Dios“: Ausflug zum Bauernhof und Dinopark mit 45 Kindern, , etc. und Bezahlung der Physiotherapie für ein behindertes Mädchen.
  • Im „Centro Psicopedagógico“: Unterstützung des schwerbehinderten Jungen Martin Rodriguez mit Schulmaterial, Physiotherapie, Fahrtkosten und Hilfsmitteln, wie . Ausflug mit der gesamten Gruppe der Pediatría zum Bauerhof und in den Dinopark.

Teilnehmerinnen

Onyeka Oshionwu - Alejandra Garcia Quiroga, Jonas Cedro - Jhanin Sandoval Gumiel, Anna Jäger - Maritza Vega Navarro, Vincents Hermanns - Stephanie Sellis Cervantes, Anna Olmos - Lidia Mielke Caballo

Praktikum im Kinderheim "Tata San Juan de Dios"

Während meines Auslandsaufenthaltes in Bolivien, Sucre, bin ich zum ersten Mal durch Zulema, der Tochter einer Deutschlehrerin meiner Schule auf das Kinderheim aufmerksam geworden. Diese Lehrerin war eine Ansprechpartnerin für uns deutsche Austauschschüler und sie hatte immer ein kleines südamerikanisches Mädchen an ihrer Hand, Zulema. Als wir uns trafen um zusammen zum Kinderheim zu gehen, das ein bisschen außerhalb liegt, kam uns die Kleine quietschfidel entgegen gehüpft. Auf dem Weg zum Kinderheim redeten wir viel über Zulema, wie es gekommen war, dass Silke sie adoptiert hatte, von genau dort, wo wir auf dem Weg hin waren. Als wir nach einem langen Fußmarsch dort ankamen, suchten wir erstmal eine Verantwortliche. Silke kannte sich dort gut aus, aber wir wollten erstmal eine Freundin von ihr treffen. Wir mussten warten und setzten uns in einen Raum gleich neben der Säuglingsstation, wo man ein paar Babys schreien hörte. Alles war sehr steril gehalten und nur eine Pflegerin arbeitete in dem Raum nebenan. Andere Schwestern waren dabei Essen zu machen oder Wäsche zu waschen. Alle waren beschäftigt. Später, als wir endlich zu den Kindern runtergehen durften, kamen uns viele kleine Kinder entgegen gerannt und redeten mit uns. Betroffen und ein bisschen traurig spielte ich mit ihnen. Ich sah die Kinder an und sah in ihre großen traurigen Augen und dachte an ihre Zukunft. Wie sieht die Zukunft in so einem armen Land für diese Kinder aus? Werden sie mal zur Schule gehen können oder die Zeit zum arbeiten brauchen um genügend Essen zu haben? Was ist mit ihrer Familie passiert? Die meisten wurden von ihren Geschwistern getrennt, es ist schon ein großes Glück für die Kleinen dort leben zu können. Ich sah rüber zur Rutsche: Dort spielte Zulema mit einer Freundin, die sie noch von früher kannte. Sie leidet unter epileptischen Anfällen und ist schon ziemlich lange im „Tata San Juan de Dios“. Sie hat es gut dort, bekommt zu Essen, hat Freunde und kann mit ihnen spielen so wie 60 andere Babys und Kleinkinder. Wir schauen uns ein bisschen um und entdecken drei kleine Kinder, die in einer Art Laufstuhl alleine in einer Ecke stehen. Als wir die kleinen ansprechen fällt uns auf, dass sie eine Behinderung haben. Auch an ihrem Aussehen wird das deutlich. Ein Junge hat das Down-Syndrom, eigentlich bräuchte man hier qualifiziertes Personal,  für sie müsste noch mal stärker gesorgt werden, da sie durch ihre Krankheit sehr eingeschränkt in ihrem Handeln sind. Doch hierfür fehlen Gelder. Wie schön es für diese Kinder wäre, Kontakt und Liebe von Bezugspersonen zu erfahren. In ihren Laufstühlen stehen sie dort wie hingestellt und nicht abgeholt, einer brummelt vor sich hin und sabbert. Daraufhin kommt eine Nonne und holt den kleinen Jungen aus seinem Gefährt und nimmt ihn mit rein. Die anderen gucken ihm traurig nach. Hierbei denke ich an Hospitalismus. Wenn die Kinder keine bestimmten Bezugspersonen haben, werden sie später große Schäden davon tragen. Zwei Nonnen arbeiten dort im Kinderheim. Wir haben jedoch nur Kontakt zu den Freiwilligen, ein Mann aus England erzählt uns davon, dass er erst eine Woche dort sei und die ganze Zeit krank. Uns wird gesagt, dass wir auch sehr aufpassen müssten und uns wenn wir gehen, gründlich die Hände waschen sollten.

Im Kinderheim „Tata San Juan de Dios“ gibt es eigentlich Platz für 40 Kinder, die in einem bestimmten Verfahren ausgewählt werden. Als wir dort waren, waren es 60, das ist der Normalzustand. Ein kleiner Junge zieht mich am Arm in einen Spielraum. Dort stehen Regale mit Spielsachen. Ohne meine Hilfe kann er nur mit den Sachen vom Boden spielen, die natürlich total uninteressant für den Kleinen sind. Also hebe ich ihn hoch und runter, hoch und runter und er räumt das Regal aus. Wenn ich ihm sage, dass es reiche und wir erstmal mit den Sachen auf den Boden spielen würden, fängt er an zu quengeln und fast an zu weinen. Silke ruft mich, deshalb muss ich ihn kurz alleine lassen- wäre das so einfach, er lässt mich nicht gehen. Er hält mich fest und guckt mich mit seinen traurigen braunen Augen an, sodass ich ein schlechtes Gefühl bekomme und nicht gehen kann. Irgendwann entwische ich einen kurzen Augenblick und gehe raus zu den schaukelnden Kindern. Ich unterhalte mich mit Silke über Zulema, die schon seit zwei Jahren bei ihr lebt, sie aber immer noch kein volles Sorgerecht bekommen hat. Mutter und Tochter sind schon sehr aneinander gewöhnt und Zulema wirkt sehr glücklich. Silke tätschelt ihr den Kopf und sagt: „Hast du ein Glück gehabt, süße Maus.“ Ich stimme freudestrahlend zu und denke zuerst und spreche es dann aus „Ja, das Glück ihres Lebens.“ Die Zukunft der anderen Kinder und Zulemas Freundin sieht schwierig aus. Sie haben wenig Perspektiven, können nicht ihre ganze Kindheit in diesem Kinderheim bleiben und die meisten werden später um ihr Überleben kämpfen müssen.

Ich als Europäerin sehe im „Tata San Juan de Dios“ das Glück für die Kinder, behutsam aufzuwachsen und es gut zu haben. Dennoch habe ich nach diesem Besuch sehr viel über diese Kinder nachgedacht, da sie nicht mit ihrer Familie aufwachsen. Ich wurde in Bolivien oft darauf angesprochen, dass die Deutschen keine Kinder bekommen wollen, was ja einerseits stimmt, aber der Unterschied ist, dass Deutsche sich oftmals auch mehr Gedanken machen, wie die Zukunft für ihr Familie aussehen wird. Mich macht es wütend und traurig, dass Familien in Bolivien teilweise sieben Kinder haben und sich dann wundern, dass nicht alle satt werden, der Platz nicht ausreicht oder einfach das Geld fehlt. So haben sie oft große Probleme. Eltern dort bekommen ihre Kinder oft ohne wirklich einen Plan für ihre Zukunft zu haben. Sehr viele Kinder arbeiten auf der Straße und es hat mich immer wieder traurig gemacht zu sehen, wie viele es doch sind.

Die Kinder im Kinderheim in Sucre brauchen Unterstützung, sie benötigen aus meiner Sicht vor allem mehr Personal, Menschen, die Zeit für sie haben, die sie mit der lebensnotwendigen Zuwendung versorgen, mit denen sie Beziehungen aufbauen können.

Marike Eggers - Romina Decormis (TeilnehmerInnen 2008/09)

Laufen, fangen, verstecken, suchen, finden , schreien, lachen klettern, toben, spielen, Windeln wechseln, als ich das erste Mal in dem Kinderheim war, war ich schon sehr überrascht, wie viel Energie diese kleinen Mädchen und Jungen haben. Sie wirkten alle so ausgelassen, trotz der in Punkto Sicherheit sehr fragwürdigen Spielgeräte. Doch schnell merkte ich, wie die Kleinen um unsere Aufmerksamkeit, und vor allem die mitgebrachten Kekse und Luftballons kämpften. Denn natürlich können sich die wenigen Betreuer des Heimes niemals einem Kind ganz besonders widmen. Wir konnten kaum glauben, dass sich hinter diesen unschuldigen Gesichtern teils tragische Geschichten verbürgen. Umso schöner war es die strahlenden Äugelein, sich über unsere Mitbringsel freuend blitzen zu sehen . Die Freunde der kleinen und Armen, über in unseren Augen „Kleinigkeiten ist immer noch das Größte“. Ich bin sehr froh diese Erfahrung dort gemacht haben zu dürfen, denn sie zeigt wie sehr Geld und Engagement dort gebraucht wird, damit auch diese Kinder einen guten Start in die Zukunft haben.

Onyeka Oshionwu - Alejandra Garcia

Nachhaltige Arbeit am Projekt 2009/10 in Göttingen

Im Sommer 2009 haben die bolivianischen SuS und deutschen GastschülerInnen am Projekt "Von der Utopie zur Realität" in Sucre/Bolivien gearbeitet und jetzt soll beim Aufenthalt der bolivianischen SuS die Entsprechung in Göttingen erfolgen. Die „Netzwerkgründungen“ in Sucre/Bolivien und Göttingen/Deutschland tragen dazu bei, dass das Projekt ein hohes Maß an Nachhaltigkeit enthält. Die Weiterführung des Projektes sichert die Vernetzung lokaler Aktivitäten von weltkirchlich und entwicklungspolitisch aktiven Gruppen.

Darüberhinaus wird im November und Dezember wöchentlich ein doppelstündiges Seminar für die  deutschen und bolivianischen Teilnehmer stattfinden, in dem z. B. auch der Besuch in der Bundeshauptstadt Berlin vom 19.-21.12.2009 vorbereitet wird. Schwerpunktthema 2009: "20 Jahre Mauerfall". Ein weiteres Projekt zum Thema Menschenrechte, das die Teilnehmer kennenlernen werden, ist "Friedenstaube Nr. 33" in Zusammenarbeit mit dem Künstler Richard Hillinger.

Wir danken CHILDREN mit seiner Initiative JUGEND HILFT! und dem Katholischen Fonds für die finanzielle Unterstützung!

Alejandra Garcia Quiroga, Jhanin Sandoval Gumiel, Maritza Vega Navarro und Stephanie Sellis Cervantes
UNESCO-Taube Nr. 33
MI SAMBA MI NEGRA (Saya)
Stephanie, Jhanin, Alejandra und Maritza

La Saya und die Afrobolivianer

Ursprung: Die Afrobolivianer wurden aus Afrika nach Südamerika gebracht, um unter unmenschlichen Umständen in den Silberminen in und um Potosi zu arbeiten. Dabei waren sie gezwungen, die Kälte und auch die Höhenlage von 4200 m über dem Meeresspiegel zu ertragen, Umstände, die für die Afrikaner sehr ungewohnt waren. Nach dem Niedergang der Minen gingen die Afrobolivianer dann in die Yungas nahe La Paz, wo sie die Techniken des Kokaanbaus erlernten. Die Haciendabesitzer in den Yungas hatten großen Bedarf an Arbeitskräften, und so wurden die Afrobolivianer in der Landwirtschaft eingesetzt, wo sie auch wie Sklaven ausgebeutet wurden. Am 2. August 1953 wurde durch den Gesetzeserlaß Nr. 3464 das Pongueaje y Mitaje-System, ein System der Zwangsarbeit und des Arbeitsdienstes abschafft. Somit wurden die Afrobolivianer von ihrer Sklavenarbeit befreit und ihnen wurde Land zuerkannt, auf welchem sie noch heute leben und arbeiten.

Soziales System: Die soziale Ordnung der Afrobolivianer basiert auf der Kernfamilie, also der familiären Einheit. Es zeigen sich starke Bindungen zwischen den Mitgliedern, vor allem auch aufgrund der durch ihre Hautfarbe bedingten Ausgrenzung. Hierdurch zeigt sich die in sich geschlossenen ethnische Organisation, innerhalb derer immer noch Bestandteile ihrer alten Kulturen aufrecht erhalten werden.

Kulturelle Aspekte: die indigene Volksgruppe der Afrobolivianer hat starke kulturelle Wurzeln, die bis zu ihren aus Afrika emigrierten Vorfahren reichen, sie beinhalten das Leid ihres Volkes während der Sklaverei in Potosi genauso wie die natürliche Vermischung mit dem Aymara.
Die Saya ist die wahrhaftige kulturelle und musikalische Ausdrucksweise der Afrobolivianer, hier spiegeln sich die soziale Unruhe, die Freude, der Schmerz und auch Kritik in den sich reimenden Strophen wieder. Begleitet werden sie vom Rhythmus afrikanischer Trommeln,  während die hintergründigen Strophen abwechselnd einzeln und im Chor vorgetragen werden. Es ist eine Art Musik, die bei vielen indigenen Völkern auch die Ernten, die Arbeit und auch die Feiertage der Gemeinschaften untermalt.
Die Sprachen und verschiedenen Dialekte, die Musik, der Ausdruck und das Wesen der Afrobolivianer sind eine einzigartige Mischung aus Afrikanern, Aymara und kreolischen Mestizen.

Quelle: http://www.amazonia.bo/mas_detalle_proi.php?id_contenido=1

Worldcafé mit dem WPU UNESCO am 17.12.2009

Exkursion nach Berlin vom 19. - 21.12 2009

Empfang im Ratsaal des Neuen Rathauses am 19. Januar 2010

Bürgermeister W. Gerhardy mit der UNESCO-Taube Nr. 33
und die deutsch-bolivianische Austauschgruppe

Kurs "Deutsch als Fremdsprache"

Auch im Schuljahr 2009/10 wurde wieder ein Deutschkurs für die bolivianischen Austauschschülerinnen und den weißrussischen Stipendiaten in Zusammenarbeit mit der VHS in Göttingen angeboten.

Göttinger Tafel e.V.

Weltladencafé Göttingen

Abschlussbesprechung im Weltladencafé Göttingen