6. Austausch 2013: Nanjing und Beijing

Essen in China

Das Essen in China ist ganz anders als unser deutsches Essen, was allerdings auch für keinen von uns besonders überraschend war. Die meisten von uns haben dreimal am Tag warm gegessen, auch zum Frühstück, was die größte Umstellung war. Außerdem sind viele chinesische Gerichte relativ scharf gewürzt, was nicht allen geschmeckt hat. Trotzdem war jedes Essen ein besonderes Erlebnis und komplett anders als die davor, manchmal waren auch einige Speisen dabei, die auf den ersten Blick hin ziemlich verrückt klingen, aber trotzdem sehr lecker waren. Ein gutes Beispiel hierfür die Kartoffeln mit flüssigem Zucker übergossen. Man würde denken, dass diese Kombination überhaupt gar nicht schmeckt, aber am Ende war die ganze Platte leer. Das schwierigste für uns war am Anfang das Essen überhaupt zum Mund zu bekommen. Die Stäbchen erfordern eine gewisse Geschicklichkeit, die man erst einmal antrainieren muss. Es ist natürlich auch lustig, selbst wenn man das Essen nicht immer so essen kann wie man will und als dann in Peking auch wieder Gabeln auf dem Tisch lagen, hat trotzdem jeder von uns weiter mit Stäbchen gegessen. Wir haben vor unser Reise nach China gelernt, dass man immer etwas vom Essen übrig lassen sollte, da es sonst scheint, als ob man nicht satt geworden wäre. Dies war gar kein Problem, denn es wurde immer so viel bestellt, dass es auch noch für zwei Personen mehr gereicht hätte und obwohl alles sehr lecker war, man wirklich so pappsatt war, das niemand auch nur noch einen Bissen essen konnte. Vielleicht war es auch gut, dass es nicht oft Reis gab, denn dieser macht noch mehr satt. Wir haben uns allerdings gewundert, denn wir dachten vorher, dass Reis als Hauptnahrungsmittel bei jedem Essen dabei ist, aber oft haben wir extra gefragt ob wir welchen bestellen könnten. Auch wenn wir nicht sehr oft Reis gegessen haben, Tofu gab es jedes Mal. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Tofu geben würde, immer mit einer anderen Soße und anderen Gewürzen, aber immer sehr lecker. Es gab allerdings auch merkwürdiges Tofu in Fischform und mit Geschmack nach Hähnchen. Obwohl einige ihre Liebe zu Tofu entdeckt haben, waren viele froh, zu Hause endlich wieder einen eigenen Teller mit einem zusammenhängenden Stück Fleisch zu haben.

Umwelt

Nachdem ich mich ein bisschen über Chinas Umwelt informiert hatte und vor allem durch die Olympischen Spiele in Peking 2008 viel über die schlechte Situation von Luft, Müll und Wasser in China gehört hatte, überraschte mich der erste und auch die weiteren Eindrücke von Nanjing. Als wir mit dem Bus vom Flughafen zur Schule fuhren, wurde sofort deutlich, dass Nanjing eine sehr grüne Stadt ist. Überall gab es Grünanlagen, Blumentöpfe und kleine Parks. Später erfuhren wir, dass dies allerdings eine Besonderheit ist und dass Nanjing in ganz China für ihre vielen Bäume bekannt ist. Um diesen Zustand zu bewahren, gibt es in Nanjing mehrere Bürgerinitiativen. Außerdem waren die Straßen sehr sauber. Dies liegt höchstwahrscheinlich auch an den Wägen, die man hin und wieder auf der Straße sieht, während sie die Straße mit Wasser und vermutlich Chemikalien säubern. Uns allen ist aufgefallen, dass wir automatisch mehr Müll als in Deutschland produzierten. Das meiste Obst und Gemüse war extra verpackt und worüber wir uns besonders wunderten, war die Einschweißung des Geschirrs in manchen Restaurants. Anders als in Deutschland wird der Müll nicht getrennt und es gibt keine Pfandflaschen, allerdings werden leere Plastikflaschen teilweise von Privatpersonen eingesammelt und verkauft. Wenn man in China an den Artenverlust denkt, dann denkt man meistens zunächst an die Pandabären, obwohl dies bei weitem nicht die einzige bedrohte Tierart ist. Der Grund für diesen drastischen Verlust an der Artenvielfalt ist hauptsächlich der Verlust ihres Lebensraums. An einem Tag besuchte ich zusammen mit meiner Gastschwester Amelie einen Bambuspark. Sie erklärte mir, dass ein altes chinesisches Sprichwort besagt, dass  nicht in jedem Essen Fleisch enthalten sein muss, aber in jeder Wohnung ein Möbelstück aus Bambus. Bambus ist eine wertvolle Ressource in China und durch diesen Park, der extrem überfüllt von Menschen war, wurde deutlich, dass Bambuswälder auch mittlerweile zu einer echten Seltenheit und damit Besonderheit in China geworden sind. Peking ist so eine riesige Stadt, dass sie weder mit der Umwelt in Nanjing, noch mit irgendeiner Stadt in Europa zu vergleichen wäre. Dort war es wesentlich schmutziger und staubiger. An den meisten Tagen konnte man nicht wirklich den Himmel sehen, was entweder an der Umweltsituation oder an dem schlechten Wetter lag.

Der Aufenthalt in den Gastfamilien

Dreieinhalb Tage lang habe ich in der Familie Zhu gelebt, zu der neben Amelie noch ihre Eltern, Großeltern und ihre Cousine gehören. Mir hat es sehr gut bei ihnen gefallen. Tagsüber waren Amelie und ich meistens mit anderen aus der Gruppe und ihren Austauschpartnern unterwegs. So war es auch am ersten Tag in meiner Gastfamilie, an dem wir relativ spät nach Hause kamen. Sie leben in einer kleinen Wohnung in einem Hochhaus, das relativ zentral liegt. Ich traf zum ersten Mal Amelies Vater und ihre Großmutter. Vor diesem ersten Treffen hatte ich vorher besonders Angst, denn ich fragte mich, wie sie reagieren würden, ob sie sich über die Geschenke freuen würden und vor allem wie man miteinander kommunizieren würde. Diese Nervosität stellte sich als überflüssig heraus, denn alle waren  sehr herzlich und wir unterhielten uns auf Englisch. An den Morgenden waren nur die Großeltern zu Hause und kümmerten sich um uns und das Frühstück. Mit ihnen sprach ich das erste Mal richtig Chinesisch, was sie sehr freute. Man hatte sich mit dem Essen, dem Geschirr, Amelies Zimmer, das mir überlassen wurde, und vielen anderen Dingen, sehr auf mich eingestellt. Generell waren die Eltern wenig zu Hause. Amelie hat mir erzählt, dass auch als sie kleiner war, ihre Großeltern sich hauptsächlich um sie gekümmert haben, weil ihre Eltern arbeiten mussten. Mein Gastvater war Manager in einer Deutschen Firma, die sich mit Wasserverschmutzung beschäftigt und meine Gastmutter war Chinesisch- und Geschichtslehrerin. Mit meinem Gastvater habe ich mich lange über seine Arbeit unterhalten. Er ist selbst schon ein paar Male nach Deutschland gereist und mochte es sehr. Generell schien er alles deutsche sehr zu schätzen, was ich erstaunlich fand. Am zweiten Abend traf ich zum ersten Mal meine Gastmutter. Sie sprach kein Englisch und ich konnte mich auch auf Chinesisch nicht gut mit ihr unterhalten. Das war nicht weiter schlimm, denn der Rest der Familie war extrem gut gelaunt und sie erzählten einander von ihrem Tag. Die lockere Stimmung in der Familie hat mir sehr gut gefallen und war der bei mir Zuhause sehr ähnlich. Mir ist außerdem aufgefallen, dass Amelies Cousine viel lernen musste. Während wir uns tagsüber Nanjing anschauten, saß sie den ganzen Tag in der Wohnung und lernte für ihre Abschlussprüfungen. Im Gegensatz zu anderen Themen war meine Gastmutter dem Lernen gegenüber sehr streng. Am ersten Mai hatte zumindest mein Gastvater frei und er wollte mit uns ein bisschen nach außerhalb fahren um dort einen Bambuswald anzusehen. Leider bin ich dort nur mit Amelie alleine spazieren gegangen, weil ihr Vater noch etwas anderes zu erledigen hatte. Später holte er uns wieder ab und wir gingen gemeinsam essen. Es war ein sehr schickes Restaurant und obwohl wir nur zu dritt waren gab es sehr viel, aber alles war sehr lecker. Anschließend bot er Amelie und mir an, noch ihren Großvater zu besuchen, der aufgrund der besseren Luft auch in der Nähe des Bambuswaldes wohnte. Mit dem Großvater habe ich mich fast gar nicht unterhalten, Amelie allerdings auch nicht. Der Abschied von dem Rest der Familie ging sehr schnell und war durch die Hektik schmerzlos, denn  Amelie und ich waren spät dran für die Schule und hatten deswegen nicht viel Zeit. Jedenfalls bin ich herzlich von ihnen eingeladen worden wiederzukommen und würde mich auch sehr freuen, mal von ihnen hier in Deutschland besucht zu werden. Obwohl es nur so eine kurze Zeit war, habe ich meine Gastfamilie, vor allem Amelie, ihre Cousine und ihren Vater sehr gut kennen gelernt. Ich habe mich sehr dort wohlgefühlt und mir gefiel das Leben und der Umgang miteinander in dieser Familie sehr. (Ricarda)

 

In der Zeit, in der wir bei den Gastfamilien untergebracht waren, konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln und habe einiges dazu gelernt.  Zunächst habe ich erlebt wie die drei Generationen, Großeltern, Eltern und Sohn zusammen in einer Wohnung in einem Hochhaus leben. Jeden Tag bin ich mit meinem Gastbruder Peter um die 25-30 min Bus oder U-Bahn gefahren. Obwohl ich in einem Vorort gewohnt habe, erschien mir alles sehr groß. Die Familie war sehr nett, hilfsbereit und fürsorglich. Obwohl ich die Sprache kaum beherrsche konnte ich mit der Familie kommunizieren. Sie haben mir sehr oft vom Essen erzählt und mir viel zum Probieren gegeben. Sie waren sehr interessiert an Deutschland und an meiner Familie. Ich fand besonders gut, dass mein Gastbruder soviel mit mir und den anderen gemacht hat. Jeden Tag haben wir uns mit den anderen Deutschen und den Chinesen getroffen und haben etwas unternommen, wie ins Kino gehen, Boot fahren, wandern oder einfach nur die Sonne genießen. Ich habe viel Neues gelernt und mich sehr gut mit allen verstanden. Beeindruckend fand ich die Gastfreundlichkeit, die auch mein Gastbruder aufbrachte, obwohl er für viele Prüfungen, teilweise bis nachts gelernt hat und seine freien Tage mit mir und den anderen verbracht hat. Ich bin sehr beeindruckt von "meiner" chinesischen Familie und von dem China-Aufenthalt insgesamt - und bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben. (Sira)

Ab dem zweiten Tag unseres Nanjing Aufenthalts, waren wir in Gastfamilien untergebracht. Von Sonntag (28.04.) bis Donnerstag morgen (02.05) war ich bei der Familie meiner Gastschülerin Karin untergebracht. Karin hatte keine Geschwister, also wohnten sie nur zu dritt in der Wohnung. Die Wohnung war sehr groß (6. und 7. Stockwerk), modern und neu eingerichtet und ich hatte mein eigenes Zimmer mit einem großen Bett. Sie wohnten etwa 30 Minuten mit dem Bus von der Schule entfernt. Die Eltern sprachen nur Chinesisch, was die Verständigung etwas erschwerte, dennoch habe ich  mich so gut es ging bemüht ein paar Sätze auf Chinesisch zu sagen. Ich habe z.B. ein paar Fotos von meiner Familie gezeigt und vorgestellt und wenn ich nicht mehr weiter wusste, dann hat mir Karin geholfen. Die Eltern waren sehr nett und offen mir gegenüber und haben alles versucht, damit ich mich wohl fühlte. Das Essen war sehr lecker und ich hatte immer eine sehr große Auswahl. Die Großeltern habe ich auch an einem Abend kennengelernt und als ich mich dann auf Chinesisch vorstelle, konnten die es kaum glauben und waren sehr erstaunt. In der Gastfamilie war ich eigentlich nur, um zu schlafen und zu frühstücken, denn die Gastschüler haben sich jeden Tag ein neues Programm für uns überlegt, das meistens bis spät in den Abend ging. Wir waren jeden Tag als Gruppe in der Stadt unterwegs und haben viele Sehenswürdigkeiten besucht. Einmal waren wir auch im Kino oder haben mit den Ausstauschschülern Fußball gespielt, den höchsten Berg in Nanjing bestiegen und eine Bootsfahrt gemacht. Die Schüler haben sich jeden Tag wunderbar um uns gekümmert und immer dafür gesorgt, dass wir eine gute Zeit hatten. Etwas mit der Gruppe zu unternehmen, war immer sehr angenehm und lustig, denn wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Der China Aufenthalt war für mich eine sehr gute Erfahrung und ich bin froh, dass ich an dem Progamm Teil genommen habe. (Dominik)

Anfangs war ich schon ein bisschen nervös, wie wahrscheinlich alle anderen auch, und habe mich gefragt,wie ich mich denn mit meiner Gastfamilie verstehen würde. Sonntagmittag wurden wir dann von unseren Gastschülern am Schuleingang abgeholt und haben erst einmal Fotos gemacht. Nach dem Mittagessen sind wir dann bei strahlendem Sonnenschein und 30° zum Xuanwusee gelaufen und sind dort Boot gefahren. In dieser Stunde hat man sich schon sehr viel unterhalten und über den anderen herausgefunden. Danach sind wir noch zusammen zu einer Karaokebar gegangen und  haben dort dann alles mögliche gesungen. Auch wenn manche Lieder auf Chinesisch waren und wir nichts verstanden haben, hat es richtig Spaß gemacht. Nach dem gemeinsamen Abendessen in der Stadt sind wir alle zurück zur Schule gefahren und haben unsere Taschen geholt. Bens Mutter hat uns abgeholt und wir haben erst noch Tim und Tim nach Hause gebracht bevor wir zu ihm nach Hause gefahren sind. Dort habe ich dann gleich mein Zimmer und die Wohnung gezeigt bekommen. Am nächsten Morgen habe ich dann auch meinen Gastvater kennengelernt und sie haben mir noch einen anderen, kleineren See gezeigt und nach dem Mittagessen sind wir in einer anderen Stadt in einer Heiltherme schwimmen gewesen. Meine Gasteltern sind auch sehr nett und obwohl es mit der sprachlichen Verständigung nicht so gut geklappt hat, haben wir uns sehr gut verstanden. Ich habe im Schwimmbad mit meinen Gasteltern Tischtennis gespielt und es hat richtig Spaß gemacht. Abends habe ich dann noch mit Ben und seiner Mutter UNO gespielt und es ist immer wieder toll, wie gut man sich trotz mangelnder Sprache mit anderen Leuten versteht. Am Dienstag haben wir dann wieder in der großen Gruppe erst Badminton im Olympiazentrum gespielt und dann ein bisschen in der Stadt eingekauft. Dabei gab es dann ein kleines Missverständnis wer wo ist oder wartet, aber da wir alle mindestens einen Gastschüler in der Gruppe hatten, war auch das kein Problem. Am Abend haben Ben und ich dann zu Hause gegessen, denn der Opa hatte sehr lecker gekocht. So habe ich dann gleich auch noch die Großeltern kennengelernt, die anscheinend normalerweise mit in der Wohnung wohnen. Danach haben mir Ben und seine Mutter noch ein chinesisches Kartenspiel beigebracht, dass eine sehr große Ähnlichkeit mit unserem Spiel „Arschloch“ hat. Als wir dann am Mittwochmorgen zu unserem letzten gemeinsamen Ausflug auf einen Berg aufgebrochen sind, war es schon sehr schade, dass die Zeit in unseren Gastfamilien zu Ende ging. Nach einem gemütliche Picknick am Xuanwusee sind wir noch in die Stadt von Peter gefahren und haben dort erst zu Abend gegessen (eines der leckersten Essen, die wir überhaupt gegessen haben) und waren dann noch im Kino in „Iron Man 3“. Glücklicherweise war der Film auf Englisch mit chinesischen Untertiteln, aber wenn ein Chinese im Film gesprochen hat war es nicht auf Englisch und das ganze Kino hat gelacht, nur wir haben den Witz nicht verstanden, schade! Wieder zu Hause musste ich dann leider meine Sachen schon packen. Wir haben dann noch eine Abschiedsrunde UNO gespielt und einige Abschiedsfotos gemacht. Ich habe mich dann schon von meinen Gasteltern verabschiedet, da wir am nächsten Morgen von dem Fahrer zur Schule gebracht wurden. Alles in allem habe ich eine sehr schöne Zeit in meiner Gastfamilie verbracht und es war schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten. (Hannah)

Nanjing 2013 Tagesberichte (Auswahl)

Tagesbericht vom 28.04.2013 – Kennenlernen und Gastfamilien

Nach der ersten Nacht im Wohnheim unserer Schule gingen wir morgens gegen 9 Uhr zum Frühstück in der Schulmensa. Danach trafen wir uns mit den chinesischen Austauschschülern und uns wurde gesagt, bei wem wir die vier Tage wohnen würden. Meine Gastschwester hieß Lena und war genau wie ich 17 Jahre alt. Nach einigem Stress, weil niemand wusste was nun die Tagesplanung war, gingen wir dann zum Mittagessen in die Mensa und unterhielten uns ein wenig mit unseren Austauschschülern. Danach gingen wir zu einem zentralen Park, der in der Nähe der Schule lag und sind Motorboot gefahren und haben ein wenig geredet und uns kennengelernt. Als wir fertig waren und das Boot wieder abgegeben hatten warteten wir ca. eine Stunde auf die anderen, die auch noch auf dem See Boot fuhren und gingen danach mit ihnen durch die Innenstadt zu einer Karaoke-Bar. (Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie eine SO riesige Karaoke-Bar gesehen habe…)  Abends gingen wir noch in einem riesigen überfüllten Restaurant essen, es gab Buffet. Ca. 23 Yuan (ca. 3 Euro) für 12 Leute. Abends bei Lena angekommen, lernte ich ihre Eltern kennen, die beide weder Englisch noch  Deutsch sprachen. Ich stellte mich ihnen auf Chinesisch vor und Lena übersetzte das was ich nicht sagen konnte. Ich entschuldigte mich, dass ich sehr müde sei und an diesem Abend früher ins Bett gehen wollte, weil ich vom Flug immer noch sehr müde sei und Lenas Vater lächelte mich freundlich an und meinte mit Akzent: „Good Night“. Als ich im Bett lag schrieb ich noch ein wenig, war aber sehr müde und ging früh schlafen.

Tagesbericht vom 29.04.2013 – Essen, essen, Polizei

Lena meinte am gestrigen Abend noch, dass ich heute ausschlafen könnte. Das hieß bis halb 10. Zum Frühstück gab es etwas, was ich zu Anfang noch nicht ganz einordnen konnte, aber Lena sagte mir, es wäre Tofu-Suppe und es schmeckte auch verdammt gut. Danach fuhren wir zur Polizei, weil wir anmelden mussten, dass ich für vier Tage bei Lena zu Hause wohnen würde. Mittags haben die anderen Fußball gespielt. Da Lena und ich beide kein Fußball mochten, saßen wir daneben und haben alle anderen angefeuert. Später sind wir dann zuerst mit dem Bus und dann mit der U-Bahn gefahren und Feuertopf essen gegangen, was allerdings eher in einer Nudelschlacht endete, da wir alle noch nicht wirklich fähig waren, glitschige Nudeln mit Stäbchen aus kochendem Wasser zu ziehen. Dann sind wir ein bisschen durch die Stadt gebummelt und Peter und David (zwei Chinesische Austauschschüler) haben uns einen kleinen Markt am Stadtrand gezeigt. Dort wurden wir dann von Lenas Eltern abgeholt. Gerade liege ich im Bett, esse White Rabbits und habe etwas Angst vor dem morgigen Essen… In diesem Sinne:wǎn ān 晚安.

Tagesbericht vom 30.04.2013 – Sport und Bummeln

Heute morgen habe ich 15 Minuten verschlafen aber wir sind trotzdem früher als die anderen beim Olympia-Stadion gewesen. Dann haben wir eine Halle zum Badminton spielen gesucht – und gefunden! Dort waren wir ungefähr zwei Stunden und es hat sehr viel Spaß gemacht (wir hatten Pockys). Dann saßen wir eine halbe Ewigkeit in einem Restaurant in einem Einkaufscenter und haben auf unser Essen gewartet. Die Pläne für heute haben wir gestrichen, das Wetter ist so gut, dass wir erst morgen ins Kino in Iron Man 3 gehen und dafür heute ein wenig durch die Stadt bummeln. Die Jungs sind irgendwann geflüchtet, es gab ein riesiges Durcheinander und irgendwann wussten wir nicht mehr so richtig wo die anderen nun sind. Wir waren vorgegangen und dachten sie würden nachkommen, sie dachten aber wir würden zurückkommen. Im Endeffekt haben wir uns dann abends um 9 wiedergesehen und uns für den morgigen Tag zum „Klettern“ verabredet. Wir dachten es wäre ein Scherz und sie wüssten nicht was „Bergsteigen“ oder „Wandern“ heißt. Weit gefehlt.

Tagesbericht vom 01.05.2013 – Klettern und Aussicht

Morgens total früh aufgewacht. Dann mussten wir schnell frühstücken und ins Krankenhaus. Die haben hier Zahnärzte im Krankenhaus. Eine oder zwei Etagen nur für Zähne. Dann haben wir uns zum Kletter/Bergsteigen/Wandern getroffen. Leider war es wirklich klettern. Eine ziemlich steile Bergwand hinauf, die voller Scherben war. Oben angekommen mussten wir auch direkt wieder runter und das war ungefähr genau so steil und wir hangelten uns an einem dünnen Drahtseil und ein paar Bambus(???) den Hang hinab. Dann gingen wir zu einer Sternwarte und haben einen schönen Platz zum Picknicken gesucht. Dann sind wir mit der Seilbahn circa 20 Minuten den ganzen Berg wieder hinab gefahren und man konnte (gefühlt) ganz Nanjing sehen. Überall Bäume, Bäume und noch mehr Bäume. Abends sind wir dann in einen Stadtteil gefahren, der eine Stunde Busfahrt vom Zentrum entfernt ist und sind dort zuerst essen gegangen und dann ins Kino in Iron Man 3, denn schließlich war heute der letzte Tag mit unseren Gastschülern. Zurück gefahren sind wir sehr spät mit der U-Bahn und den Rest des Weges mussten wir laufen, weil die U-Bahn-Station vor Lenas Haustür gerade erst gebaut wird. Fazit des Tages: Man kann mit Einkaufstüte in der Hand nicht sonderlich gut klettern.

Tagesbericht vom 02.05.2013 – Schule, Musikunterricht, Chinesisch, Geschichte vor Ort: Nanjing Massaker, 1937

Am Donnerstagmorgen sind wir alle zusammen mit unseren Gastschülern zur Schule gefahren. Nach dem gemeinsamen Frühstück in der Mensa mit allen Deutschen sind wir direkt zu unserer ersten Unterrichtsstunde in Musik gegangen. Die Lehrerin hat uns als erstes das Zheng vorgestellt, ein altes chinesisches Musikinstrument, und gemeinsam haben wir danach das bekannteste Volkslied Chinas gesungen, „Molihua“. Dann hatten Ricarda und Sima die Möglichkeit selbst einmal auf der Zheng zu spielen. Danach hat sie uns noch ein zweites Instrument, die Cucurbic Flute (Flaschenkürbis Flöte?), gezeigt. Nach einem Film über eine chinesische Akrobatengruppe und eine ihrer Nummern hatten wir noch ein bisschen Zeit zum ausprobieren der verschiedenen Instrumente im Musikraum. Direkt im Anschluss an die Musikstunde hatten wir eine Stunde Chinesischunterricht. Eigentlich sollte dieser bei einem Lehrer stattfinden, der ausschließlich Chinesisch spricht, doch der musste zum Arzt und so hatten wir bei Anita, einer Deutschlehrerin Unterricht. Es war ein bisschen schade, dass sie als Hilfe dann doch manchmal ins Deutsche gewechselt hat, aber wir haben trotzdem viele Vokabeln zum Essen und Einkaufen gehen gelernt, die wir abends dann gleich anwenden konnten. Nach dem Mittagessen hat Aida uns den Computerraum gezeigt und alle haben erst einmal E-mails an die Familien nach Hause geschickt. Um halb zwei sind wir dann mit dem Schulbus zur Nanjing Massacre Memorial Hall gefahren. Diese Gedächtnisstätte ist den Opfern der japanischen Invasion Chinas und vor allem dem Massaker in Nanjing gewidmet. In vier Wochen brachte das japanische Militär etwa 300.000 Menschen um, vergewaltigte tausende von Frauen, plünderte und zerstörte die Stadt. Die Ausstellung ist sehr eindrücklich und schockend; in einem Raum fällt alle zwölf Sekunden ein Wassertropfen von der Decke, dies ist der Abstand in dem man Menschen umbringen muss um nach einem Monat 300.000 Tote zu haben. In diesem Raum hing auch der folgende Appell: „One's life is precious. We should condemn invasion, condemn slaughter, condemn terrorism and pray for the permanent peace for humankind.” (Das Leben eines Menschen ist kostbar. Wir sollten Invasionen, Metzeleien und Terrorismus verurteilen und für den permanenten Frieden für die Menschen beten.) Wir fanden es allerdings ziemlich dreist, dass Chinesen uns mitten in der Gedenkstätte fotografiert haben. Nachdem wir alle wieder am Bus waren, ist uns aufgefallen, dass Mascha gefehlt hat. Letztendlich ist sie nur langsamer als alle anderen durch das Museum durchgegangen, aber sie war doch eine dreiviertel Stunde verschwunden. Wieder zurück in der Schule war unser Tagesprogramm beendet und wir hatten den Abend zur freien Verfügung. Einige sind noch mit Frau Schlieper Essen gegangen und die meisten sind abends noch in die Stadt gefahren.

Tagesbericht vom 05.05.2013 - Auf den Wegen der Ming-Dynastie

Der Tag begann mit einem guten Frühstück in einem Restaurant gegenüber der Schule. Gut gestärkt fuhren wir mit dem Bus in das 430.000 Seelendorf Gaochun. Nach einer 1 /12 stündingen Fahrt hielten wir bei einem Restaurant um Mittag zu essen. Anschließend besichtigten wir eine traditionelle Straße, die aus der Ming-Dynastie stammt. Diese Straße hat sich seit der Ming-Dynastie nicht viel verändert. In den Seitenstraßen schauten wir uns die alten Häuser an, die noch sehr gut erhalten waren. Nach der Heimfahrt spielten wir noch auf dem Fußball Platz ein kleines Deutsch-Chinesisches Länderspiel, bei dem fast die ganze Gruppe mitgespielt hat. Am Abend hatten wir dann noch Zeit, um in die Stadt zu fahren und uns dort ein bisschen umschauen zu können.  

Tagesbericht vom 08.05.2013 - Aufbruch nach Beijing

Morgens um 4:30 Uhr klingelte der Wecker. Ich wurde beauftragt mit Stella, Dominik und Tim alle anderen aufzuwecken. Es war der letzte frühe Morgen in Nanjing. Alle machten sich bereit für Peking. Um 7 Uhr morgens fuhren wir mit dem Zug los. Im Zug wurde geschlafen, gegessen und Karten gespielt. In Peking um 12Uhr angekommen wurden wir vom Reiseleiter empfangen und uns kurz erzählt, was wir in der kurzen Zeit in Peking besichtigen werden. Die Besichtigungstour startete sofort. Als erstes besuchten wir den größten Platz der Welt, den 'Platz des himmlischen Friedens'. Ich fand es erstaunlich, wie gigantisch groß dieser war. Insgesamt sollen dort eine Million Menschen Platz haben. Danach ging es schon weiter zu der 'Verbotenen Stadt'. Dort lebten diverse Kaiser mit vielen Frauen zusammen. Die Anlage ist riesig groß und vielseitig ausgeschmückt. Die 'Stadt' zu renovieren ist sehr zeitaufwendig, jedoch finde ich besonders die Verzierungen sehr schön. Interessant war es zu hören, wie die Menschen dort gelebt haben und wo der Kaiser überall war. Dadurch hatte man einen guten Einblick in die Vergangenheit, da alles sehr gut erhalten geblieben und gepflegt ist. Nachdem alle sehr erschöpft wieder zum Bus gegangen sind, ging es zum Essen. Auch ich war sehr fertig, dennoch gab es abends nachdem wir im Hotel ankamen noch etwas Freizeit um die Einkaufsstraße zu erkundigen. Dieses konnte man sich natürlich nicht entgehen lassen! Deshalb bin ich dann gegen 11 Uhr sehr müde und erschöpft ins Bett gegangen. Insgesamt war es ein sehr eindrucksvoller und wieder ein sehr lehrreicher Tag!