Auewaldprojekt 1995

Das Projekt Auewald - Schüler berichten

Alljährlich wird am Hainberg-Gymnasium ein Schüleraustausch mit der polnischen Partnerstadt Torun durchgeführt. In diesem Jahr (1995) beschlossen wir, die sozial-kulturellen und völkerverbindenden Aspekte des Austausches mit einem ökologischen Hintergrund zu verknüpfen. Deshalb stimmten wir dem Auewaldprojekt, das uns von einigen Lehrern vorgestellt wurde, sofort zu, da es uns in jeder Hinsicht besonders gut geeignet schien. Das Projekt bestand daraus, daß eine standortfremde Bewaldung mit Fichten direkt an der Leine, d.h. im Auebereich, durch eine ursprünglich einmal vorhandene Bepflanzung mit den für eine Hartholzaue typischen Gehölzen ersetzt wurde: so entstand unser Auewald.

An den Projekttagen - insgesamt 6 Tage - trafen wir uns früh morgens am HG und fuhren mit einem extra bestellten Bus zum Gut Besenhausen an der Leine. Am Gut angekommen, kehrten wir zunächst in einer Scheune des Guts zum Umkleiden ein: Die schönen Lackschuhe wurden gegen Gummistiefel oder zumindest festes Schuhwerk, die guten Levis-Jeans gegen eine alte Arbeitshose aus Opas hinterster Schrankecke getauscht. Aufgrund des kalten Windes hatte sich auch schnell herumgesprochen, daß eine warme Arbeitsjacke wärmer hält als ein übergezogenes Hemd, auch wenn dabei der ästhetische Effekt verloren geht. Splitter oder andere gefährliche und schmutzige Dinge lieBen auch grobe Arbeitshandschuhe zum Standard werden.

Frohen Mutes blieben vom Gut aus noch 300 Meter zu Fuß zu bewältigen, ehe die Arbeitsfläche in voller Größe (ca. ein halber Hektar) vor uns lag, eine groBe Fläche, die von der vordersten bis zur hintersten Ecke voll mit Fichtengezweig und anderem Gestrüpp bedeckt war. Einzelne Laubbäume (vor allem Eschen) waren stehengeblieben, während die Stämme der abgeschlagenen Fichten unweit der Arbeitsfläche gestapelt waren. Aus ihnen sollte später ein Schutzzaun gebaut werden. Wir verbrachten also die ersten drei Tage damit, die riesige Masse von Ästen und Zweigen zu verbrennen. Da es geregnet und geschneit hatte, war das zunächst eine recht schwierige Angelegenheit. Alles war kalt und feucht, so daß die Arbeitshandschuhe schnell total durchnäßt waren. Bis mehrere Feuerstellen, quer über die Arbeitsfläche verteilt, angelegt waren, dauerte es einige Zeit und große Mühen. Aber dann hatten die meisten gelernt, wie man mit Hilfe von Papier und trockenem Stroh auch bei schwierigsten Bedingungen mit nassen Zweigen und Nadeln FeuersteIlen entfacht. An jeder Feuerstelle, die gleichzeitig für Wärme und etwas Trockenheit sorgte, waren drei bis vier Jungen und Mädchen damit beschäftigt, die großen und kleinen Zweige heranzuschleppen. Diese überaus 'begeisternde" Arbeit bei Regen und Schnee lieB allerdings zu Beginn des dritten Tags die Motivation auf ein beängstigendes Tief sinken, so daß sich allgemeine Mutlosigkeit breit machte.

Doch trotz der nur langsam abnehmenden Gestrüppmassen, angesichts derer wir am Ende des zweiten Tages kaum geglaubt hatten, alles bewältigen zu können, war am Mittag die Arbeitsfläche weitestgehend geräumt. Eine Gruppe von vier Jungen und die Projektbetreuerin machten sich dann noch daran, das Arbeitsgebiet gegen Wildverbiß einzuzäunen. Hierfür waren die Fichtenstämme nötig, die am Ende noch mühselig angespitzt werden mußten, um sie mit einer Ramme in den feuchten, schweren Boden zu hauen. Der dafür notwendige hohe Kraftaufwand führte allerdings zu der Entscheidung, nur alle dreißig Meter einen der Stämme einzuschlagen, während die Lücken alle fünf Meter mit Metallpfosten gefüllt wurden.

Noch am selben Tage gruben zwei Schüler die schon gelieferten jungen Baum- und Strauchpflanzen am Rande der Arbeitsfläche ein, was schon daraufhin deutete, daß am nächsten Tag unbedingt die Pflanzung duchgefuhrt werden mußte. Die eigentliche Pflanzaktion bestand in der Setzung von ca. 2000(!) Jungpflanzen. Ausgerüstet mit Hacken und Baumtrieben verstreuten sich alle nach einem besonderen Pflanzplan, der mit verschiedenfarbigen Bändchen deutlich vorgegeben war. Der Pflanzvorgang, der uns von Ulli (der Projektbetreuerin Ulrike Saeger) ausführlich beschrieben wurde, verlief folgendermaßen: Man schlug die Hacke in den Boden und hob diesen soweit aus, daß die Wurzeln der Jungpflanze hineinpaßte, dann zog man die Hacke aus dem Loch und trat die Erde fest, um dem jungen Baum den nötigen Halt zu geben. Trotz der Monotonie, die sich angesichts der Größenordnung des Arbeitsfeldes und der riesigen Zahl von Jungpflanzen nach Bepflanzung großer Teile auch bei dieser eigentlich schönen Tätigkeit einstellte, blieb das Durchhaltevermögen bis zuletzt bei allen bestehen.

Durch das gute Frühstück mit Vollkornbrötchen und anderen gesunden Dingen in der Scheune des Gutes am späten Vormittag wurde diese letztlich gute Stimmung immer wieder bestärkt. Auch das Lob des Professors Köpp (und unserer hart mitarbeitenden Lehrer) ließen uns die Arbeit zur Zufriedenheit aller vollenden. Die Wichtigkeit und Bedeutung unseres Projekts wurde zusätzlich dadurch herausgehoben, daß Heinz Sielmann und Rita Süßmuth zur Einweihung und leider nur teilweisen Besichtigung unseres Projekts kamen und die Zeitung ausführlich berichtete.

Andreas Magerhans und Stefan Aue

SCHULPREIS / Sielmann-Stiftung zeichnet Hainberg-Gymnasium aus

Auewald-Projekt kam zu neuen Ehren

Duderstadt (hup). Zum dritten Mal verlieh gestern die Sielmann-Stiftung die Preise in ihrem Schulwettbewerb. ,,Die Schüler von heute sind die Umweltschützer von morgen", sagte Prof. Heinz Sielmann. Mit seiner Frau übergab er in Duderstadt Preise im Wert von 15.000 Mark.

Den dritten Platz belegte das Göttinger Hainberg-Gymnasium: Im Rahmen der Partnerschaft mit dem polnischen Torun hatten Schüler sich eines Auewäldchens im ehemaligen Zonenstreifen angenommen: Die Schülerinnen und Schüler ergänzten den Wildwuchs um einheimische Hart- und Weichhölzer. Dabei mußten sie, so Prof. Hans Köpp vom Stiftungsbeirat, erfahren, daß ,,Naturschutz heiße, auch mal naß zu werden." Zu besonderer ökologischer Bedeutung gelangte der Auewald auch, weil Flora und Fauna sich hier zu Zeiten der deutschen Teilung ungestört entfalten konnten.

Den ersten Preis, der mit 5.000 Mark dotiert war, erhielt die Valentin-Traudt-Schule in Kassel. Das Schulgelände liege, so Prof. Köpp, in einer ,,nicht gerade mit Grün verwöhnten Zone". Neben einem Teich, einer Igelburg, Wespenhotels und Nisthilfen haben die Schüler auch eine Solaranlage, mit der die schuleigenen Rasenmäher betrieben werden.

Den zweiten Platz teilen sich die Detlefsen-Schule aus Glückstadt (Projekt ,,grüne Insel") und die Gemeinschaftsgrundschule Köllerholzweg aus Bochum für ihren ,,Erlebnisraum" mit Bauerngarten.

(Quelle:Göttinger Tageblatt vom 21.3.1998)