Welterbeerziehung als Spiegel unterschiedlicher Kulturen im Kontext des 12. Internationalen Projekttages der UNESCO-Schulen

Vorbereitung

Projektarbeit zum Thema "Welterbe" findet im Rahmen des Schüleraustausches der beiden UNESCO -Projektschulen (ASPnet) Hainberg-Gymnasium in Göttingen und der Daewon Foreign Language High School in Seoul seit Juni 2005 regelmäßig statt. Der jeweilige Schwerpunkt im Welterbeprojekt wird bestimmt durch das Thema des Internationalen Projekttages der UNESCO-Projektschulen. Das Thema des 12. Internationalen Projekttages 2018 lautet: "Brennpunkt Zukunft: Agenda 2030". Da sich beide Schulen als Teil des Schulnetzwerkes begreifen, ist es selbstverständlich, dass die Themenausrichtung in Hinblick auf das ASPnet erfolgt. Schülerinnen und Schülern beider Schulen arbeiten im Schuljahr 2017/18 bereits im "normalen" Unterricht am Thema. Die Projektarbeit im Austausch ist sozusagen der "Höhepunkt".

Projektziel

Die UNESCO -Projektschulen wollen mit dem Internationalen Projekttag einen Beitrag zu einer nachhaltig verbesserten Verständigung zwischen Personen, Bevölkerungsgruppen, Kulturen und Völkern leisten.
Die Schülerinnen und Schüler lernen einerseits die Welterbestätten aber auch ihnen völlig fremde Esskulturen (z. B. Mönchsmahl "Baru Gongyang", Dado-Teezeremonie, u. a.) als Spiegel unterschiedlicher Kulturen und Symbole der Stabilität in einer Welt der raschen Veränderungen kennen und ihnen wird damit die Besonderheit jeder Kultur deutlich.

UNESCO Welterbe in Korea

Der Begriff UNESCO Welterbe bezieht sich sowohl auf Kultur- als auch auf Naturerbestätten, die auf der Welterbeliste stehen. Im November 1972 beschloss die UNESCO das "Abkommen zum Schutz von Weltkultur- und Naturerbe". Gemäß des Abkommens entscheidet die Welterbe-Kommission darüber, welche Stätten aufgrund ihres universellen Wertes schützenswert für die gesamte Menschheit sind und fasst diese auf der Welterbeliste zusammen. Mit Stand von Oktober 2017 gehören elf Kulturerbestätten und eine Naturerbestätte aus Korea zum UNESCO-Welterbe.

Unabhängig davon werden von der UNESCO zudem das "Weltdokumentenerbe" sowie das "Immaterialle Welterbe" verwaltet. In diesem Kategorien ist Korea ebenfalls stark vertreten, und zwar mit dreizehn bzw. neunzehn Einträgen.

05.-08.10.2017: Welterbestätte Haein-sa

Der Tempel Haeinsa wurde im Jahr 802, dem 3. Regierungsjahr von König Aejang, von den Mönchen Suneung und Ijeong gegründet. Der Name „Haein“ ist dem Ausdruck Haeinsammae aus dem buddhistischen Klassiker Hwaeomgyeong entnommen und bedeutet „die von Buddha erleuchtete Welt“, d.h. der unverdorbene Zustand unseres Herzens. Neben den Druckplatten der Tripitaka Koreana (UNESCO-Weltkulturerbe, Nationalschatz Nr.32) und dem Bibliotheksgebäude (Janggyeongpanjeon), in der sie aufbewahrt wird (Nationalschatz Nr.52) beherbergt der Tempel 15 öffentliche Kulturdenkmäler und ca. 200 private Kunstschätze, die im Dezember 1995 ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurden. Die bedeutendsten darunter sind das Tempeltor (Iljumun), die Hauptgebetshalle (Daejeokgwangjeon) und die Tripitaka Koreana. Das Iljumun ist das erste Eingangstor zum Tempel, das jeder Gläubige auf seinem Weg zu Erleuchtung passieren muss. Es ist ein repräsentatives Relikt traditioneller Tempelarchitektur. Die große Gebetshalle Daejeokgwangjeon und die dreistöckige Steinpagode davor verstärken den majestätischen Eindruck dieses tausendjährigen Tempels. Die Herstellung der Tripitaka Koreana wurde 1236, im 23. Jahr nach Gründung der Goryeo–Dynastie, begonnen und nach 16 Jahren abgeschlossen. Das Werk sollte zum Wohl der Nation im Kampf gegen die Mongolen beitragen. Die Druckplatten sind 68 cm breit, 24,5 cm hoch und 3 cm dick. Das Janggyeong Panjeong ist das einzige Gebäude der Welt, das speziell zur Lagerung von hölzernen Druckstöcken konzipiert wurde. Das Gebäude ist so entworfen, dass Temperatur, Ventilation und Feuchtigkeit kontrolliert werden können, indem man die Vorteile der jeweiligen natürlichen Wetterbedingungen ausnutzt.

Buddhistische Mönche im Tempel Haein-sa in Südkorea schlagen die Trommel

09.10.2017: Hangeul-Tag

Hangeul ist das einzigartige Alphabet Koreas, das im Jahr 1443 unter König Sejeong dem Großen (4. König der Joseon-Zeit, regierte von 1418-1450) entwickelt wurde. Mit dem Ziel, ein für die Menschen leicht erlern- und nutzbares Alphabet zu schaffen, veröffentlichte König Sejong der Große das Werk Hunminjeongeum („die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes“). Seit dem 20. Jahrhundert  wird das Alphabet „Hangeul“ genannt.

Hangeul entstand ohne den Einfluss von anderen Sprachen und es ist als einfach erlernbares Alphabet bekannt. Auch die Analphabetenrate Koreas ist im weltweiten Vergleich die niedrigste. Daher sind die Koreaner besonders stolz auf ihr Alphabet Hangeul und feiern es jedes Jahr am 9. Oktober mit dem Hangeul-Tag. Auch von der UNESCO wurde diese Überlegenheit des koreanischen Alphabetes anerkannt, indem im Oktober 1997 das Werk Hunminjeongeum zum UNESCO Weltdokumentenerbe ernannt wurde.

10.10.2017: Präsentationen zu den koreanischen Welterbestätten

Insgesamt elf koreanische Kulturstätten sind auf der Liste der Weltkulturerbestätten registriert,darunter der Jongmyo-Schrein (1995); die Halle Janggyeong Panjeon des Tempels Haeinsa, die Aufbewahrungsstätte der Tripitaka Koreana (1995); die Festung Hwaseong (1997); der Palastkomplex Changdeokgung (1997); die Königsgräber der Joseon-Zeit (2009).

Die Vulkaninsel Jeju verfügt über eine wunderschöne Natur, die aufgrund ihrer geologischen Besonderheiten und ihres ökologischen Wertes bedeutend ist. Im Jahre 2007 wurde die Insel Jeju-do unter dem Titel Vulkaninsel Jeju und ihre Lavahöhlen als UNESCO Weltnaturerbe eingetragen. Dazu gehören das Naturreservat Hallasan, das Geomunoreum Lavahöhlen-System und der Gipfel Seongsan Ilchulbong.

11.-13.10.2017: Welterbeerziehung auf Jeju-do

Die Vulkaninsel Jeju-do wurde vor über 1,8 Mio. Jahren durch Vulkanaktivitäten gebildet. Da es viele Vulkangipfel und Lavatunnel sowie vulkanische Landformen gibt, hat die Insel durch ihre Geologie und Topografie einen hohen Forschungswert. Dazu kommt die wunderschöne Landschaft, deren Stand der Erhaltung hervorragend ist. Außerdem bestehen die Decken und Böden der überall auf Jeju-do verstreuten Lava-Höhlen aus verschiedenfarbigen Karbonaten, welche sie zusammen mit den dunklen Lava-Wänden zu einigen der schönsten Lava-Höhlen der Welt machen.

Die Lava-Höhlensysteme des Nationalparks Hallasan, des Berggipfels Seongsan Ilchulbong, und des Berges Geomunoreum sind im UNESCO Weltnaturerbe eingetragen.

Auf der Vulkaninsel Jeju-do, die südlich der koreanischen Halbinsel liegt, tauchen die Jeju haenyeo, weibliche Taucherinnen, ganz ohne Ausrüstung bis zu 10 Meter in die Tiefe, um Meeresfrüchte zu ernten. Mit diesem Prozess, der als muljil bezeichnet wird, verbringen sie etwa 90 Tage im Jahr, wobei sie in den Sommermonaten 6-7 Stunden und in den Wintermonaten 4-5 Stunden tauchen. Dadurch haben die Haenyeo nicht nur ein großes Verständnis in Bezug auf den Ozean, sondern auch ein breites Wissen in verwandten Bereichen. Ihre Weisheiten werden von Generation zu Generation, also von Mutter an Tochter oder Schwiegertochter, weitergegeben. Die Kultur der Jeju haenyeo wurde 2016 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO eingetragen.