UNDUGU-Delegationsreise 1988

Ursula Berner zu Gast in Mlalo
Mama Sabina
Ursula Berner zu Gast in Mlalo

Am 19. März 1988 landete die Delegation des Hainberg-Gymnasiums in Nairobi (Kenia), um von dort aus ihren Weg durch die Massai-Steppe nach Arusha-Landeruizer der Nord-Ost-Diözese der Lutherischen Kirche, der sie nach Mlalo/Usambara bringen sollte. Wir, die Mitglieder der Delegation (U. Berner, Chr. Boness, W. Grade, H. Piontkowitz, W. Reimer) folgten einer Ein­ladung, die Bischof Dr. Kolowa gegenüber dem Hainberg-Gymnasium ausgesprochen hatte.

Nach 8stündiger Fahrt auf unterschiedlichsten Straßen erreichten wir weit nach Einbruch der Dunkelheit den Dorfplatz in Mlalo, wo bereits seit Stunden Kollegium und Schülerschaft der Lwandai Secondary School auf uns gewartet hat­ten. Der Empfang, der uns mit traditionellen Trom­meltänzen (Ngomas) und Gesängen bereitet wurde, war überwältigend und schuf für beide Seiten sofort einen umkomplizierten und herzlichen Zugang, der auch während der ganzen Zeit des Aufenthaltes in Mlalo von Dauer blieb.

Die folgenden Tage waren durch ein reichhalti­ges Arbeitsprogramm gekennzeichnet. So wurden wir am 1. Tag in die räumliche Situation der Schule eingeführt, mit ihrer Ausstattungssitu­ation vertraut gemacht, in Stundentafel und schulorganisatorische Maßnahmen eingewiesen. Darüber hinaus bekamen wir in den folgenden Tagen die Möglichkeit, am Unterricht in den verschiedenen Klassen teilzunehmen und wurden gebeten, selbst in den Fächern Geographie, Ge­schichte, Gemeinschaftskunde und Deutsch zu unterrichten. Unterrichtssprache ist mittler­weile Englisch, wie es in allen Secondary Schools in Tansania der Fall ist. Da - wie in den meisten Fällen - auch die Lwandai Secondary School eine Boarding School ist (Internatsschule), hatten wir Gelegenheit, die ausgedehnten, kultivierten Shambas (Felder) der Schule zu begehen, die der Selbstversorgung der Schule dienen. Dies entspricht zugleich dem obersten Ziel der tansa­nischen Politik, der Self Reliance.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat hinsichtlich der Lwandai Secondary School wurde auch bei verschiedenen offiziellen Be­gegnungen zwischen Vertretern der Kirche, der politischen Führung und uns sehr deutlich.

Nachdem wir uns auch einen Überblick über das wirtschaftliche und soziale Umfeld der Schule verschafft hatten (Teilnahme an Sportaktivi­täten, Abstieg in die Steppe und Begleitung der Frauen bei ihrer Arbeit in den Reisfeldern), konnte der Austausch über Vorstellungen über eine Schulfreundschaft beginnen.

In Einzel- und Gruppengesprächen mit Mitglie­dern des dortigen Kollegiums, z. T. auch unter fächerbezogenen Gesichtspunkten, wurde das Ge­spräch mit dem Bischof als obersten Repräsen­tanten des Schulträgers vorbereitet. Das Ge­spräch mit dem Bischof fand in einer sehr herz­lichen Atmosphäre statt, wobei er im small talk am Rande auch mitteilte, daß er seit seiner Studienzeit der Stadt Göttingen sehr verbunden ist. Das Gespräch fand seinen schriftlichen Niederschlag in einem "Tentative Letter – An Official Agreement on Friendship Basis", den wir als Anlage beifügen. Genauso herzlich wie unser offizieller Besuch begonnen hat, ging er auch zu Ende.

Was ist UNDUGU bzw. was will UNDUGU? UNDUGU - ein Begriff aus der Bantu-Sprache - bezeichnet die Vielfalt verwandtschaftlicher Beziehungen einer Großfamilie (Jamaa). Diesen Begriff wählten wir auf Vorschlag von Pastor Paia, der das Hain­berg-Gymnasium im Oktober/ November 1987 besucht hatte, als Namen für einen eingetragenen Verein. Dieser Verein koordiniert und fördert die part­nerschaftliche Beziehung zwischen Lwandai Secondary School und Hainberg-Gymnasium. Seine Zielsetzung ist nur unter Mitarbeit von Schülern, Eltern, Freun­den des Hainberg-Gymnasiums und Gesamtkollegiums zu verwirklichen. Unser Anliegen ist es, eine Begegnung und Auseinandersetzung mit der Fremd­heit sozialer, kultureller und religiöser Bedin­gungen einzugehen und dadurch selbst zu lernen, uns zu öffnen und uns zu verändern. Dieses Unter­nehmen ist ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Es kann nur gelingen, wenn alle Angesprochener. sich nicht verschließen und vielmehr offen daran mitwirken. [mehr]

Berner, Piontkowitz

aus: Hainberg-Gymnasium, Jahrbuch 1988, S. 133-134