Austausch 1994

UNDUGU SI KUFANANA ILA UNDUGU NI KUSAIDIANA

Dieser Spruch, den wir auf einer Hüttenwand im Steppendorf Lunguza entdeckten, könnte wohl über unserer gesamten Reise stehen, die ja im wesentlichen von interkultureller Begegnung und Verständigung geprägt war. Mit diesen Begriffen hantierten wir seit dem Spätherbst 1993, als sich unsere Gruppe: Christian Boness, Odin Kloes, Dagmar Tempel, Daniel Pöch und Thomas Tiedemann formierte. Allerdings wurde die inhaltliche Auseinandersetzung zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurückgedrängt durch die Diskussionen über medizinische Vorbeugung und Behandlung. Welche Impfungen sind vorgeschrieben, welche empfehlenswert, Malariaprophylaxe wohl schon, aber wie, habt Ihr schon Moskitonetze, welches Durchfallmittel, was tun bei Schlangenbissen, aussaugen oder rausschneiden...? Zum Glück wurden die meisten Mittelchen dann doch nicht gebraucht, bzw. wurde medizinische Betreuung erst in Göttingen nötig. Die Reise war, relativ ungetrübt von Krankheiten, sehr beeindruckend und unvergeßlich, wenn auch hoffentlich nicht einmalig!

Nach einem eineinhalbtägigen Eingewöhnungs- und Arbeitsaufenthalt in Arusha, wo wir Gespräche mit dem Generalsekretär der einladenden Kirche, Mr.Shebila, und dem Repräsentanten der Firma, die die von uns gespendete Solaranlage installiert hatte, führten, fuhren wir am 24.03. nach Mlalo. Unterwegs buchten wir die Flüge für unsere tansanischen Gäste (29.06.-19.07.94) und trafen den Bischof, den wir über unser Seminarprogramm informierten. Später als geplant und im Stockdunkeln trafen wir dann abends in Mlalo ein und wurden sehr freundlich vom Konrektor. Mr.Kaniki, und vielen Schülern der LSS begrüßt und zu unserer Herberge, der Mission, geleitet. .Wn nächsten Morgen begann dann das offizielle Programm mit einer sehr festlichen und musikalisch und tänzerisch sehr beeindruckenden Willkommensfeier in unserer Partnerschule. Nachmittags besichtigten wir den ersten Lemort unseres Seminars, die Leprastation, die wir beeindruckt von der Sympathie und WiBbegierde fast aller Afrikaner, denen wir begegneten, wieder verließen.

Die nächsten Tage waren ausgefüllt mit den Besichtigungen verschiedener Lernorte, bei denen uns immer mehrere Afrikaner begleiteten, so daB wir im Gespräch von ihnen und sie von uns lernten. So unternahmen wir mehrere Wanderungen durch die Felder, in den Regenwald, in die Massaisteppe und nahmen in der Kirche und auf dem Markt am täglichen Leben teil. .Wrt "theoretischen" Tag unseres Seminars über "environment and development" hielten wir unsere Vorträge über Landwirtschaft in der Region Göttingen, alternative Energien am Beispiel Windenergie und den UNESCO-Kurs an unserer Schule. Um das Thema Windkraft allen Schüler der L5S näherzubringen, hatten wir ein Anemometer mitgebracht, das wir weithin sichtbar auf dem Dach der L5S gemeinsam installierten. Eine Projektgruppe unter der Leitung des Kollegen Majatta wertet die gesammelten Daten aus; vielleicht wird das Angebot an regenerativer Energie in Mlalo ja eines Tages durch Windkraft erweitert?

Am vorletzten Tag in Mlalo standen Besuche bei den anderen Partnerschulen des UNESCO-­Netzwerks, vier Grundschulen, auf dem Programm. Auch hier war der Empfang überwältigend freundlich, und die Partnerschaft wurde in Gesprächen und selbstgedichteten Liedern gewürdigt. Die Auswertung des Aufenthalts und Seminars in Mlalo geschah dann in ebenfalls sehr reizvoller Umgebung in Tanga am Indischen Ozean. Wir stellten fest, dass der Aufenthalt in Mlalo idealerweise mindestens 9-10 Tage betragen sollte, um mehr Zeit für Unterrichtshospitationen und methodische Diskussionen z.H. zu haben. Ferner stimmten wir überein, dass die Teilnahme von Schülern an den Austauschen von großer Wichtigkeit ist, da sie Begeisterung über interkulturellen Austausch in die Schülerschaft tragen und später vielfach nutzen können.

Die Begegnungen mit den Afrikanern waren für uns so eindrücklich und wertvoll, dass wir sicherlich weiterhin im UNDUGU-VEREIN mitwirken werden und allen HG-lern raten können, dasselbe zu tun und diese Partnerschaft in jeder Hinsicht zu unterstützen. Ideell und finanziell in Göttingen und dann ganz sicherlich beim nächsten Besuch in Mlalo.

P.S.: Und was der Spruch heißt, erfahrt Ihr im UNDUGU-Schaukasten oder bei den Mlalofahrern - wie auch alles andere über die Partnerschaft, was Euch interessiert.

Thomas Tiedemann (Tanzania 22-03.-06-04-1994)