Austausch 2002

Jambo !

Nur noch zweieinhalb Wochen! Noch zweieinhalb Wochen bis zu einem der wahrscheinlich einschneidendsten Erlebnisse in meinem Leben. Nur noch zweieinhalb Wochen, bis unser Flieger geht! Nur noch zweieinhalb Wochen, bis wir nach TANZANIA fliegen!
Ich – und ich denke, dass ich damit durchaus für die ganze Gruppe sprechen kann – also: wir können es kaum noch erwarten und doch gar nicht richtig glauben, dass es in so kurzer Zeit schon soweit sein soll.
Seit ich im Winter den Zettel in der Schule gesehen habe, dass ein Treffen für die am Tansania-Austausch – Interessierten stattfindet, lässt mich dieses Land nicht mehr los. Nach dem ersten Treffen jedoch (zu dem über 20 Schüler und Schülerinnen erschienen waren, jedoch immer nur allerhöchstens 10 mitfahren können), machten sich einige Zweifel breit:
Wieso sollten sie mich auswählen? Was ist, wenn sie mich nicht auswählen? Ist das wirklich das Richtige für mich?  Nachdem sich das mit dem Auswahlverfahren nach kurzer Zeit von selbst erledigt hatte (es waren nach 3 Treffen ohnehin nur noch 11 Interessierte, von denen dann 10 mitkommen konnten), war ich mehr als glücklich. Die Zweifel daran, ob der Austausch vielleicht doch nicht das Richtige für mich wäre (und diese Zweifel hatte ich nach dem ersten und zweiten Treffen), legten sich aber sofort, als ich begann, mich über das Land und die Kultur zu informieren. Diese so ferne Welt, die so unglaublich und atemberaubend wirkt, schien mir plötzlich so greifbar. Sie hatte mich vollends ergriffen. Ich glaube, ab diesem Zeitpunkt hatte ich mich endgültig mit dem Tansania-Virus infiziert (zweifelsohne die schönste Krankheit, die ich kenne).
Von nun an traf sich unsere Truppe etwa alle 2 Wochen  mit unseren Begleitpersonen Frau Schlieper und Frau Steinert. In  unseren Tansania-Treffen sprachen wir über die völlig fremde Kultur, die Geschichte, die politische Lage, lernten etwas Kisuaheli   und vieles mehr. Aber es wurde nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen. Schließlich wollen wir uns dort, wo das Singen zum Leben der Menschen gehört, nicht blamieren. Des Weiteren wurde natürlich auch immer noch einiges Organisatorische besprochen.
Und nun sind es nur noch zweieinhalb Wochen! Ich habe alle Impfungen bekommen, das Visum ist besorgt, der Flug gebucht, und die Vorfreude ist riesengroß. Natürlich können uns die Vortreffen gar nicht vollkommen auf das vorbereiten, was uns erwartet. Das Besprochene kann uns nur helfen, bestimmte Verhaltensweisen vielleicht zu verstehen. Natürlich wird uns dort auch einiges Bedrückende erwarten: Armut, Obdachlosigkeit und Hunger. Doch auch das gehört zu diesem Land. Und ich glaube, gerade das wird etwas sein, was mich sehr prägen wird. Es wird mir zeigen, wie gut es mir im Grunde genommen geht. Aber genaue Erwartungen habe ich nicht.  Ich meine auch, dass man keine Erwartungen haben sollte.
Ich lasse jetzt einfach alles auf mich zukommen.
Denise Lentzen, Klasse 11.4