Austausch 2016

Lehmhütten, sprudelndes Chaos aus Menschen und Autos, Bananenstauden, Staubige Pisten, weite Landschaften aus dem offenen Jeep, nebelumhüllte Hügel, weißer Sandstrand, rauchige Küchen mit offenen Kochstellen, singende Kinder. Man sammelt unendlich viele Eindrücke, taucht ein und behält trotzdem eine gewisse Distanz, vergleicht, realisiert, bleibt ratlos.

Wir tasteten uns vorsichtig an Tansania heran, wenn von Vorsicht in diesem Fall überhaupt die Rede sein kann. Nach zwei Nächten in einer traumhaften Lodge und Ausflügen in die hügeligen Dörfer und Felder in der Umgebung gingen wir auf Safari und sahen in zwei verschiedenen Nationalparks viele Zebras, Gnus, Giraffen und auch einige Exemplare der Big Five, darunter Löwen, Elefanten, Leoparden und lange staubige Straßen dazwischen. Uns blieben auch die verschiedenen lokalen Führer in Erinnerung, die sich stets bemühten, uns mit viel Fachkenntnis und gebrochenem Englisch die tansanische Natur zu erklären.

Nach einer Nacht im Zentrum des Safaritourismus Arusha, wo wir glaubten trotz der wenigen Hunderttausend Einwohner in einer afrikanischen Megastadt gelandet zu sein, begaben wir uns auf die Reise nach Lushoto. Dort traten wir in eine tansanische Bilderbuchlandschaft mit grünen, wellblechdachgespickten Hügeln und engen Tälern ein. uns erwartete am ersten Tag ein vollgepacktes Programm. Zuerst ging es in ein Waisenhaus, in dem Halb- und Vollwaisen im Alter von etwa 0-2 Jahren untergebracht waren. Wir wurden über das sehr gepflegte Gelände geführt, spielten mit den Kindern und wurden natürlich mit Essen und Trinken bewirtet. Anschließend besuchten wir eine Blindenschule, wo wir von der Schulleiterin herzlich begrüßt wurden und dann auch Einblicke in den Unterricht bekamen, reichlich Essen und Trinken gab es auch hier wieder und der berührende Abschluss waren die Schüler, die für uns sangen. Mit etwa zwei Stunden Verspätung kamen wir schlussendlich in einer Schule für geistig behinderte Kinder an und worden mit umso mehr Begeisterung begrüßt und bekamen noch mal ein leckeres Essen vorgesetzt.

Am nächsten Tag ging es nach einer kleinen Wanderung in der Umgebung weiter nach Mlalo, wo wir von Schülern und Lehrern mit Blumensträußen empfangen wurden. Im Missionshaus auf dem Gelände der Kirche, wo wir die kommende Woche wohnen sollten, lernten wir kurz darauf Mama Pia und ihre zwei Helferinnen kennen, die uns ein Leben in kulinarischem Luxus bescherten und jeden Abend mindestens fünf Anfragen nach warmem Wasser zum Duschen, für Tee oder eine Wärmflasche über sich ergehen ließen. Am darauffolgenden Samstag besuchten wir die Krankenstation von Mlalo, der wir eine Babywaage mitgebracht hatten und lernten dabei eine Gruppe offener engagierter Schüler von der Lwandai Secondary School kennen, mit denen wir nicht nur an diesem Tag viel Zeit verbrachten. Am Sonntag wurde von uns erwartet in die Kirche zu gehen, wo wir einen Gottesdienst mit vielen Chorgesängen anhörten und auch selber sangen, den Inhalt verstanden wir aber leider nicht, denn der Pfarrer sprach Kisuaheli.

Am Montag sahen wir zum ersten Mal die Schule und die Lehrer, von den Schülern war leider nur ein Teil anwesend, weil einige Klassenstufen Ferien hatten und größtenteils nach Hause gefahren waren. In der Morning Assembly hörten wir eine Bibelgeschichte mit Moral, stellten uns vor und gingen dann in eine große Halle, in der etwa 100 Schüler für Klausuren lernten und ein Lehrer für die ersten drei Reihen Unterricht machte. Wir wurden mit Fragen gelöchert und führten angeregte Gespräche über die Unterschiede zwischen Deutschland und Tansania, persönliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten und unendlich viel mehr. Mit den Mitgliedern des Undugu-Clubs hatten wir dann eine lehrergeführte Unterrichtsstunde über den Klimawandel, das gefiel uns allen aber nicht besonders gut, sodass wir am Abend Pläne für Workshops schmiedeten, die wir gemeinsam mit den Tansaniern durchführen wollten.

Anders als befürchtet bekamen wir am nächsten Tag tatsächlich zweimal zwanzig Mädchen und Jungen aus verschiedenen Klassenstufen in zwei Räume und arbeiteten zu Themen wie Glück, Geschlechtergleichberechtigung, Freiheit und Schönheit mit ihnen. In den drei Tagen Workshops die wir organisierten, stellten wir fest, dass an unserer Partnerschule doch sehr anders gelernt wird als bei uns und dass die Schüler immer recht viel Vorlagen und Anstöße brauchten und das freie Antworten auf eine Frage ihnen schwerfiel. Wenn wir aber unsere Fragen konkretisierten, eigene Vorschläge machten und zeitweise Mädchen und Jungen voneinander trennten, kamen interessante Diskussionen zustande und man konnte sich frei austauschen. Die Schüler unterschieden sich enorm in ihren Ansichten, einige waren sehr konservativ und vertraten die traditionellen Werte ihrer Gesellschaft, andere, Jungen häufiger als Mädchen, waren sehr liberal eingestellt und nahmen unsere Meinungen, die dort doch sehr unorthodox erscheinen müssen, mit großer Offenheit auf. Wir verstanden uns mit den Tansaniern so gut, dass bei dem letzten der täglichen Treffen im Missionshaus so manche Träne vergossen wurde und wir wohl einstimmig die Zeit in Mlalo als absoluten Höhepunkt der Reise bezeichnen würden.

Obwohl wir gerne noch mehr Zeit mit den Schülern der Lwandai Secondary School verbracht hätten, war uns die Idee natürlich nicht ganz zuwider, die letzte Woche auf Sansibar zu verbringen. Dort blieben wir zunächst zwei Nächte in der Hauptstadt Stone Town, wo wir durch die malerische Altstadt, in der nicht nur die Einflüsse des Festlands zu sehen sind, sondern auch die indischen, arabischen und europäischen Kulturen Spuren hinterlassen haben. Bevor wir unsere paradiesische letzte Lodge am indischen Ozean erreichten, sahen wir von Sansibar noch eine Vielzahl an Gewürzpflanzen im Rahmen einer Spice Tour und eine endemische Art von Affen in einem Naturreservat names Jozani Forest. Die letzten Tage am Strand waren dann Traumurlaub in Reinform: Palmen, weißer Sandstrand, das Meer in Badewannentemperatur, Delfinschwimmen, Schnorcheln und vieles mehr. Dabei machten wir uns allerdings neben der persönlichen Reflexion über die Zeit auch Gedanken darüber, was wir aus unseren Erfahrungen machen und wie wir sie in Präsentationen aufbereiten können.

Schließlich ging es wieder über den Kilimanjaro Airport und Addis Abeba zurück nach Frankfurt und wir traten wieder in eine ganz andere Welt ein, freuten uns auf einiges, vermissten aber viel mehr und unsere neuen tansanischen Freunde am meisten. Wir mussten uns auch wieder daran gewöhnen, nicht mehr jeden Tag mit der Gruppe zu verbringen und stellten fest, wie sehr sich unser Leben von dem der Tansanier unterscheidet und haben so wohl auch sehr viel über uns selbst gelernt.

Gäste aus Mlalo, Tansania

Fünf Gäste aus Mlalo/ Tansania sind auf Einladung des UNDUGU-Vereins, des Hainberg-Gymnasiums und der Grundschule Adelebsen zu Gast in Göttingen und Umgebung. Wir freuen uns sehr, den stellvertretenden Schulleiter der LSS, Mr. Godfrey Gervas und seinen Kollegen Erasto Mwilongo , die Schülerin Loveness Thomas Mgonda und Samuel Patson Kasekwa als Schüler/in begrüßen zu können. Mrs. Josephine Kuyonga ist von der Grundschule Adelebsen eingeladen. Die beiden Schüler verbringen die Zeit in den Familien von Schülern des HGs, die im Oktober nach Mlalo reisen werden.

In den nächsten Tagen werden die Gäste an den Projekttagen, dem Festakt und an weiteren Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums teilnehmen, aber auch andere Grundschulen im Schulnetzwerk und 2 Kirchengemeinden (St. Jacobi, St. Stephanus) besuchen. Natürlich werden sie auch viele Klassen persönlich besuchen und von ihrer Schule und ihrem Leben berichten.

Karibuni sana , wageni - Herzlich willkommen, liebe Gäste aus unserer Partnerschule Lwandai Secondary School! (M. Steinert)