16. Austausch 2012/13

Projekt: "Erlebnispädagogik  - Bewegungs- und Gesellschaftsspiele - Erfahrungsmöglichkeiten für gesunde und diabetes - kranke Jugendliche"

Am Samstag den 20.4.2013 klingelt um 9:00 Uhr das Telefon. Es ist eine Mutter von einem Mädchen, welche auch am Weißrusslandaustausch mit macht. Verschlafen erklärt sie mir, dass die Weißrussen in einer knappen halben Stunde in Göttingen ankommen. Eigentlich hatten wir den Bus erst zum frühen Nachmittag erwartet. Also planen meinen Familie und ich den Tag noch einmal um; erst einmal ein gemeinsames Frühstück mit Alexej, meinem Austauschschüler und dann eine Führung durch unser Viertel. Alexej ist von Deutschland schwer beeindruckt und fotografiert alles, was ihm vor die Kamera kommt. Für das Wochenende ist Programm in den Familien geplant und so fahren wir am nächsten Morgen zum Grenzlandmuseum in Teistungen. Im Museum versuchen wir Alexej so viel wie möglich zu erklären. So haben wir das Gefühl, dass sich Alexej sehr für das Alte interessiert. In Duderstadt ist er überrascht von den vielen Fachwerkhäusern.

Dann ist schon Montag und Alexej und ich machen uns zu Fuß auf den Weg in die Schule. Um 9.00 Uhr werden wir von unserem Schulleiter Herrn Bartelt begrüßt. Anschließend gehen wir in der Gruppe zum Neuen Rathaus. Herr Holefleisch, unser Bürgermeister von Göttingen, empfängt uns im Ratssaal mit einem sehr positiven Film über Göttingen. Doch er spricht auch die negativen Punkte Göttingens an und macht einen sehr offenen Eindruck auf uns. Nach diesem Programmpunkt werden wir mit unseren weißrussischen Gästen wieder im Hainberg-Gymnasium in der Schulmensa zum Mittagessen erwartet. Kaum haben wir die leckeren Speisen verputzt, schlendern wir zurück in die Innenstadt, um ein bisschen Freizeit bis zur nächsten gemeinsamen Veranstaltung- eine Stadtführung-, zu genießen. Wir schauen uns unter anderem das Denkmal der Göttinger Sieben, den Karzer im Aulagebäude und den Gänselieselbrunnen vor dem alten Rathaus an. Am Gänseliesel bekommen wir sogar eine traditionelle Doktorfeier mit. Die Austauschschüler sind erstaunt über den Brauch, dass jeder frischgebackene Doktor den Brunnen erklettern und dem Liesel einen Blumenstrauß und Kuss schenken muss. Den Tag beenden wir mit einer Wasserschlacht in der Eiswiese. Den Gästen gefällt unser Badeparadies so gut, dass wir sie nur schwer nach Hause bekommen.

Am Dienstag ist ein Ausflug zur Wartburg nach Eisenach geplant. Dort teilen wir uns in zwei Gruppen und die Russen bekommen eine russischsprachige Führung. Nach einer spannenden Stunde im Inneren der Burg treffen wir uns auf dem Burgplatz für ein schönes Picknick. Während unseres Abstiegs nach Eisenach kommen zwei Mitschülerinnen dem Austauschmotto nach und zeigen uns Bewegungsspiele. Bis zur Abfahrt des Zuges haben wir Zeit die Stadt in kleinen Gruppen auf eigene Faust zu erkunden.

Am Mittwoch nehmen wir unsere Gäste mit zum Unterricht. Aber schon um zehn wird der Schulalltag angenehm durch Minigolf unterbrochen. Die weiß-russischen Schüler kennen diese Sportart aus ihrer Heimat nicht und sind begeistert. Noch auf dem Rückweg reden sie über ihre ersten Zielerfolge. Nach wiederholt gemeinsamen Mittagessen in der Schule haben wir eine Verabredung in der Göttinger Universitätskinderklinik. Dort begrüßt uns Herr Dr. Freiberg und informiert uns über Diabetes. Zum ersten Mal nimmt eine weißrussische Ärztin an dieser Reise teil, um hier mehr über Behandlungsmethoden zu erfahren. Anschließend bekommt sie 1500 Blutzuckerteststreifen für Molodetschno überreicht.

Gut ausgeschlafen finden Alexej und ich uns mit den anderen in der Turnhalle am Donnerstag-morgen ein, um Bewegungsspiele zu spielen. Wir freuen uns über Speedball, Badminton und kleine Partyspiele bei lauter Musik. Für nachmittags sind Gesellschaftsspiele wie „Fang-den-Hut“, Kniffel, Mikado und Memory vorgesehen. Besonderen Spaß haben sie an dem Kartenspiel „Uno“.

Freitagmorgen sollen wir noch einmal am Unterricht in unseren Klassen teilnehmen. Alexej ist in Chemie besonders gut und löst die Aufgaben meines Chemielehrers bevor meine Mitschüler auch nur die Aufgabenstellung verstanden haben. So habe ich endlich jemanden, der mir die Aufgaben noch mal erklären kann. Nachmittags sind wir von den Mitgliedern des Vereins „ Boule sur Leine e. V. 1989“ eingeladen. Wir dürfen mit ihnen Boccia spielen, bis uns die Arme vom Körper fallen. Erschöpft nutzen wir die freie Zeit bis zum Abschiedsfest am Abend zum Ausspannen. Bei triefender Nässe feiern wir in großer Runde mit allen Austauschschülern und den beteiligten Familien das gelungene Treffen im Wald bei Sattenhausen. Bei dieser Gelegenheit wird der neue Stipendiat bekannt gegeben. Nach dem Grillfest übernachten ein paar aus der Gruppe bei Paulas Familie  im Forsthaus. 

Es dauert lange bis wir müde in unsere Schlafsäcke kriechen, weil wir uns noch viel zu erzählen haben. Ein bisschen mitgenommen von den vergangenen Tagen freuen wir uns über ein tolles Frühstück von Paulas Eltern, zu dem dann auch unsere Eltern dazu stoßen. Den Rest des letzten Tages verbringen wir noch zusammen mit Alexej beim Einkaufen, Packen und Austausch von Adressen. 

Heute ist der 28. April 2013, der Sonntag, an dem die Weißrussen zurück nach Hause fahren. Die Zeit bis zur Abfahrt um 15.30 Uhr verfliegt zu schnell. Schon sitzt die ganze Familie im Auto, um Alexej zum Bus zu begleiten. Die letzten Erinnerungsfotos werden geschossen und es fließt noch so manche Träne bis unsere Austauschschüler zurück nach Molodetschno in Weißrussland fahren. Schade, dass es schon vorbei ist. Ich jedenfalls habe die Zeit mit meinem „zweiten“ Bruder sehr genossen.  (Nora Oppermann, Klasse 9k1)