19. Austausch 2016/17 (Jubiläumsaustausch) - Göttingen

Unsere Gäste kamen am Sonnabend, den 18.03.2017, um 11.00 Uhr in Göttingen an. Am Wochenende haben die Familien unterschiedliche Ausflüge in die nähere Region unternommen. Eine größere Teilgruppe hat sich zum Boule getroffen.

Die Austauschgruppe wurde im Hainberg-Gymnasium durch den Schulleiter Herrn Bartelt sowie durch den Bürgermeister der Stadt Göttingen, Herrn Holefleisch begrüßt. Die Stadt wurde durch eine interessante Stadtführung kennengelernt. Im Erlebnisbad Eiswiese konnte der erste Programmtag locker ausklingen und ermöglichte durch das gemeinsame Schwimmen und im Wasser spielen ein zwangloses Wiederbegegnen der Austauschgruppe.

Der Tagesausflug nach Berlin stellte einen der Höhepunkte dieses Austausches dar. Nach Ankunft am Ostbahnhof folgte ein Stadtrundgang mit Besichtigung des Denkmals East Side Gallery in Berlin Friedrichshain, eine Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer, Brandenburger Tor, dem Holocaust-Mahnmal sowie dem Potsdamer Platz. Der Besuch des Bundestages sowie das Gespräch mit Herrn Oppermann, stellvertretend durch seinen Referenten Herrn Becker, ermöglichte eine originäre Begegnung mit demokratischen Prozessen. Die Schülerinnen und Schüler beteiligten sich aktiv mit vielen Fragen, so dass nicht nur ein unmittelbarer Bezug zu Göttingen hergestellt wurde, sondern auch die Arbeitsweisen und die Zusammenarbeit der Fraktionen im Parlament deutlich wurden. So erhielten die weißrussischen Schülerinnen und Schüler einen direkten Eindruck dessen, was im Deutschunterricht im kommenden Schuljahr gelehrt wird. Der Besuch der Glaskuppel war ein krönender Abschluss unserer Berlinexkursion.

In der von Schülerinnen und Schülern entwickelten Stadtrallye mussten in gemischten Gruppen bestimmte Denkmäler und Sehenswürdigkeiten aufgesucht werden, Fragen beantwortet und ein „Alibi-Bild“ erstellt werden. Die Aufgabe, Passanten nach der Hauptstadt von Weißrussland zu fragen, erwies sich als sehr schwierig. Die Laufkarten wurden anschließend von den Schülerinnen ausgewertet und als „Belohnung“ erhielt jede Schülerinnen und Schüler eine Präsenttüte mit vielen nützlichen Kostbarkeiten.

Bei dem Besuch der Kinderklinik in Göttingen informierte Dr. Freiberg anschaulich und praxisnah über Diabetes. Die Bedeutung der Blutzuckerteststreifen als notwendiges Hilfsmittel mit Diabetes „normal“ leben zu können, wurde insbesondere thematisiert. Durch die Übergabe der von SchülerInnen gesponserten 1500 Blutzuckerteststreifen für die 23 an Diabetes erkrankten Kinder in Molodetschno wird das Blutzuckerteststreifenprojekt nachhaltig fortgeführt.

Der Tagesausflug zur Wartburg, eine UNESCO Welterbestätte bei Eisenach, ermöglichte die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Reformationsjubiläum 2017 an einem historischen Ort. Die Schülerinnen und Schüler erhielten viele neue Eindrücke: Aufstieg auf ein etwas 400 m hohes Felsplateau, geführter Rundgang auf der Wartburg in deutscher und russischer Sprache, Kennenlernen einer mittelalterlichen Burganlage. Für viele geschichtsinteressierte weißrussische SchülerInnen, gehörte dieses Erlebnis mit zu den beeindruckendsten Programmpunkten des Austausches.

Die Gruppenspiele im Wald wurden von den deutschen Schülerinnen selbständig vorbereitet und mit viel Feuer und Eifer von allen Beteiligten durchgeführt. Die Exkursion nach Ebergötzen wurde für die SchülerInnen und Schüler ein sehr abwechslungsreiches Erlebnis. Beim Besuch des Europäischen Brotmuseums wurden die Lerninhalte aus den Bereichen der Dauerausstellung „Vom Korn zum Brot“ – 8000-jährige Kulturgeschichte des Brotes, Getreideanbau, Mühlengeschichte und Bäckerhandwerk mit Hilfe einer „Forscherrallye“ in gemischten Gruppen erarbeitet. Unter Anleitung einer Bäckerin wurden Gildebrote geformt und gebacken. Dieser Programmpunkt hat allen Schülerinnen sehr viel Spaß gemacht und hat insbesondere gezeigt, wie geschickt und kreativ die Jugendlichen sind. Führungen durch die beiden historischen Mühlen (Bockwindmühle und Tiroler Wassermühle) auf dem 2ha großen Außengelände veranschaulichten die Müllerei.

Der Besuch der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen, in der der weltbekannte Humorist Wilhelm Busch lebte, konnten die Jugendlichen in den niedrigen Stuben die Atmosphäre der damaligen Zeit erahnen. Den weißrussischen SchülerInnen ist Wilhelm Busch aus den Handpuppentheaterstücken in ihrer Schule bekannt. Beeindruckend war für alle, als die Wassermühle in Gang gesetzt wurde.

Ein weiterer Höhepunkt des Austausches war der Abschlussabend. Wir haben gemeinsam das 20. Jubiläum gefeiert und einen wundervollen Abend verbracht. Teilgenommen haben die Austauschgruppe mit den deutschen Gastfamilien, die Schulleitung des Hainberg-Gymnasiums und der Mittelschule Nr. 5, Herr Kriegesmann, unser mitgefahrener Eltern-vertreter, Vorstand und Mitglieder des Fördervereins Osteuropa e.V., Frau Svenson und Herr Herbst (ehemaliger Schüler) als Teilnehmer der Pioniergruppe von 1996, Herr Dr. Freiberg von der Universitätsklinik Göttingen als Unterstützer des Blutzuckerteststreifenprojekts sowie Freunde und Freundinnen des Austausches. Nach der Begrüßung durch unseren Schulleiter, Herrn Bartelt berichtete Frau Svenson und Herr Herbst von den Anfängen der Kontaktaufnahme zur Mittelschule Nr. 5. Damals wurde durch eine Delegation von drei Unesco-Projektschulen ein Ultraschallgerät nach Molodetschno gebracht und ein Deutschlehrer der Mittelschule Nr. 5 wurde gebeten, als Dolmetscher zu helfen. So entstanden die ersten zarten Anfänge unserer sich dann daraus entwickelnden Partnerschaft. Herr Herbst erzählte anschaulich von diesen Erstbegegnungen mit den weißrussischen SchülerInnen. Eine weißrussische Schülerin Julia bereicherte unser Fest durch einen Liedvortrag. Beeindruckend waren die kleinen Reden unserer weißrussischen Schülerinnen und Schüler in deutscher Sprache, in der sie Eindrücke geschildert und ihren Gastfamilien ihren Dank ausgesprochen haben. Weiterhin wurden sowohl Bilder aus unserer Begegnung in Molodetschno 2016 als auch von der aktuellen Begegnung in Göttingen 2017 gezeigt. Julia Dzemidovich wurde als neue Stipendiatin die Einladung nach Göttingen überreicht. Zum Abschluss gab es noch eine Überraschung: Michael Herbst hat die gleichen Zaubertricks vorgeführt, die er damals im Kinderkrankenhaus gezeigt hatte.

"Dass unsere Geburtstagsfeier mit dem 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge zusammenfällt, ist ein schönes Zeichen für die friedliche, internationale Zusammenarbeit und Völkerverständigung", sagte HG-Schulleiter Georg Bartelt.

Göttinger Tageblatt vom 26. März 2017 [mehr]

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19. Austausch 2016/17 (Jubiläumsaustausch) - Molodetschno

Der Themenschwerpunkt "20 Jahre Weißrusslandaustausch - Miteinander, voneinander lernen und Feste feiern" wurde intensiv durch das vielseitige Programm umgesetzt. Am Samstag (10.09.2016) wurde ein gemeinsamer Ausflug zum Gutshaus Salesje des Komponisten Oginski unternommen. Hier lernte sich die Gruppe durch unterschiedliche Bewegungsspiele u.a. mit einem Schwungtuch kennen. Das Gutshaus war inzwischen so weit restauriert, dass die verschiedenen Lebensräume des Komponisten als Museum zu besichtigen waren. Das Treffen mit den an Diabetes erkrankten Kindern, deren Eltern und der Ärztin Frau Saprudskaja in der Kinderklinik war sehr beeindruckend. Dieses Mal konnten wir neben den Blutzuckerteststreifen durch eine großzügige Spende 72 Blutzuckermessgeräte übergeben, die einen kostengünstigeren Teststreifen benötigen. Miteinander und voneinander lernen fand ebenso in einem Workshop zum Thema belarussische Volkstänze statt. Hier erhielten die Jugendlichen nach einer eindrucksvollen Volkstanzpräsentation die Gelegenheit, die Schrittfolgen selbst auszuprobieren. Neben gemeinsamen Volleyballspielen wurde auch unser Gastgeschenk, zehn Frisbee-Scheiben, als Ultimate-Frisbee gespielt. In Minsk konnten die SchülerInnen Eindrücke einer Hauptstadt gewinnen und als Höhepunkt am Abend das Ballett Vytautas von Vyacheslav Kwznetson im  Staatlichen Theater für Oper und Ballett besuchen. Das slawische Volkssportspiel "Gorodki" unter Anleitung des Nationaltrainers Alexander Kulak, fand bei allen Jugendlichen großen Anklang. Dieses Spiel war für alle eine neue Erfahrung und in einem exemplarischen Wettkampf wurde miteinander gegeneinander gespielt. Ein Konzert in der staatlichen Musikschule gab für alle einen sehr interessanten Einblick in die weißrussische Musikkultur. Beim Besuch des Jugendkulturzentrums "Rostok" wurden nicht nur Schwerpunkte der belarussischen Kultur wie Kunsthandwerk und Lieder kennengelernt, sondern gemeinsam in einem Workshop eine Puppe gebastelt, die einen Glücksbringer darstellt. Die beiden Theaterstücke mit Handpuppen in der Mittelschule Nr. 5 wurden von sehr jungen SchülerInnen einer AG aufgeführt. Sie waren sehr aufgeregt und haben trotz der kurzen Übungszeit zwei Märchen der Brüder Grimm ansprechend gestaltet. Während unseres Aufenthalts hat die SchülerInnengruppe gemeinsam ein Pantomimen-Theaterstück eingeübt, welches sie am Abschlussabend vorführten. Sowohl die weißrussischen SchülerInnen und Eltern als auch die deutsche Gastgruppe haben ein landestypisches Volkslied vorgetragen. Ein besonderes Ereignis während des Austausches war die Begegnung mit der Zeitzeugin Tamara Bychov. Sie hat das Todeslager Ozarichi in der Nähe von Minsk überlebt und war im Juni 2016 zu Gast im Hainberg-Gymasium. Da sie in Molodetschno  wohnt, bat sie uns, Kontakt aufzunehmen, wenn wir in Molodetschno sind. Erschütternd berichtete sie von ihren Erlebnissen. Das Treffen mit 11 von 20 Stipendiaten war sehr eindrucksvoll. Sie berichteten über die Bedeutung des Stipendiats für ihr Leben. Es war ergreifend, nach so langer Zeit die damals Jugendlichen als Erwachsene wiederzusehen. 

  • Treffen der Stipendiaten am Samstag, den 17. September 2016 [mehr]
  • Fototagebuch des Elternvertreters [mehr]
  • Zeitungsartikel aus Molodetschno vom 21.09.2016 mit Übersetzung [pdf]
  • Beitrag im weißrussischen Fernsehen vom 14.09.2016 (gekürzt)

 

 

Fotos

Text: Elke Moeken - Fotos: Monika Kleineberg

Sponsoren

Wir danken dem Pädagogischen Austauschdienst und der Stiftung West-Östliche Begegnungen für die finanzielle Unterstützung!