1. Feltrinell-Bibliothekstag 2010

Am 24.11.10 feierte die Namensgeberin unserer Bibliothek, Inge Schoenthal Feltrinelli ihren 80. Geburtstag. - Herzlichen Glückwunsch!

An diesem besonderen Tag veranstalteten die literarische AG SeitenEinsteiger in Zusammenarbeit mit den Bibliothekarinnen den 1. FELTRINELLI BIBLIOTHEKSTAG.

Mit einem Kuchenverkaufsstand (Erlös für die Bibliotheksarbeit) und einem Bibliotheks-Quiz mit einer Bücherturm-Schätzfrage sollte auf die Bibliothek und ihre Nutzungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht werden.

Die Auslosung der Gewinner erfolgt in den nächsten Tagen.

Nach der Idee unseres ehemaligen Schulleiters, Herr Claus Meyer, soll nun immer am 24. November der Bibliothekstag mit einer besonderen Aktion stattfinden.

Geburtstagsgruß für Inge Feltrinelli von Umberto Eco in der Süddeutschen Zeitung vom 24.11.2010

Inge Schoenthal wurde am 24. November 1930 in Essen geboren und wuchs in Göttingen auf. Nach dem Krieg zog sie in die Medienstadt Hamburg und machte sich als Fotografin einen Namen. Im Haus von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt lernte sie den jungen italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli kennen und wurde 1958 Frau Feltrinelli. Den politisch extrem links engagierten Milliardär zog es Ende der sechziger Jahre in den Untergrund. Nach seinem Tod - er kam 1972 unter bis heute nicht geklärten Umständen bei einem Sprengstoff-Attentat ums Leben - übernahm Inge Feltrinelli das Verlags- und Buchhandelsunternehmen in Mailand, das inzwischen ihr Sohn Carlo Feltrinelli führt. An diesem Mittwoch wird sie 80 Jahre alt. Für die SZ überreicht Umberto Eco einen kleinen Geburtstagsgruß. SZ

Die Kleider und die Katze

Inge war eine Deutsch-Mailänderin (oder eine mailändische Deutsche, ihre Sprache lässt da keine genauen Rückschlüsse zu), die ich seit ihrer Ankunft in Italien kenne. Ich bin kein Autor des Feltrinelli Verlages, aber mit Inge und den Freunden von Feltrinelli haben wir seit den Zeiten der Gruppe 63 zusammengearbeitet. Ich erinnere mich auch unvergesslicher Tage während verschiedener Buchmessen in Frankfurt, auf denen man Inge nicht übersehen konnte, weil sie ein Vulkan voller Initiativen war und ein Kulturvermittler mit unzähligen Kontakten. Inge spielte eine wichtige Rolle, als Giangiacomo Feltrinelli noch lebte. Aber sie wurde noch wichtiger, als sie das Ruder des Verlages ergriff. Und sie hat den Verlag nicht nur (unter tragischen Umständen, in denen alles hätte untergehen können) gerettet, sondern ihn immer weiter gedeihen lassen. Es bleibt ein Geheimnis, wie Inge es schaffen konnte, viele wichtige Dinge für die europäische Kultur anzustoßen, während sie so tat, als würde sie sich in ihren Kleidern, die noch vielfarbiger waren als ihre Sprache, nur mondänen Ereignissen widmen. Sie hat sicher sieben Leben wie die Katzen, und das lässt uns für ihre kommenden dreißig Jahre hoffen.

 Auguri, herzlichen Glückwunsch!     UMBERTO ECO

(Aus dem Italienischen von Henning Klüver)