HG 150 - Mehr als Schule - School - Spirit zum Anfassen

Mit einer großen Schulparty enden am 11.6.2016 die umfänglichen
Feierlichkeiten zum 150jährigen Schuljubiläum des Hainberg-Gymnasiums

Text Sabine Wiggert, Fotos Hans Jürgen Leffler


Wer an diesem Samstagabend ins Hainberg-Gymnasiums geht, hat sich weder in Tag noch Stunde geirrt: nicht Unterricht, sondern ein großes Fest zum Abschluss der Feierlichkeiten des 150jährigen Bestehens der Schule ist der Grund dafür, dass am frühen Abend des 11.6.16 sehr viele Menschen ins Haupthaus am Friedländer Weg strömen. Die ca. 400 Gäste erleben ein beeindruckendes, buntes Feierprogramm in der Aula. Viele der Anwesenden sind Akteure des Abends.

Ein munterer, gut gelaunter Conferencier, Schulleiter Georg Bartelt, führt durch den Abend, der mit einer, vom Kurs "Darstellendes Spiel" bearbeiteten Aufführung von Wedekinds" Frühlingserwachen" beginnt. Die Schülerinnen und Schüler hätten mit ihrem Spiel die Problematik des Erwachsenwerdens und des Schullebens, wie sie um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert erlebt wurden, eindrücklich nachempfunden und dem Publikum nahegebracht, dankt Bartelt dem Kurs und seiner Leiterin Karen Fischer.

Mit einem großen, reichhaltigen und sehr vielfältigen, äußerst leckeren Fingerfood-Büfett sorgen die HG- Eltern über den gesamten Abend für das leibliche Wohl der Anwesenden. Solchermaßen gut gestärkt, geht es im Feierprogramm amüsant-makaber mit dem "HG Schulfilm" weiter. In dem regieren statt Zensuren und Unterricht Pistolen und Mafiabosse das Schulleben. Dass dieser Film möglicherweise nicht ganz fremde, geheime Gefühle und Fantasien der schulischen Zwangsgemeinschaft von Schülern und Lehrern in drastische Bilder fasst, mag manchem unangemessen erscheinen. Wer diese filmische Überspitzung des Schul- (er-)Lebens gelungen findet, sieht darin vielleicht eher die " Botschaft" des talentierten Jung-Regisseurs Nathan Lauer, z.Z. noch Schüler im Abiturjahrgang 12. Es ist dieser kleine Verweis auf unsere "dunklen" Fantasien und ein, zugegeben, paradox inszenierter Appell zu einem humorvoll- freundlichen Miteinander.

Dann folgt Jazztified. Verstärkt durch einige externe Mitwirker, beeindrucken die in zwei Blöcke geteilte Performance der Schulbigband sowie ihre Gesangs-Solisten, Anna Waltert, Sarah Berkemeier, Agnes Bolimowski und Jona Kienapfel, durch satten Jazzsound, Perfektion und enorme Spielfreude. Das Publikum ist überaus begeistert und möchte die Band am Ende kaum von der Bühne lassen. Denn es ist der letzte Auftritt der jungen Musiker und Musikerinnen in dieser Konstellation und er markiert einen Einschnitt. Als Bandleader Uwe Meile seinen Dank an die Gruppe kurz formuliert, ist in seiner Stimme für einen winzigen Moment die ganz große emotionale Bedeutung spürbar, die die Arbeit mit dieser Gruppe über lange Schuljahre für ihn und das HG gewonnen hat. Jetzt gehen viele der Bandmitglieder, bedingt durch Abitur und Berufsausbildung. Ein Neuaufbau muss beginnen.

Die zwischen und nach der Performance  eingefügten  weiteren Programmteile erscheinen den jeweiligen Akteuren subjektiv vielleicht "klein" im Vergleich zu dieser großartigen Vorstellung der Schulbigband.

An diesem Abend sind alle wichtig, die das Programm mitgestalten.

So beeindrucken weitere Schülerfilme, die in der Pause zwischen den zwei Jazztified-Blöcken gezeigt werden. Einer ist als "Musikvideo" definiert. Zentraler Inhalt ist die Darstellung eines französisch-sprachigen Chansons, von der Schülerin Agnes Bolimowski (11.Jg.) komponiert. Die Kombination aus musikalischer Präsentation und szenischen Umsetzungen der Inhalte ist mehr als ein bloßes Musikvideo.  Diesem, wiederum von Nathan Lauer hervorragend inszenierten Film, ist bei einem  Wettbewerb (fast möchte man bedauernd fragen: “bloß“?) der vierte Platz zuerkannt worden. Den Mitwirkenden, Schüler-Solisten aus dem Französisch -Kurs Jg.11 von Mark Blockwitz und Mitgliedern des M-Chores, nimmt man nämlich ihre filmische Botschaft der Fürsorge und des Einsatzes für Fremde und Flüchtlinge aufgrund der Eindrücklichkeit ihrer Darstellung eher ab, als manch professionellem U-Tube-Produkt.


Mit einer ähnlichen Thematik, dem Fremdsein und unserer, damit verbundener "Schubladendenkweise", befasst sich der Film, den Anne Weiß  und der WPU Unesco - Projektkurs  präsentieren. Ganz wörtlich verstanden und bildlich nachvollziehbar umgesetzt, wird hier „Schubladendenken" in einer Kombination aus Schauspiel-Szenen und gezeichneten, dem modernen Manga-Comic entlehnten Elementen beeindruckend umgesetzt. Die aufwändige Produktion hat der Verein der Freunde des HG finanziell unterstützt. Dieser Kurzfilm ist ein witziges und originelles  Ergebnis der schulischen Unesco -Arbeit.

Die Schülerinnen der Sport-Gruppe Jg.11 von Evelin Schiffler müssen an diesem Abend lange auf ihren Auftritt warten. Aber mit ihrer präzisen und ausdrucksstarken Performance wird nicht nur irgendein Schlussakzent des offiziellen Programms gesetzt. Man kann die getanzte Geschichte von Streit, Versöhnung und Frieden auch als eine wichtige Deutung des Mottos der Feierlichkeiten "HG - mehr als Schule" sehen, ohne die die Party nicht "rund" gewesen wäre.


Diejenigen, die seit dem 18.4. bis zu diesem Partyabend am 11.6. hauptsächlich mit der Organisation und Durchführung der 15 Kulturveranstaltungen zum HG -Jubiläum "HG 150- Mehr als Schule" befasst waren, wissen, dass trotz aller planerischen Präzision doch durch unvorhersehbare Ereignisse immer wieder Veränderungen nötig sind und alles Geplante auch nicht ohne Pannen abläuft. Die stellvertretende Direktorin Angelika Reese betont das in ihrer kleinen Dankesrede für die Organisatoren und Planer, die sich auf der Bühne versammeln. Wichtig ist die fortgesetzte, wohlwollende Kommunikation miteinander.

Der  Musik-Mix, den Andreas Meißner, im normalen Schulleben am HG für Computer und Technik zuständig, zum Abschluss des Abends auflegt, lässt die emotional-freudige Stimmung des Abends im ausgelassenen Tanz münden. Entspannungsgefühle stellen sich ein.

In unterschiedlicher Weise ist an diesem Abend fühlbar geworden, was "mehr als Schule" bedeuten kann. Der "Geist des Hainberg-Gymnasiums" zeigt sich im gemeinsamen Tun. In diesem Sinne haben wir mit den 15 Veranstaltungen zum Jubiläum besondere, vielfältige und anregende Begegnungen mit Menschen erlebt, deren HG – Zeit ein für sie prägender Lebensabschnitt war und die durch ihr Kommen der Schule etwas zurückgegeben haben. Mit der Party findet dieses vielfältig gestaltete Jubiläum seinen gelungenen Schluss-Akzent: School-Spirit zum Anfassen.