Utopia Unlimited 2015

Eine deutsch - italienische Jugendbegegnung

vom 14.11.15 bis zum 20.11.15 waren wir, sechs Schüler der Oberstufe des Hainberg-Gymnasiums ( Lukas Klasen, Nathan Lauer, Imre Löber, Emma Huy, Helena Wolter, Vivien Gysemberg) aus verschiedenen Politikkursen mit Herrn Olbrich auf Politik-Fahrt.

Am 14.11.15 trafen wir uns am Bahnhof um zum Internationalen Haus Sonnenberg in den Harz zu fahren. Außer uns 7 Göttingern reisten des Weiteren Klassen aus Leipzig, der Lüneburger Heide und aus Italien an.

Am 15.11.15, dem 2.Tag wurden wir in das Thema eingeführt, mit dem wir beschäftigen würden. Die Gestaltung einer gesellschaftlichen Utopie sollte in dieser Woche im Mittelpunkt stehen.

Zunächst haben wir uns in verschiedenen Kleingruppen mit Utopien bekannter Philosophen und Autoren auseinandergesetzt, um Einblicke, Anregungen und Verständnis für das Thema zu entwickeln. Da wir eine sehr große Truppe waren, wurden wir in zwei Plenen aufgeteilt.

Das anzustrebende Ziel innerhalb der Fahrt war es, eine Utopie für das Zusammenleben auf einer Insel nach unseren Vorstellungen zu gestalten und diese auf einer Utopienmesse den anderen Teilnehmern zu präsentieren. Nachdem wir eine Grundvorrausetzung zur Auseinandersetzung mit dem Thema Utopie geschaffen hatten, bastelten wir in der Orientierungsphase Collagen und Poster in gemischten Kleingruppen. Auf diesen Postern stellten wir Moral- und Wertevorstellungen dar, die uns und unsere Gesellschaft prägen und diskutierten diese anschließend im Plenum. Es entstanden interessante Ideen, welche sich nicht nur hinsichtlich der Kulturen unterschieden.

Montag nach dem Frühstück, am 16.11.15, trafen wir uns im Morgenplenum um den Tagesablauf zu besprechen. Für den Tag vorgesehen waren eine Traumreise, zur Inspiration, sowie Arbeit in Workshops mit verschiedenen Schwerpunkten. Bearbeitet wurden die Thematiken in dreistündigen Workshops namens „Degrowth“, welcher sich mit Nachhaltigkeit (Suffizienz, Effizienz und Konsistenz) und der Frage, ob unendliches Wachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen möglich sei, beschäftigte, „Belohnungs- und Bestrafungssysteme einer Gesellschaft“ und „Migration“.

Bei „Belohnung und Bestrafung“ fokussierten sich die Interessierten auf die Gesellschaft, deren Moral und Gesetze und überlegten, wie man die Gesellschaft verändern könne, indem man auf Belohnungen und Bestrafungen verzichtet. Migration hingegen befasste sich mit dem Thema der Flucht und legte demnach den Fokus auf Flüchtlinge, Migration und globale Konflikte. Neben den drei dreistündigen Workshops wurden auch eineinhalbstündige Workshops angeboten. Die vorliegenden Workshops befassten sich mit unterschiedlichen Thematiken und ließen Raum für eigene Ideen. Angeboten wurden Techtopia, welcher sich mit künstlichen Menschen/künstlicher Intelligenz beschäftigte, Biofiction, wozu es einen Film gab, der eine ähnliche Thematik wie Degrowth aufwies, nämlich Nachhaltigkeit in Bezug zur Umwelt.

Zudem organisierten wir Teilnehmern eine Diskussionsrunde, wo aktuelle Themen wie Terrorismus und die Anschläge auf Paris zur Sprache kamen.

Die Workshops bereiteten uns auf die folgenden Tage vor.

Am 17.11.15 war die Zeit schon weit voran geschritten und wir hatten einige Ergebnisse, zum einen in der Kommunikation mit den italienischen Teilnehmern als auch inhaltlich, erzielt und Eindrücke gesammelt. Wir starteten in den Tag mit einem guten  Frühstück und waren voller Neugierde, was der neue Tag wohl bringen mochte. Als alle im Morgenplenum eingetroffen waren, hatten die Teamer unterschiedliche Begriffe, die sich mit unserer Umgebung und Gesellschaft befassen an Stellwände gepinnt. Der Auftrag lautete, dass wir zu den Begriffen Unterpunkte zu notieren sollten, um diese mit unserer Persönlichen Sichtweise zu beleuchten. Einige der Begriffe waren: Energie, Umwelt, Transport, Bildung, Religion, Liebe, Gesundheit usw. Nachdem wir diese Aufgabe erledigt hatten, sollten wir uns je nach Interesse einem der Begriffe zuordnen, sodass abermals gemischte Kleingruppen entstanden. Bestimmte Begriffe, wie Energie, Transport und Umwelt konnten verknüpft werden, um ein großes Spektrum darlegen zu können.

Innerhalb der Kleingruppen diskutierten wir, wie unsere Utopie in Bezug auf politische, ökonomische und gesellschaftliche Gestaltung unseres Gesellschaftssystems aufgebaut werden könne und erstellten Modelle in Form von Postern oder einem 3D- Modell.

Gestärkt durch das Mittagessen gaben wir unseren Plakaten noch den letzten Schliff und präsentierten dann unsere Ergebnisse.

Den 5. Tag (18.11.15) machten wir Ausflüge nach Hannover oder Richtung Göttingen. In die Listen hatten wir uns am Tag zuvor eingetragen.

Nach dem Frühstück holten uns zwei Reisebusse ab. Der eine fuhr zur Kommune nach Niederkaufungen und der andere nach Hannover zum „Wissenschaftsladen“, „Acker-Pella“ und der „Konsumkritischen Stadtrundfahrt“.

In der Kommune lernten die Teilnehmer das unabhängige Zusammenleben und das Teilen innerhalb einer Gemeinschaft von ca. 60-100 Mitgliedern kennen.

Der „Wissenschaftsladen“ in Hannover ist Teil eines Systems innerhalb einer Gemeinschaft, die das „sharing“ in den Vordergrund stellt. In dieser Gemeinschaft leben die Menschen nicht, wie in einer Kommune zusammen, sondern bringen sich durch Gemeinschaftsarbeit ein. Besonders wichtig in dem System ist nicht nur das Teilen, sondern auch der Austausch untereinander und die gegenseitige Hilfe. Bei „Acker-Pella“ wurde den Anwesenden die Nachhaltigkeit von ökologischen Anbau in Form von „Urban Gardening“ nähergebracht. Eine konsumkritische Stadtrundfahrt vermittelte den Interessierten die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens. Nichts ist für die Ewigkeit und wenn etwas kaputt ist, so kauft man eben etwas Neues, anstatt das Alte zu reparieren. Es wurde verdeutlicht, dass die Menschen wenig an die Ressourcensicherung für die zukünftige Generationen denken, sondern hauptsächlich an das eigene kurzfristige Wohlergehen.

Am 19.11.15 fand unsere Utopien Messe statt.

Beide Plenen hatten eine vom Menschen unberührte Insel (Atupio und Itupao) zugeteilt bekommen, die wir unter bestimmten Gesichtspunkten (Energie, Transport, Bildung, usw.) zu unserer Utopie haben werden lassen. Diese wurde nun von Repräsentanten auf beiden Sprachen (italienisch und deutsch) präsentiert.

Die Gruppen hatten ein Gesellschaftssystem entwickelt, in welchem die Produktion in größerem Ausmaß, als im derzeitigen System, zum Wohlergehen der Gesellschaft ausgerichtet war. Zusammengefasst näherte sich Atupio einem gemäßigten sozialistischen System an, während Itupao vollkommen auf staatliche Gewalt verzichtete und auf Dezentralisierung und Verteilung der Macht auf, Kommunen ähnliche, Gemeinschaften setzte. Itupao entwarf hier ein Arbeitssystem, in welchem Arbeit auf freiwilliger Basis von jedem Mitglied der Kommune getragen werden solle. So sollte das Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein für Verantwortung gegenüber der Kommune in jedem Mitglied erzeugt werden. Die freie Wahl der Arbeit sollte ermöglichen, dass jeder mit seiner Arbeit zufrieden sei und jede Arbeit gleich wertgeschätzt würde. Gearbeitet würde nur so viel, wie es für die Kommunen notwendig sei und alle Waren, die man zum Leben bräuchte, ständen jedem Mitglied frei zu Verfügung.

In beiden Gesellschaftsentwürfen sollte nachhaltig und zukunftsbezogen gewirtschaftet werden. Atupio setzte dies gesetzlich fest, Itupao sah aufgrund der Abwesenheit von kapitalistischem Wirtschaften in ihrem System keine Notwendigkeit nicht ressourcenschonend zu produzieren. Die Natur würde durch das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung geschützt werden.

Atupio hatte Grundrechte entwickelt, welche Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung vorschrieb, während Itupao kein Gesetz veranlasste, jedoch die Bevölkerung zu Respekt, Toleranz und verantwortungsvollem Miteinander aufrief. Bei Regelverstoß würden auf Atupio Gesetzesmaßnahmen vollzogen werden. Auf Itupao hingegen war die höchste und einzige Strafe der Ausschluss der Person aus der eigenen Kommune.

Beide Inseln würden sich aus internationalen Konflikten heraushalten, jedoch jeden Asylsuchenden oder Einwanderer willkommen heißen und im Land aufnehmen.

Sie funktionierten autark und seien unabhängig von Importen aus dem Ausland.  Bildung, auf allen Gebieten (z.B. Wissenschaft, Künste) sei durch die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung auf höchstem Niveau und jedes Mitglied erhalte dadurch einen Wert in der Gesellschaft.

Unsere Utopien wurden stark von unsere eigenen Werte- und Moralvorstellungen geprägt. Dies ist auch ein Grund, weshalb sich unsere Endergebnisse in einigen Punkten voneinander unterschieden haben. Durch die verschiedenen Regionen, aus denen wir kamen und auch den verschiedenen Religionen, kulturellen Unterschieden, gab es Meinungsverschiedenheiten, jedoch haben wir nach regem Austausch zu jedem Streitpunkt eine Lösung gefunden und werden diese Phase der Entwicklung, unser Ergebnis und viele Erinnerungen, sowie Freundschaften mitnehmen.

Abends gab es eine von den Teilnehmern organisierte Abschlussparty. Teamer führten eine Akrobatiknummer vor, die Italiener zeigten Filme von ihrer Heimat und sangen ein Lied vor, welches sie extra für das Seminar geschrieben hatten, Lukas präsentierte ein Gedicht und es spielte eine Band, die sich am Vormittag aus Teilnehmern gebildet hatte.

Der Abend wurde mit gemeinsamem, italienischem Essen verabschiedet.

Am 20.11.15 traten wir alle die Heimreise an.

Anfangs wussten wir nicht, was uns auf  Sonnenberg erwarten würde und kamen mit gemischten Gefühlen  und Erwartungen dort an. Doch diese stellten sich als unbegründet heraus, denn wir haben eine anregende, kommunikative und  spannende Woche erlebt.

Durch die Kleingruppenarbeit und die kulturell gemischten Gruppen ist eine tolle Arbeitsatmosphäre entstanden, in der es immer Raum für Späße aber auch hitzige Diskussionen gab. Die Abende haben wir sehr unterschiedlich ausklingen lassen, sei es ein Singstar Abend, eine Runde Werwolf spielen oder gemeinsam feiern.

Das Schöne daran war, dass sich nicht nur die Schüler an Freizeitaktivitäten beteiligt haben, sondern die Lehrer ebenfalls mit von der Partie waren.

Die Kommunikation untereinander hat trotz unterschiedlicher Sprachen sehr gut geklappt. Die Italiener nahmen an dem Utopia Seminar teil, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, doch diese waren schon so gut, dass man sich gut verständigen und miteinander lachen konnte. Durch das allabendliche Treffen in Kleingruppen mit einem der Teamer entstand immer ein reger Austausch zwischen uns Teilnehmern, sodass viele Freundschaften geschlossen wurden. Im Laufe der Fahrt wurde uns klar, wie wichtig die Verschiedenheit, die Kommunikation und Respekt für uns untereinander sind.

Die Teilnahme am Utopia- Projekt vom Haus Sonnenberg war eine durchgehend positive Erfahrung und definitiv wiederholenswert!

Das Projekt ist für jeden empfehlenswert, der sich für interkulturellen Austausch mit Schwerpunkt auf aktuelle politische und gesellschaftliche Themen interessiert.

Verfasserinnen: Helena Wolter und Vivien Gysemberg

Bilderdokumentation vom Internationalen Haus Sonnenberg

Programm