Welterbestätte Kloster – Dimensionen der Mobilität

Welterbe AG 2013

Leitung: Monika Kleineberg, Göttingen, Koordinatorin der UNESCO-Projektschulen für das Welterbe

Der Workshop beleuchtet verschiedene Formen von Mobilität, die im Laufe der Jahrhunderte im heutigen Weltkulturerbe Kloster Lorsch eine Rolle gespielt haben.

Als die UNESCO 1991 das ehemalige Kloster Lorsch als „ Kulturerbe der Menschheit“ auszeichnete, würdigte sie eine Kulturstätte, deren bauliche Überreste die einstige Bedeutung der Abtei des Heiligen Nazarius kaum mehr nachvollziehen lassen. Gäbe es nicht die so genannte „Königshalle“, einen der besterhaltenen karolingerzeitlichen Repräsentationsbauten aus dem 9. Jahrhundert, wäre den meisten Menschen das Kloster an der Hessischen Bergstraße wohl unbekannt.

In vergangener Zeit jedoch war das Kloster Lorsch, das zum Jahr 764 ein erstes Mal erwähnt wird, als Abtei des Königs (seit 772), später des Erzbischofs von Mainz (seit 1232), eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas vor der ersten Jahrtausendwende. In Klöstern wie Lorsch wurde entschieden, welches Wissen der lange zurückliegenden Zeit der Antike die eigene Gegenwart erreichte und der Nachwelt überliefert werden sollte und was nicht. Rund 300 erhaltene Handschriftenbände, heute weltweit verstreut, bezeugen die herausragende Bedeutung der Lorscher Bibliothek und des klösterlichen Skriptoriums.

Und dann war Lorsch natürlich auch ein wirtschaftlich bedeutsamer Ort: Tausende von Besitzungen von den heutigen Niederlanden bis in die Schweiz in heute fünf europäischen Nationen verschafften dem Kloster des Heiligen Nazarius umfangreiche Einkünfte. Sie sind in dem zwischen 1170 und 1200 entstandenen „Lorscher Codex“ verzeichnet. Das Kloster hatte das Recht, an drei verschiedenen Orten eigene Münzen zu prägen, Märkte abzuhalten, es verfügte über wichtige Handelsplätze, einen eigenen Rheinhafen und einige wichtige Privilegien.

Beides sind wichtige Faktoren, an denen sich unterschiedliche Formen von Mobilität ableiten lassen, die im Rahmen des Workshops genauer beleuchtet wurden.

Am Freitag fand eine ganztägige Exkursion für die AG zur Welterbestätte Kloster Maulbronn statt. Das Kloster Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage der Zisterzienser nördlich der Alpen. Die Zisterzienser begannen Mitte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau – über die Jahrhunderte entstand eine riesige Klosterstadt. Seit 1993 gehört das Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe. Herzlichen Dank an Frau B. Gittinger, der stellv. Leiterin der Klosterverwaltung Maulbronn für die wunderbare Führung.

Weitere Informationen auf der Webseite der Koordination Welterbe der UNESCO-Projektschulen.