Praktikumsbericht 2008

über den Aufenthalt in Teheran im Rahmen des Projekts Jugend im Dialog - Austausch der Kulturen der unesco-projekt-schule  Königin-Luise-Stiftung - Berlin

Als ich in der Schule davon hörte, dass noch ein Praktikumsplatz im Iran frei sei, war ich sofort interessiert. Ich wusste nicht viel über das Land und die Leute. Zwar habe ich iranische Freunde, aber wir haben nie wirklich über ihre Kultur geredet.
Kurz vor den Sommerferien ging es nach einem Vorbereitungs- und Kennenlernnachmittag los und wir flogen mit einem Lehrer, der uns die ersten Tage betreute, mit IranAir in ein mittlerweile nicht mehr ganz so fremdes Land.
Wir, das sind zwei Jungen und ein Mädchen aus Berlin, zwei Mädchen aus Heppenheim und ich.

Schon im Flugzeug bekamen wir einen ersten Eindruck davon, was uns die nächsten drei Wochen erwartete. Wir bekamen typisch iranisches Essen, unglaublich lecker, und die Stewardessen hatten Kopftücher auf und sprachen schlechtes Englisch. Kurz vor der Landung begannen alle Frauen und älteren Mädchen ebenfalls ihre Kopftücher aufzusetzen und leichte Mäntel anzuziehen.
Am nächsten Tag wurden uns unsere Arbeitstellen gezeigt. Ich arbeitete in einem Reisebüro, in dem ich sehr nett empfangen wurde. Allerdings konnte ich mich nur mit einem von fünf Mitarbeitern unterhalten, da vier kein oder nur wenig Englisch sprachen.

Nachdem ich einige Reiseführer durchgegangen war und mich mit dem Ticketing vertraut gemacht und nichts mehr zu tun hatte, wechselte ich den Praktikumsplatz und arbeitete von nun an in einem Geschäft für Frauenmode.
Auch dort wurde ich wieder sehr herzlich aufgenommen. Am schönsten dort war der Kontakt zu den Kunden. Da in der Boutique teure Kleidung verkauft wurde, gehörten die Kunden zur Oberschicht, genossen eine gute Bildung und ich konnte mich mit ihnen auf Englisch unterhalten. Sie erkannten sofort, dass man Ausländer war, kamen auf einen zu und löcherten einen mit Fragen. Einige konnten sogar Deutsch und freuten sich darüber, zu zeigen, was sie konnten.

Auch war es sehr interessant, wenn man an einen englisch sprechenden Taxifahrer geriet. So hatten wir die Möglichkeit auch etwas über eine sozial schwächere Schicht aus erster Hand zu erfahren. 
Taxifahrer... Das erinnert mich an den Verkehr. Ich glaube, ich hatte noch nie so große Angst davor, dass ich eine Autofahrt nicht überleben würde. Wenn man nicht gerade ewig im Stau stand, fuhren alle wie verrückt und es gab nur eine Verkehrsregel: Wer als erstes in der Kreuzung ist, darf auch fahren, die anderen müssen bremsen. Ich habe jeden Tag mindestens drei Autounfälle gesehen, glücklicherweise nur Blechschäden. Uns wurde gesagt, sie seien an die Fahrweise gewöhnt und es passiere nichts.  Nach einigen Tagen haben auch wir uns daran gewöhnt.

Woran wir uns allerdings nicht gewöhnt haben, war das Kopftuch. Am Anfang hat es uns nicht gestört, ein Kopftuch und einen Mantou zu tragen, aber je länger wir da waren und so öfter wir bei 50° Celsius im Park, shoppen oder Moscheen besichtigen waren, desto genervter waren wir davon und desto mehr haben uns die beiden Jungen ausgelacht. Allerdings ist es nicht so streng wie ich früher immer dachte. Es müssen keines falls alle Haare bedeckt sein, viele Frauen tragen High Heels, sind extrem geschminkt und zeigen relativ viel Haut.

Dies sei vor einigen Jahren kein Problem gewesen, aber seit dem Diktator habe sich alles wieder verschärft, wovon sich aber viele Frauen nicht beeindrucken lassen -  im Gegenteil, sie zeigen aus Trotz noch mehr Haut.
Unsere deutschsprechende "Gastmutter" gehört allerdings nicht zu dieser Art Frau. Sie ist eine Geschäftsfrau, die sich in der Männerwelt durchsetzt, und zwar in jeder Hinsicht, weshalb wir auch einmal aneinander gerieten. Auch von ihr wurden wir freundlich empfangen und wir hatten viel Spaß zusammen.
Auch Nooshin, die uns vorgestellt wurde, hat uns den Aufenthalt im Iran leichter gemacht und sehr schön und interessant gestaltet. Wir wurden oft von ihr zu sich eingeladen und sie zeigte uns Sehenswürdigkeiten und Shopping Malls. Sie und ihr Vater erklärten uns die Politik, Gebäude und ihre Religion näher und hatten immer ein offenes Ohr für uns.
Teheran ist wirklich eine riesige Stadt, mit vielen Menschen und Autos, was man sofort an der Luft merkt, aber die Bewohner sind nicht so, wie man sich typische Großstädter vorstellt. Ich habe kaum Menschen getroffen die nicht herzlich und interessiert an uns, unserem Leben in Deutschland und vor allem unseren Erfahrungen im Iran waren. Ihnen war es wichtig, dass wir ein gutes Bild von ihrem Land, ihrer Kultur und ihren Mitmenschen haben und es in Deutschland auch weitergeben.

Aber noch wohler habe ich mich in Isfahan gefühlt. Zwar sind die Menschen und Sittenwächter dort strenger, aber dafür auch noch persönlicher.
Auch die Stadt ist schöner. Sie ist grüner, ruhiger, direkt an einem Fluss und der große Basar Meidan-e Emam ist beeindruckend und wunderschön.
Es gab aber auch Erschreckendes. Noch nie habe ich eine solche Angst wirklich gespürt. Immer wieder wurde uns gesagt, wir können gerne alles fragen, aber ob sie antworten, entscheiden sie situationsabhängig. An einigen Orten sei es einfach zu gefährlich die Politik oder ähnliches zu kritisieren.
Insgesamt war die Reise in diese fremde Kultur unglaublich spannend und lehrreich und hat mir ein komplett anderes Denken über das Land, die Religion, Bevölkerung und Politik und Aktivisten gegen diese verschafft.

Anna Werner, Jg. 12

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