UNESCO-Welterbetag im Kloster Lorsch

Der Welterbetag - ein neuer nationaler Thementag

Dieter Offenhäußer, Stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission e.V., mit den Schülerinnen Dzeneta Hodzik und Patricia Hähnel [2011]

Wer kennt sie nicht - den Tag des Baumes, den Tag des Denkmals, den Tag der Frau, den Weltkindertag, den Nichtrauchertag. Fast jeder Kalendertag ist ein Thementag. Folgerichtig witzelte auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (11.5.2005): Gehören Sie auch zu den Unglücklichen, die nie so recht wissen, wie sie den ersten Sonntag im Juni verbringen sollen? Nur getrost. Künftig können Sie an diesem Tag etwas erleben. Gemeint ist der Welterbetag, ein Tag, der dem Welterbe gewidmet ist. Die Idee dazu entstand in Lorsch und wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission  und dem Verein UNESCO - Welterbestätten Deutschland e.V. adoptiert. 2005 fand er erstmals statt - mit der Hauptveranstaltung in Lorsch, 2006 in Dessau, 2007 in Goslar, 2008 in Aachen, 2009 in Maulbronn, 2010 in Essen und 2011 in Koblenz. An allen anderen Orten wird die Bevölkerung eingeladen, sich einerseits über die Welterbestätte vor ihrer Haustür zu informieren, andererseits aber auch das weiter Spektrum dessen kennen zu lernen, was die Welterbeidee eigentlich beinhaltet, was die UNESCO macht, was eine unesco-projekt-schule ist, wozu es die engagierten UNESCO-Clubs gibt und mit wem die Welterbestätte so zusammenarbeitet. Seit 2005 arbeitet das Hainberg-Gymnasium eng mit dem Kloster Lorsch zusammen.

Unter dem Motto "Faszination Welterbe" fand am 5. Juni 2011 der siebte Welterbetag statt. In Lorsch wurde der Welterbetag am 5. Juni 2011 groß gefeiert, denn in diesem Jahr begeht das Kloster Lorsch sein 20-jähriges Jubiläum als UNESCO-Weltkulturerbe. Rund um das Kloster fand auf dem Benediktinerplatz ein buntes Festprogramm statt, an dem sich neben der Stadt Lorsch und dem Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch auch die Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und das Hainberg-Gymnasium beteiligten. Hier geht es zum ausführlichen Programm.

Unter dem Motto "UNESCO-Welterbe - SPIELend entdecken" fand am 6. Juni 2010 der sechste Welterbetag statt. In Lorsch wurde an diesem Sonntag einiges geboten. Das Highlight war sicherlich eine Vorführung traditioneller Techniken des Buchbindens - einmal die mitteleuropäische Variante und daneben die koreanische. Dazu kamen der niederländische Buchkünstler Martinus Janssen aus dem Klosterort Prüm in der Eifel und zwei Meister traditionell koreanischen Handwerks aus der Welterbestadt Cheongju nach Lorsch: Jong-Jin Hong und sein Assistent Son-Cheon Hong. Cheongju ist die Wiege des koreanischen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern - ein paar Jahrzehnte vor Johannes Gutenberg im 14. Jahrhundert. Das erste gedruckte koreanische Buch, ein buddhistischer Text, gehört zum Welt-Dokumentenerbe der UNESCO. Das Hainberg-Gymnasium war in Lorsch mit einem Stand dabei:

Der Welterbetag fand am 4. Juni 2006 in Lorsch als "Markt der Ideen" statt - passend zur klösterlichen Vergangenheit -  mit einem großen Gottesdienst an der "Königshalle". (Dr. Hermann Schefers, Direktor der Welterbestätte Kloster Lorsch). Das Hainberg-Gymnasium war in Lorsch mit einem Stand dabei:

Auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission und des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. fand am 5. Juni 2005 der erste Welterbetag in Deutschland - mit der zentralen Auftaktveranstaltung in Lorsch statt.

"Die Kultur aus der nationalen Beschränkung herausheben und die Jugend für Denkmäler und ihre Geschichte interessieren", dies - so Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission - sind die zentralen Aufgaben der Welterbestätten. Die Welterbestätte Kloster Lorsch, Gastgeber der zentralen Auftaktveranstaltung, leistet hier vorbildliche Arbeit mit ihren Partnerschaften in Armenien und Südkorea und ihren museumspädagogischen Konzepten. Rund 3.000 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, sich an der Lorscher Königshalle über das Welterbe und die UNESCO zu informieren. Die Deutsche UNESCO-Kommission und der UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. waren mit zwei Informationsständen vertreten. Das Kloster Lorsch zeigte zwei Ausstellungen über seine Partner-Welterbestätten - die Klöster Geghard in Armenien und Haein-sa in Südkorea. Auch die UNESCO-Projektschulen und UNESCO-Clubs aus der Region sowie die nahe gelegene Welterbestätte Grube Messel stellten sich in Lorsch der Öffentlichkeit vor. Der Stand der engagierten Museumspädagogen des Klosters Lorsch begeisterte auch die kleinen Gäste mit selbst gemalten Weltkarten und Weltkugeln.

Talk an der Königshalle

Der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard (2.v.r), der Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, Dr. Roland Bernecker (rechts), der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (2.v.l.) und der Leiter des Museumszentrums Kloster Lorsch, Dr. Hermann Schefers (links), diskutierten beim "Talk an der Königshalle" über das Welterbe. Moderiert wurde die Talkrunde vom Chefredakteur des Bergsträßer Anzeigers, Karlheinz Schlitt (Mitte).

Bernecker unterstrich das Anliegen des Welterbetages, der den Besuchern vermitteln sollte, dass "an einer Welterbestätte authentische Geschichte erlebbar ist". Leonhard hob vor allem die Bildungsaufgabe der Welterbestätten hervor, "die sich als Lernorte und Orte der Begegnung verstehen müssen". Für eine größere finanzielle Unterstützung für Forschungsarbeiten am Standort Lorsch plädierte Landrat Wilkes. Der Gastgeber Schefers erhofft sich eine Erweiterung der musealen Präsentation und des Lorscher Konzepts für eine "Welterbe-Pädagogik". Eine stärkere internationale Kooperation der Welterbestätten und der Aufbau von Partnerschaften seien wünschenswert.

Quelle: unesco heute online, Nr. 6-7 / 2005 

Programm des 1. Welterbetages in Lorsch am 5. Juni 2005 (pdf)