Identität durch Kunst und Kultur: Wien…

 

Von Mozart und Grillparzer bis zum Museumsquartier und den Wiener Festwochen – Identitätsstiftung erfolgt seit jeher über den Faktor Kunst und Kultur. Auf die Frage, was die Stadt Wien auszeichne, antworten 90% der Wienerinnen und Wiener „das alte Kulturerbe“ und 85% „das kulturelle Leben“ (Umfrage des IFES-Instituts 2003, vgl. Wehdorn, S. 136). Auch für Touristinnen und Touristen ist der Kulturfaktor ein Hauptmotiv für ihren Besuch in der Stadt.

Burgtheater – Staatsoper 

 

 

Zu Beginn der Zweiten Republik erkannte die damalige Politik – Regierung wie auch Besatzungsmächte – die Bedeutung des Identitätsträgers „Kultur“ zur Etablierung des Landes als eigenständigen, selbstbewussten Staat. Österreich und Wien im Besonderen wurden physisch und ideologisch mit Reminiszenzen an die Vergangenheit unter dem Aspekt eines Landes der Kunst und Kultur wieder aufgebaut. Burgtheater und Staatsoper wurden unmittelbar nach Kriegsende wieder aufgebaut. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil des Weltkulturerbe-Areals in Wien.

Ein Dom als Mittelpunkt der Stadt

Der Stephansdom gilt als Identifikationssymbol und Wahrzeichen der Stadt und des Landes. Die langwierigen Arbeiten am Dom ab dem 12. Jahrhundert waren begleitet von mysteriösen Umständen, die von der Bevölkerung aufgegriffen wurden. Mehr als 40 überlieferte Legenden ranken sich um die Bautätigkeit (> Wiener Sagen). Hier zeigt sich die von Beginn an emotionale Identifikation der Bevölkerung mit diesem Gebäude. Während der Monarchie war der Dom im Zentrum des großen Reiches nicht nur von religiöser Bedeutung. Im gesamten Reich durfte kein Kirchturm höher als der Südturm (136,4 m) erbaut werden. Die herausragende Symbolkraft des Stephansdomes auch im 20. Jahrhundert verdeutlichen zwei Begebenheiten. O5 - diese Buchstaben-Zahlen-Kombination steht für Widerstand gegen den Nationalsozialismus von 1938-1945. Unter diesem Code kämpfte eine über Parteigrenzen und Ideologien stehende Gruppe für ein freies Österreich. Die Widerstandskämpferinnen und -kämpfer haben – nicht zufällig – O5 auf der Westseite des Stephansdomes in die Mauern eingeritzt. Zu Kriegsende, in der Nacht zum 12. April 1945, brannte der Dom. Die Pummerin stürzte ab und zerschellte am Boden. Unmittelbar danach erfolgte der Wiederaufbau, finanziert durch Spenden von der ohnehin durch den Krieg mittellosen Bevölkerung. Die neue Pummerin wurde aus dem Material der zu Bruch gegangenen Glocke gegossen. 1952 war der Dom wiederhergestellt. Dass der Dom bis heute ein „Nationalheiligtum“ ist, beweisen nicht nur die hohen Tourismuszahlen, sondern zeigt sich auch in der Spendenbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher für den Erhalt des Gebäudes. Die laufenden Instandhaltungsarbeiten werden großteils durch Spenden finanziert, die u.a. durch die 1987 gegründete Privatinitiative „Rettet den Stephansdom“ koordiniert werden.

MQ – Moderne als Identifikation

Eines der zehn größten Kulturareale der Welt befindet sich in Wien, in den Gebäuden der ehemaligen Hofstallungen. Das Museumsquartier ist ein Beispiel für mustergültige Revitalisierung. Nach heftigen Kontroversen – auch die UNESCO gab eine Stellungnahme ab – konnte das Areal als Symbiose zwischen barocker und moderner Architektur gestaltet werden. Seit seiner Eröffnung 2001 ist das Museumsquartier mit dem Museum für Moderne Kunst, Leopold Museum und der Kunsthalle Wien ein Hot Spot in der internationalen Kunstszene. Es ist eine Schnittstelle zwischen dort angesiedelten Institutionen der Bildenden Kunst, Architektur und Tanz mit Kulturinteressierten und Kindern. Das geschützte Areal mit den legendär gewordenen Sitzmöbeln und einer lebendigen Gastronomie bietet auch Erholungsraum mitten in der Stadt. Das Museumsquartier zeigt, neben anderen herausragenden Initiativen, wie den Wiener Festwochen oder dem Filmfestival am Rathausplatz, dass Wien seinen Ruf als Kulturstadt auch in der Moderne gerecht wird.

Die Vereinten Nationen in Wien

Neben New York, Genf und Nairobi ist Wien einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Seit dem 23. August 1979 ist das Internationale Zentrum Wien (Vienna International Centre, VIC) Sitz verschiedener UNO-Einrichtungen. Allgemein bekannt als "UNO-City", wurde das VIC nach den Plänen des österreichischen Architekten Johann Staber auf dem Gelände des Donauparks errichtet und den Organisationen für 99 Jahre zu einer symbolischen Miete von 1 Schilling (7 Eurocents) pro Jahr übergeben.

Über 4.000 Beschäftigte aus mehr als 100 Ländern arbeiten hier bei den internationalen Organisationen. Etwa ein Drittel davon sind Österreicher. Die Betriebskosten des Zentrums von jährlich etwa 22 Millionen Euro werden von den Organisationen selbst bezahlt. Nach offiziellen Angaben fließen pro Jahr rund 360 Millionen Euro in die österreichische Wirtschaft in Form von Verwaltungsausgaben, Ankauf von Bürobedarf und -einrichtungen, sowie Ausgaben von Personal und Konferenzdelegierten.

Eine Vielzahl internationaler Tagungen und Expertentreffen finden jedes Jahr im Internationalen Zentrum statt. Größere Konferenzen werden im benachbarten Austria Center abgehalten.