UNESCO-Taube Nr. 33

"Jugend im Dialog - Austausch der Kulturen"

Wir sind sechs Schülerinnen des Hainberg-Gymnasiums und haben während der Herbstferien im Oktober 2016 am Austausch mit der Shohadaye Karegar Schule in Tehran, der Hauptstadt des Iran, teilgenommen. Begleitet wurden wir von Herrn Niemann. Wir haben 10 Tage in Tehran verbracht und dort in Gastfamilien gewohnt und sind danach für drei Tage nach Isfahan gefahren um uns dort das Weltkulturerbe Meidan-e Emam anzuschauen. Das Projekt fand im Namen des Kulturaustausches statt. In Tehran haben wir unsere Partnerschule Shohadaye Karegar Educational Complex besucht, insbesondere den neu eingeführten Mädchenzweig, und am Unterricht der vier- bis sechsjährigen Mädchen teilgenommen. Außerdem wurde uns der Unterricht in für diese Schule typischen Fächern wie Scratch Programming und der Verarbeitung von Holz in der Holzwerkstatt gezeigt. Auf dem Schulhof sind wir auf viele interessierte und offene Schüler getroffen. Außerdem waren wir in der Roshd-Mädchenschule zu Besuch. Dort haben wir uns in verschiedenen Klassen mit gleichaltrigen (also ebenfalls die neunte bis 12. Klasse besuchenden) Schülerinnen unterhalten und uns mit ihnen über das Leben und das Bildungssystem in Deutschland und im Iran ausgetauscht. Die Schülerinnen haben auf uns sehr aufgeschlossen und offen gewirkt. Unser Eindruck ist, dass die iranischen Schüler und Schülerinnen sehr intelligent und auch sehr fleißig sind, da sie das Ziel, die Universität zu besuchen und so Karrierechancen zu erhalten, teilen. Es gibt für sie kaum Alternativen zur Universität, sodass sie unter einem großen Druck stehen. Auch die Lehrer und Lehrerinnen an beiden Schulen waren sehr freundlich, offen und viel weniger streng als wir erwartet hatten. Wir haben in Tehran verschiedene Sehenswürdigkeiten besichtigt wie beispielsweise den Borjek Milad, einer der größten Fernsehtürme Asiens, von dem aus man eine beeindruckende Sicht auf Tehran hat. Auch Pol Tabiat, die Tabiat-Brücke, haben wir besucht und das Sa'ad Abad Museum. Dort haben wir den grünen und den weißen Shah-Palast besichtigt, die Paläste von Reza Shah und Mohammad Reza Shah sowie das Kunstmuseum auf dem Gelände. Außerdem waren wir auf dem traditionellen Tajrib-Bazar einkaufen. An unserem ersten Wochenende in Tehran sind wir mit einer Gondel ins Tochal-Gebirge gefahren das sich direkt nördlich von der Hauptstadt befindet. Wir haben dort im "höchst gelegenen Hotel der Welt" übernachtet und haben kleine Wanderungen auf zwei Gipfel gemacht, die sich in fast 4000 Meter Höhe befinden. Wie bei den meisten Unternehmungen waren auch hier der Schulleiter und die stellvertretende Schulleiterin des Shohadaye Karegar Komplexes dabei, die auch vier von uns in ihren Familien beherbergt haben. Ebenfalls mit dem Schulleiter und der stellvertretenden Schulleiterin haben wir einen Ausflug in die Wüste im Südosten von Tehran unternommen. Dort haben wir außerdem zwei Salzminen besichtigt von denen eine noch in Betrieb ist. Schließlich haben wir in Tehran auch das Ministerium für Ausbildung und Erziehung besucht um dort den Austausch vorzustellen und zu vertreten. Wir haben in Tehran zu zweit in Gastfamilien gewohnt. Dort haben wir viel schöne und unvergessliche Zeit verbracht, den Lebensstil und die Werte unserer Gastgeber kennengelernt und gelernt uns zu verstehen. Dafür sind wir unseren Gastgebern sehr dankbar. Weil unsere Beziehung zu unseren Gastfamilien so gut war, ist uns der Abschied sehr schwer gefallen. Nachdem wir zehn Tage in Tehran verbracht haben sind wir, ohne unsere Gastgeber aber mit Herrn Niemann, nach Isfahan gefahren. Dort haben wir das Weltkulturerbe Meidan-e Emam besucht, ein großer Platz, der im 17. Jahrhundert unter Shah Abbas I. errichtet wurde. Wir haben außerdem die Königs- und die Lotfollah-Moschee besichtigt sowie den ebenfalls zu Platz gehörenden Bazar. Auch den Chehel Sotun Palast (40-Säulen-Palast) und Si-o-se Pol (30-Bogen-Brücke) haben wir uns in Isfahan angeschaut sowie ein Musikinstrumentenmuseum in Isfahans armenischem Viertel wo wir traditionelle Musikinstrumente gesehen und uns ein kleines Konzert angehört haben. In Isfahan haben wir in einem Hotel gewohnt. In den zwei Wochen im Iran haben wir viel leckeres Essen gegessen, weil die Iraner die wir besucht bzw. bei denen wir gewohnt haben oft für uns gekocht haben. Häufig haben wir die landestypischen Gerichte Ghormesabsi und Kebab mit Safranreis gegessen. Sowohl in Tehran als auch in Isfahan haben wir auf der Straße nette Menschen (Reisende aus Deutschland oder Iraner, die sich für Deutschland interessieren) getroffen und sind mit ihnen ins Gespräch gekommen. Wir haben durch die Reise gelernt, dass der Iran ganz anders ist als es Vorurteile über ihn behaupten. Es gibt zwar eine sehr strikte und stark religiös geprägte Politik die wir auch zu spüren bekommen haben als wir im Ministerium waren oder beispielsweise durch die Pflicht, ein Kopftuch zu tragen, aber die Iraner machen sich abgesehen von diesen Pflichten ihr Leben den Umständen entsprechend schön und umgehen Regeln soweit es möglich ist. So gibt es auch im religiösen Trauermonat Moharam während dem wir im Iran waren viele Freiheiten im privaten Leben. Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren alle sehr gastfreundlich und offen. Es ist besonders aufgefallen dass sie im Vergleich zu den Deutschen im Durchschnitt gelassener und entspannter sind (insbesondere was Pünktlichkeit und und das Verhalten im Straßenverkehr betrifft). Obwohl die meisten Iraner sich mit dem Koran und dem Islam auskennen sind nicht alle Muslime, obwohl der Islam Staatsreligion in der Islamischen Republik Iran ist. Anfangs haben wir nach Unterschieden zwischen dem Iran und Deutschland bzw. den Bewohnern beider Staaten gesucht, haben dann aber bald gemerkt, dass es viel mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede gibt, weil wir alle Menschen sind die nach Frieden und Freiheit streben. Das verbindet uns.

20 Jahre Weißrusslandaustausch (8.-18. September 2016)

Der Themenschwerpunkt "20 Jahre Weißrusslandaustausch - Miteinander, voneinander lernen und Feste feiern" wurde intensiv durch das vielseitige Programm umgesetzt. Am Samstag (10.09.2016) wurde ein gemeinsamer Ausflug zum Gutshaus Salesje des Komponisten Oginski unternommen. Hier lernte sich die Gruppe durch unterschiedliche Bewegungsspiele u.a. mit einem Schwungtuch kennen. Das Gutshaus war inzwischen so weit restauriert, dass die verschiedenen Lebensräume des Komponisten als Museum zu besichtigen waren. Das Treffen mit den an Diabetes erkrankten Kindern, deren Eltern und der Ärztin Frau Saprudskaja in der Kinderklinik war sehr beeindruckend. Dieses Mal konnten wir neben den Blutzuckerteststreifen durch eine großzügige Spende 72 Blutzuckermessgeräte übergeben, die einen kostengünstigeren Teststreifen benötigen. Miteinander und voneinander lernen fand ebenso in einem Workshop zum Thema belarussische Volkstänze statt. Hier erhielten die Jugendlichen nach einer eindrucksvollen Volkstanzpräsentation die Gelegenheit, die Schrittfolgen selbst auszuprobieren. In Minsk konnten die SchülerInnen Eindrücke einer Hauptstadt gewinnen und als Höhepunkt am Abend das Ballett Vytautas von Vyacheslav Kwznetson im  Staatlichen Theater für Oper und Ballett besuchen. Beim Besuch des Jugendkulturzentrums "Rostok" wurden nicht nur Schwerpunkte der belarussischen Kultur wie Kunsthandwerk und Lieder kennengelernt, sondern gemeinsam in einem Workshop eine Puppe gebastelt, die einen Glücksbringer darstellt. Ein besonderes Ereignis während des Austausches war die Begegnung mit der Zeitzeugin Tamara Bychov. Sie hat das Todeslager Ozarichi in der Nähe von Minsk überlebt und war im Juni 2016 zu Gast im Hainberg-Gymnasium. Da sie in Molodetschno  wohnt, bat sie uns, Kontakt aufzunehmen, wenn wir in Molodetschno sind. Erschütternd berichtete sie von ihren Erlebnissen.