Kinder unserer Erde

Literaturprojekt im UNESCO-Projekt-Kurs 

Es soll in diesem Projekt nicht nur um die reine Wissensvermittlung gehen, sondern eine emotionale Beteiligung der Schülerinnen und Schüler ist mindestens genauso wichtig. Diese lässt sich z.B. gut mit erzählender Literatur und mit handlungs- und produktorientierten Arbeitsformen herstellen. Gerade erzählende Literatur kann eine intensive Identifikation mit einer gleichaltrigen Hauptfigur im Text provozieren und gleichzeitig ein Medium mit vielfältigen Möglichkeiten, etwas über fremde bzw. andere Kulturen zu erfahren. Daher sollen in diesem Projekt verschiedene Erzählungen und Romane im Mittelpunkt des Unterrichts stehen.

Die Bücher sollen folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie müssen zunächst altersgerecht sein, also den Lesefähigkeiten der 13-15 jährigen Schülerinnen und Schülern in diesem Kurs entsprechen.
  • Sie sollen – ohne zu fremd zu wirken und ohne das Thema auf Hunger und Elend zu reduzieren – möglichst aktuelle Informationen über den Alltag, die Lebensbedingungen, kulturelle Eigenheiten, Bildung, Erziehung und Arbeit von Kindern in außereuropäischen Ländern vermitteln.
  • Unmittelbare Vergleiche unterschiedlicher Lebensbedingungen und Kindheiten, auch mit der eigenen in Deutschland, sollten möglich sein.
  • Im Mittelpunkt soll ein Kind/Jugendlicher stehen, um den Schülerinnen und Schülern eine möglichst große Nähe zum Buchgeschehen sowie Identifikationsangebote zu ermöglichen.

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Lateinamerika

H.-MARTIN GROSSE-OETRINGHAUS: Kokaspur. Wuppertal 1995 (Bolivien)      

Erzählt wird die Geschichte der etwa zwölfjährigen Marilin, die mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Bolivien zwischen Santa Cruz  und Cochabamba wohnt. Die Familie lebt vom Mais- und Bananenanbau. Da dies finanziell nicht viel einbringt und die Familie trotz täglicher harter Arbeit in Armut leben muss, bedrängt Marilins Bruder Loernzo den Vater ständig, doch Coca anzubauen und sich für einen Weg aus der Armut zu entscheiden. Da der Vater sich darauf nicht einlassen will, verlässt Lorenzo die Familie und geht nach Cochabamba, um auf eigene Faust Geld zu verdienen. In Cochabamba gerät er in illegale Geschäfte mit Coca bzw. Kokain.

Lorenzo wird allerdings bald bei einer Razzia verhaftet und kommt in ein staatliches Internierungslager. Marilin, durch die Entscheidung ihres Bruders ermutigt, wendet sich ebenfalls bald von ihren Eltern ab und folgt ihrem Bruder in die Stadt. In der Stadt findet Marilin Freunde, Straßenkinder, bei denen sie vorerst leben kann und die ihr bei der Suche nach ihrem Bruder helfen wollen. Später ist bei der Suche noch der deutsche Journalist Senor Aleman und ein Pater behilflich, der sich für benachteiligte in der bolivianischen Gesellschaft einsetzt. Schließlich spüren sie Lorenzo in einem staatlichen Gefängnis auf, in dem die Gefangenen unter militärischer Aufsicht Coca zu Kokain verarbeiten müssen.

URSULA HASLER: Pedro und der Bettler aus Cartagena. D. Taschenbuchverlag 1998 (Kolumbien) 

In dem Buch wird der Alltag von Kindern, die auf der Straße arbeiten und leben müssen, aufgezeigt. Es handelt von Pedro und seiner Schwester Juanita, die sich in der kolumbianischen Stadt Cartagena alleine durchschlagen müssen. Sie werden von einem Bettlerkönig ausgenutzt und misshandelt. Dieser lässt eine Freundin der Kinder ermorden. Die beiden Geschwister fliehen und werden in ein Abenteuer verwickelt.  Das Buch beschreibt das Leben der Kinder auf der Straße, bietet Einblicke in die lateinamerikanische Kultur und die kolumbianische Gesellschaft, beschränkt sich aber nicht darauf, Mitleid zu erregen, sondern bildet viele Facetten des Lebens auf der Straße ab.

KLAUS KORDON: Alicia geht in die Stadt. Reinbek 1996 ( Rio de Janeiro, etc.)

Sieben Geschichten aus sieben Ländern, in denen Kinder und Jugendliche mit Mut und Witz, zwischen Hoffnung und Verzweiflung ihren täglichen Kampf  ums Überleben führen.

URS M. FIECHTNER: Annas Geschichte. dtv München 1996 (Chile)      

Aus politischen Aktionen gegen das herrschende Militärregime hatte sich Anna bisher herausgehalten. Doch als sie zusammen mit dem Medizinstudenten  Rodrigo beginnt, die Elendsquartiere einer lateinamerikanischen Großstadt zu besuchen, um den „Hemdlosen“ zu helfen, bezieht sie ganz klar Stellung. Eines Tages werden Anna und ihre Schwester von der Geheimpolizei abgeholt ....

Afrika

NASRIN SIEGE: Wie der Fluss in meinem Dorf. Weinheim, Basel 1994 (Sambia)

Sombo hat das kleine afrikanische Dorf noch nie verlassen, und der Abschied fällt ihr schwer. Doch sie ist stolz, auf die Oberschule in der großen Stadt zu gehen, wo alles ganz anders ist. Sombo schläft zum erstenmal in einem richtigen Bett und wundert sich, dass aus der Decke Wasser wie Regen kommt. Doch sie lernt bald, dass nicht alles was modern ist und aus der neuen Welt kommt, besser ist. Am liebsten trifft sie sich nach der Schule mit Kavimbi in dem Versteck auf dem Hügel. Von dort hat man den schönsten Blick auf den Sambesi-Fluss, der wie der Fluss in ihrem Dorf aussieht. Sombo denkt oft an zu Hause, doch sie möchte anders leben als die Frauen in ihrem Dorf.

MECKA LIND: Anselmo  Ein Kindersoldat in Mosambik. Würzburg 2000 (Mosambik)    

Andere Kinder lernen lesen und schreiben. Anselmo aus Mosambik lernt zu töten. Als die Guerilla sein Heimatdorf niederbrennt, werden der Zehnjährige und seine achtjährige Schwester Lucinda entführt. Anselmo wird zum Kämpfer ausgebildet und abgerichtet. Er überfällt und plündert Dörfer, greift Stützpunkte der Regierungssoldaten an, tötet, wenn es ihm befohlen wird, um nicht selbst getötet zu werden. Erst Jahre später – als endlich wieder Frieden ist – wagt er es, in sein Dorf zurückzukehren, das er selbst als Soldat einst angegriffen hat.Das ergreifende Schicksal eines der über 300.000 Kindersoldaten, die an den Kriegsschauplätzen dieser Welt kämpfen müssen. 

HENNING MANKELL: Das Geheimnis des Feuers. Hamburg 1997 (Mosambik)

Sofia lebt in Mosambik, das durch einen fast zwanzig Jahre währenden Bürgerkrieg zu einem der ärmsten Länder der Welt geworden ist. Ihr Vater wurde von Banditen getötet, die Mutter und die Kinder finden nach langer Flucht einen neuen Ort, an dem sie leben können. Dann tritt Sofia auf eine Mine. Damit das was Sofia erlebt hat nicht vergessen wird, hat Henning Mankell ihre Geschichte aufgeschrieben, denn Sofia gibt es wirklich.

HENNING MANKELL: Das Rätsel des Feuers. Hamburg 2000 (Mosambik)

Die Fortsetzung der Geschichte von Sofia, dem Mädchen aus Mosambik... Von ihren drei Geschwistern mag Sofia Rosa am liebsten - die siebzehnjährige Rosa, nach der sich alle Jungen im Dorf umschauen. Nachts kuschelt sich Sofia an sie und Rosa erzählt ihr vor dem Einschlafen von der Liebe. Sofia träumt von dem Jungen, der sie auf der Straße angesprochen hat, und den sie nur den "Mondjungen" nennt. Doch eines Tages geschieht das Unfassbare: Rosa erkrankt an Aids...   

LUTZ VAN DIJK: Township Blues. München 2000 (Südafrika)

Thinasonke ist 14 und lebt mit Mutter, Großmutter und Bruder im Township Guguletu. Gewalt ist hier allgegenwärtig, das erfährt auch Thina, als sie eines Abends von zwei Jugendlichen brutal vergewaltigt wird. Die Angst, dass jemand davon erfährt, dass sie schwanger ist und zuletzt, dass sie AIDS haben könnte, bestimmt in den Wochen danach das Leben der Familie. Die "Krankheit der bösen Geister", das Unaussprechliche überschattet Thinas weiteres Leben - und das ihres Freundes Thabang.
Ausgezeichnet mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendliteratur 2001.
Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Das Buch wurde bereits ins Englische, in Afrikaans und in Xhosa übersetzt und wird in Südafrika in Schulen gelesen. Der Autor engagiert sich seit 2001 in Kapstadt in einer Hilfsorganisation für AIDS-Waisen.

Asien/Nahost

GHAZI ABDEL-QADIR: Mustafa mit dem Bauchladen. Reinbek 1998 (Kuwait)           

Das Buch erzählt die Geschichte des elfjährigen Libanesen Mustafa, der allein und ohne Aufenthaltserlaubnis in Kuwait lebt. Seine Familie musste schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Die Mutter und zwei Schwestern Mustafas kamen bei einem Autounfall ums Leben. Der Vater wollte mit Alkohol das schlimme Ereignis vergessen. Er wird eines Tages wegen angeblichen Alkoholhandels verhaftet. Für Mustafa beginnt eine schwere Zeit. Allein und auf sich gestellt, muss er für sich und seinen Lebensunterhalt sorgen. Er will dem Vater helfen, aus dem Gefängnis entlassen zu werden. In dieser Zeit lernt Mustafa viele Freunde kennen, die ihm helfen, die mit ihm arbeiten und ihm zeigen, wie man in einem fremden Land ohne Arbeitserlaubnis überlebt. Freundschaft, Solidarität, Mut und Zuversicht sind es, die die auftretenden Probleme kleiner werden lassen und schließlich zum guten Ende führen. Das Buch ist in einer einfachen, gut verständlichen Sprache geschrieben und lässt sich schnell lesen.

SUZANNE FISHER STAPLES: Shabanu Tochter des Windes. Zürich 1998 (Pakistan)

Shabanu kann sich kein schöneres Leben vorstellen, auch wenn Wind, Sand und Hitze oft unerbittlich sind.

Shabanu liebt das freie Nomadenleben in ihrer Heimat, der Cholistan -Wüste in Pakistan. Plötzlich wirft ein schreckliches Ereignis all ihre Pläne über den Haufen. Gegen die Zukunft, die für sie festgelegt wird, sträubt sie sich mit aller Macht. (Fortsetzung: Haveli, Shabanus neues Leben)

KLAUS KORDON: Wie Spucke im Sand. Weinheim, Basel 1997 ( Indien)         

Hauptperson des Buches ist die dreizehnjährige Munli. Sie wächst in einem kleinen indischen Dorf auf. Da sie kein anders Leben kennt, akzeptiert sie die strengen Regeln im Dorf, die harte Arbeit und das Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Durch den Plan ihres Vaters, sie mit einem Mann im Dorf zu verheiraten, ändert sich ihr Leben schlagartig. Sie fürchtet diesen erheblich älteren Mann. Obwohl sie sich sehr vor ihren Eltern schämt, läuft sie zusammen mit einer ebenfalls unglücklichen Freundin weg. Die beiden Mädchen fliehen in die Berge zu einer Gruppe von Rebellen, die von einer Frau angeführt werden. Die Flucht aus ihrem vertrauten Leben wirft bei Munli viele Fragen auf. Das Leben in den Bergen unter den Gesetzlosen stürzt sie in tiefe Gewissenskonflikte. Sie erkennt die Notlage vieler Menschen in Indien. Gewalt ist für sie jedoch kein Ausweg. Schließlich flieht Munli weiter in die große Stadt Allahabad. Nach einiger Zeit, die sie dort als Bettlerin verbringt, lernt sie in der Stadt Frauen und Mädchen kennen, die ihrem Leben wieder einen Sinn geben. Munli findet Arbeit und lernt lesen und schreiben.

RAFIK SCHAMI: Eine Hand voller Sterne. Weinheim 1987 (Syrien)

Über mehrere Jahre führt ein Bäckerjunge in Damaskus ein Tagebuch. Es gibt viel Schönes, Poetisches und Lustiges zu berichten aus der Stadt, in der Menschen so vieler Nationalitäten miteinander leben: Vom alten Kutscher und Geschichtenerzähler Salim, von seiner Liebe zu Nadja und vom Basar, auf dem die Mutter Meisterin im Handeln ist. Aber es gibt auch Armut, Ungerechtigkeit und politische Verfolgung in der Stadt. Der Bäckerjunge wird zum Journalisten - im Untergrund.

NINA RAUPRICH: Im Schatten des großen Shiva. München 1997 (Indien)

Die 10 jährige Ravi lebt mit ihren Eltern in einem kleinen indischen Dorf. Wie alle Bewohner arbeiten sie auf den Felder des lokalen Großgrundbesitzers. Als der jährliche Monsunregen ausbleibt und sich eine neue Dürrekatastrophe abzeichnet, verlässt die Familie das Dorf, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Delhi, der reichen Glitzerstadt. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Großstadt ist kein Paradies. Ravi lernt den Überlebenskampf der Straßenkinder kennen, sie muss sich das fremde Pflaster Stück für Stück erobern, ständig auf der Jagd sein, nach einer Handvoll Reis, ein bisschen Arbeit, denn um durchzukommen zählt jede Rupie.

KLAUS KORDON: Der Weg nach Bandung. Weinheim, Basel 2000 (Indonesien)             

Tadaki lebt in Jakarta. Solange er denken kann, hat er hinter einem Bambusstamm unter freiem Himmel geschlafen. Mit Betteln, als Küchenjunge und Rikschafahrer versucht er seine Familie zu unterstützen. Er will raus aus dem Elend, doch der Weg nach Bandung in ein besseres Leben ist lang und beschwerlich.

DEBORAH ELLIS: Die Sonne im Gesicht. München 2003 (Afghanistan)                           

Kabul unter der Herrschaft der Taliban. Die elfjährige Parvana, Tochter eines Englischlehrers und einer Journalistin, ist das Einzige von vier Kindern, das noch auf die Straße darf. Ali, der Sohn, und Maryam, die jüngste Tochter, sind zu klein, Noorea, die 17-jährige Schwester, ist zu alt, um auf die Straße zu gehen. Täglich begleitet sie ihren Vater, der als Vorleser arbeitet, auf den Marktplatz. Der Rest der Familie hat seit der Machtübernahme der Taliban die Einzimmerwohnung nicht mehr verlassen. Als der Vater von den Taliban verhaftet wird, muss Parvana alleine dafür sorgen, dass die Familie zu essen hat. Ihre Mutter schneidet der Tochter die Haare und zieht ihr Hosen an. Parvana ist nun Hossain und liest am Marktplatz Briefe vor oder gräbt gegen Geld Knochen am Friedhof aus. Auf dem Markt trifft Parvana eine ehemalige Schulkollegin, die ebenfalls von ihren Eltern als Junge verkleidet wurde, um als Teeverkäufer arbeiten zu können. Unterstützt wird Parvanas Familie auch von der ehemaligen Sportlehrerin Mrs. Weera, mit der Parvanas Mutter früher in einer Frauenorganisation tätig war. Gemeinsam mit Mrs. Weera gründet die Mutter heimlich eine Schule für Mädchen und gibt eine Zeitung heraus.

DEBORAH ELLIS: Allein nach Mazar-e Sharif. München 2003  (Afghanistan)                       

Dies ist die Fortsetzung des sehr erfolgreichen Buches Die Sonne im Gesicht: Die US-Armee bombardiert Afghanistan. Parvana ist auf dem Weg von Kabul nach Mazar-e Sharif, wo sie den Rest ihrer Familie zu finden hofft. Der Vater ist an Erschöpfung gestorben.
Immer wieder trifft Parvana auf Spuren des Krieges und der Verwüstung. In einem verlassenen Dorf findet sie das Baby einer ermordeten Frau und nimmt es mit. Ein einsamer Junge, dem eine Landmine ein Bein weggerissen hat, schließt sich ihr an. Etwas später findet Parvana das Mädchen Leila, das mit seiner verwirrten Großmutter am Rande eines Minenfeldes lebt und sich dort von dem ernährt, was Tote hinterlassen haben. Die Kinder bilden eine Solidargemeinschaft, die Lehmhütte bietet ihnen Schutz. Sie führen ein fast normales Leben, bis eine Bombe einschlägt und alles zerstört. Die Kinder müssen weiter durch das Land ziehen, die meiste Zeit sind Hunger und Durst fast unerträglich. Tag und Nacht kommen die Flugzeuge und werfen Bomben ab. Nach einem langen, verzweifelten Weg erreichen sie ein Flüchtlingslager. Auch dort ist Nahrung knapp und das Leben schwierig. In einem Minenfeld liegen Lebensmittelpakete, die amerikanische Flugzeuge abgeworfen haben. Als Leila eines holen will, explodiert eine Mine. Sie wird schwer verletzt. Parvana will ihr helfen, durchbricht die Absperrung und trägt sie durch das Minenfeld zurück ins Lager. Leilas Verletzungen aber sind so schwer, dass sie in den Armen ihrer Freundin stirbt. Eine verschleierte Frau kommt und spricht tröstende zu Parvana - sie erkennt die Stimme ihrer Mutter.