Sichtwechsel: Straßenkind für einen Tag

Zum 20. November, dem Tag der Kinderrechte, findet der Aktionstag »Straßenkind für einen Tag« statt. Die Aktion bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich für Straßenkinder in aller Welt zu engagieren. Deutschlandweit schlüpfen Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Straßenkindern. Sie putzen Schuhe, verkaufen selbst gebastelte Dinge oder machen Straßenmusik. Mitmachen kann jeder!

In Göttingen werden 21 Schülerinnen und Schüler des Hainberg-Gymnasiums (Wahlpflichtkurs UNESCO, Jahrgang 8) am 20. November 2009 Schuhe putzen, Papiertaschen verkaufen und einen Info-Stand am Alten Rathaus errichten. Ziel der Aktion ist es, auf die Situation der Straßenkinder aufmerksam zu machen und Spenden für Straßenkinderprojekte zu sammeln.

Die UN-Kinderrechtskonvention feiert dieses Jahr ihren 20.Geburtstag. Am 20. November 1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention. Seither ist die Konvention über die Rechte des Kindes das meist unterzeichnete Dokument der Welt.

Kolumbien, dem Schwerpunkt der diesjährigen Straßenkind-Aktion steckt seit längerer Zeit in einer tiefen innenpolitischen Krise. Der wirtschaftlichen Stagnation steht die Terrorisierung der Zivilbevölkerung durch Paramilitärs, Guerilla und nationalen Streitkräften gegenüber. Alle Konfliktparteien bekämpfen sich heftig.

Kinder leiden unter der Situation. Sind direkt von ihr betroffen: als Kindersoldaten, als intern Vertriebene, als Kinderarbeiter und als Straßenkinder, die durch den Bürgerkrieg von ihren Eltern getrennt wurden oder geflüchtet sind. Straßenkinder werden in Kolumbien auch als »gaminas« bezeichnet. es bedeutet »Bengel« und ist ein negativ besetzter Begriff, den Kinder bekommen, wenn sie nicht brav sind. Die Übergänge zwischen Straßenkindern und arbeitenden Kindern sind fließend.

Daher steht mit dem Projekt »Creciendo Unidos« ein Projektpartner im Vordergrund der sich größtenteils um arbeitende Kinder kümmert. Arbeitende Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit auf der Straße um Geld für ihr Überleben zu verdienen. Viel der Kinder haben wenig oder keinen Kontakt zu ihrer Familie. Andere wiederum arbeiten tagsüber auf der Straße, gehen aber zum Übernachten zu ihrer Familie. [mehr]

Am 25. September 2009 war Reinel Garcia, Gründer des Projekts »Creciendo Unidos« zu Gast am Hainberg-Gymnasium. Sehr eindrucksvoll hat er von der Arbeit und der Vision der Stiftung berichtet. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner  Arbeit.

Vorbereitung der Aktion "Straßenkind für einen Tag" am 6. November 2009

Am 20. November gehen nicht nur in Deutschland Kinder auf die Straße.

Auch in Bogotà in Kolumbien engagieren sich Jugendliche am gleichen Tag für ihre Rechte: Geplant ist eine Demonstration mit 3.000 Kinder und Jugendlichen. Handeln wir gemeinsam mit Ihnen! Feiern wir das Bestehen der UN-Kinderrechtskonvention und setzen uns gleichzeitig weiter für die Verwirklichung der Kinderrechte ein.

Erfahrungsberichte

Als erstes haben wir in der Stadt den Infostand aufgebaut und alles vorbereitet. Wir sind in der Innenstadt umhergegangen, mit Sammelbüchsen und Informationsmaterial über Creciendos Unidos und Terrre des hommes und haben die Leute über Creciendos Unidos unformiert. Wir haben ihnen auch Informationsmaterial gegeben, und wenn sie wollten konnten sie auch etwas spenden. Es hat uns Spaß gemacht herumzugehen und die Leute zu informieren, besonders wenn die Leute nett waren. Allerdings waren manche Leute sehr unfreundlich oder hatten keine Zeit. Das hat uns dann nicht so gut gefallen. Insgesamt waren die Leute aber freundlich und hilfsbereit und es hat Spaß gemacht mit den Leuten zu reden. (Tom & Nicholas) 

Am Freitag, 20.11.2009 waren wir mit dem WPU Kurs in der Innenstadt und haben Spenden für Creciendos Unidos gesammelt. Ich bin hauptsächlich durch die Innenstadt gelaufen und habe die Leute angesprochen, aber ich habe auch eine Zeitlang am Infostand gestanden.Es war erstaunlich zu sehen mit welcher Dreistigkeit vor allem ältere Menschen einen einfach ignorieren. Meiner Meinung nach gibt es sechs Gruppen von Spendern oder Nicht-Spendern: Die erste Gruppe ist die, die sich anhört was wir zu sagen haben, vielleicht einmal ein paar Fragen stellen und auch einen höheren Betrag spenden. Die zweite Gruppe lässt einen gar nicht ausreden und gibt einem einfach eine Münze, sagt tschüss und geht weiter. Die dritte Gruppe ist freundlich aber bringt trotzdem nur Ausreden wie „nein ich habe es eilig, tut mir Leid.“ Die vierte Gruppe ist unfreundlich und bringt schlechte Ausreden wie „nein, ich habe keine Zeit, ich muss auf den Bus warten.“ Die fünfte Gruppe sieht einen ganz interessiert an und kommt auf einen zu, wenn man sie anspricht. Wenn sie aber an dir heruntersehen und die Spendedose sehen, dann gehen sie schnell weiter. Die sechste Gruppe ignoriert einen eifach, wenn man sie ansieht und geht ohne ein Wort vorbei. (Johann) 

Am Freitag, den 20.11.2009 fand der Projekttag „Straßenkind für einen Tag“ statt. Wir mit dem UNESCO-Kurs sind mit vielen Materialien in die Innenstadt gegangen. Ich war ein Schuhputzer und saß auf einem kleinen Hocker und habe gefragt, ob sich jemand die Schuhe putzen lässt. Viele sagten sie hätten keine Zeit, andere guckten uns nicht einmal an und ignorierten uns einfach, nur wenige lieben stehen, spendeten aber ohne sich die Schuhe putzen zu lassen. Nach einiger Zeit wurden ich und Leon von anderen Schuhputzern abgelöst. Dann sind wir durch die Stadt gegangen und machten wieder ähnlich Erlebnisse. Wenige Leute hörten uns zu, manche spendeten schnell und gingen dann weiter. Nach einiger Zeit gingen wir zu den Schuhputzern. Wir schafften es eine Person zu überreden, sich die Schuhe putzen zu lassen. Manche andere haben uns einen Vortrag darüber gemacht, dass man für die Leute in Deutschland spenden sollte. (Pit) 

Wir sind am 20.11.2009 in die Stadt gegangen und haben einen Stand aufgebaut und „Sachen“ präsentiert, die die Leute anregen sollten, über ihr Handeln nachzudenken und für eine Aktion, die Straßenkindern in Kolumbien helfen will, zu spenden. Die Leute haben uns gut zugehört. Es hat viel Spaß gemacht, die Stadt nach freundlichen Menschen zu durchsuchen. (Omid & Tom) 

Am Freitag, den 20.11.2009 sind wir vormittags in die Innenstadt gegangen und haben für Creciendos Unidos Geld gesammelt. Am Anfang haben wir den Stand aufgebaut und ich habe mich auf das Schuhputzen vorbereitet. In der ersten halben Stunde saßen wir ohne Erfolg vor unserem Schuhputzkasten, Wir haben viele Leute angesprochen, aber nur eine Frau wollte ich von uns die Schuhe putzen lassen. Die anderen haben sich einfach weggedreht oder hatten keine Zeit für uns. Viele hatten auch sehr komische Ausreden, wie z.B. „Ich muss auf den Bus warten“ oder „Den Kindern in Deutschland muss man zuerst helfen.“ Die meisten haben auch ohne sich die Schuhe putzen zu lassen etwas gespendet. Danach sind wir noch durch die ganze Stadt gegangen und haben Passanten angesprochen und sie über Terre des Hommes und Creciendos Unidos informiert. Viele von ihnen haben auch was gespendet. Ich fand diesen Tag eine gute Idee, weil die Kinder in Kolumbien das Geld wirklich brauchen und ich auch ein bisschen gemerkt habe, wie es ist, als ein Straßenkind auf der Straße zu arbeiten und zu leben. Ich fand es nicht gut, dass viele Menschen zu geizig sind und sich einfach wegdrehen und nichts spenden. (Leon) 

Wir waren Spendensammler. Uns hat es am Anfang beunruhigt, fremde Leute anzusprechen, aber nach kurzer Zeit ging das wie alleine. Wir fanden es amüsant, dass manche Leute gespendet haben, ohne sich vorher von uns haben informieren zu lassen. Dann gab es auch noch Wichtigtuer, die hatten doofe Ausreden, z.B. „Ich muss auf den Bus warten“ oder „Ich muss zur Bank.“ –Wir in Gedanken – Als wenn die Bank weglaufen würde! Dann gab es auch wirklich nette Leute: Eine Studentin, die selbst nicht viel Geld hat, gab uns ihr letztes Kleingeld, genauso wie der Verkäufer vom Tagessatz, der vielleicht sogar noch weniger Geld hat. Alles in einem war ein ziemlich gute Erfahrung und wir haben Pi mal Daumen 600 € eingenommen. (Svenja & Annika) 

Ich habe am Infostand gestanden und die Leute darüber informiert, was wir machen. Was mir sehr gefiel war, dass ich gelernt habe, mit den Leuten umzugehen, die ich nicht kenne oder Leute anzusprechen, was mir zuerst sehr schwer gefallen ist. Danach war es so, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Ich war aber nicht nur am Infostand. Ich bin auch mit Freunden mit der Spendenbox rumgegangen, um auch noch einmal Geld zu sammeln. Was mich sehr enttäuscht hat, war, dass sie viele Menschen so unfreundlich waren und uns total demotivierten. Doch abgesehen von solchen Menschen, waren auch viele sehr nett und spendeten ohne wissen zu wollen, warum sie spenden. Manche Leute sind sofort „abgehauen“ wenn sie uns mit der Spendenbox gesehen haben oder sie ignorierten uns. Doch trotz solcher Kleinigkeiten, hatte ich sehr viel Spaß und lernte viel Neues. (Zakia) 

Wir fanden den sehr schön. Es war sehr gut, dass so viele gespendet haben. Aber viele Leute wollten eher etwas spenden, als etwa kaufen. Viele Leute haben uns eine Predigt gehalten, wie ihr Hartz 4 Leben sei und warum man nicht Straßenkinder vor Ort spenden würde. Manche sind einfach vorbeigegangen und haben uns ignoriert. Die meisten Leute waren aber sehr großzügig und haben gespendet, obwohl sie selbst nicht so viel Geld haben. Einige haben gesagt, dass sie schon bei anderen aus der Gruppe gespendet haben, wir hätten uns besser verteilen sollen. Die Aktion hat sich gelohnt. (Conny, Stella & Sophie) 

Am 20.11.2009 sind wir mit unserem WPU - Kurs in die Stadt gegangen, um Spenden für das Projekt „Straßenkind für einen Tag“ zu sammeln. Zwischen 9.00 und 10.00 Uhr war die Stadt noch ganz leer, nur Lieferwagen fuhren durch. Also bauten wir unseren Schuhputzstand auf und warteten auf Kunden. Als jedoch Kunden kamen sind wir auf die Leute zugegangen und haben sie auf unser Projekt und den Schuhputzstand hingewiesen. Da das Schuhputzen nicht so der „Renner“ war, beschlossen wir, die Leute direkt auf Spenden anzusprechen und sie über das Projekt aufzuklären. Dies verlief im Großen und Ganzen sehr gut, allerdings gab es auch Leute, die einfach an uns vorbei gegangen sind und uns nicht beachtet haben. Wiederum gab es auch Leute, die uns gespannt zuhörten uns über die Armut in Deutschland und der Welt aufklärten. Je mehr Leute wir ansprachen, desto sicherer fühlten wir uns. Wir fanden den Tag sehr schön und freuen uns den Straßenkindern in Kolumbien helfen zu können! (Leonie & Nele) 

Wir gehörten zu den Schuhputzern. Nach dem Aufbau des Informationsstandes ging es dann los, wir machten uns auf die Jagd nach Schuhputzkunden. Leider war am Anfang nicht so viel los, da viele Geschäfte noch nicht geöffnet waren. Wir dachten nicht, dass so viele Leute Lederschuhe tragen würden. Viele wollten nicht, dass wir ihnen die Schuhe putzen, trotzdem gaben sie uns eine kleine Spende. Die meisten behaupteten, dass sie ihre Schuhe schon geputzt haben und sie sich nicht von Frauen die Schuhe putzen lassen wollten. Es gab verschiedenen Typen, manche ignorierten uns wenn wir sie ansprachen uns gingen an uns vorbei/einfach weiter. Andere spendeten und dann gab es auch welche, die anfingen mit uns zu diskutieren… Uns hat das Projekt sehr gut gefallen, da man sich in die Lage eines Straßenkindes versetzt hat und man hat gesehen wie viele Leute es einfach nicht interessiert hat. Wir hoffen, dass das Geld den Kindern in Kolumbien weiterhelfen wird. (Franziska & Sarah) 

Wir waren Bauchladenverkäufer und haben Sachen aus aller Welt verkauft. Der Bauchladen wurde mit der Zeit immer schwerer und deshalb legten wir ihn nach einer Stunde ab und gingen mit der Spendendose weiter. Die meisten Leute waren sehr Spenden freundlich, aber es gab auch total unfreundliche Menschen. Manche Leute haben sich auch einfach irgendwelche Ausreden überlegt, wie z.B. „Ich habe mein letztes Geld für dieses Crossaint ausgegeben.“ Und das auch noch mit vollem Mund. (Morten & Sascha) 

Ich war in der Gruppe am Infostand. Als wir aufgebaut haben, war es in der Stadt noch ziemlich leer. Aber mit der Zeit wurde die Stadt voller und es kamen mehr Menschen vorbei. Allerdings ignorierten uns auch viele, auch wenn man sie ansprach. Manche waren allerdings auch interessiert, sind zu uns gekommen, haben uns Fragen gestellt und etwas gespendet. Anfangs war es auch ziemlich kalt, es wurde dann immer wärmer. Der Tag hat mir das Leben eines Straßenkindes nähergebracht und ich weiß jetzt, dass es wirklich hilft, wenn man spendet, denn Straßenkinder müssen auch im Dezember auf der Straße bleiben. Durch die Vorbereitung auf diesen Tag hat man auch viel Gelernt. Insgesamt fand ich es sehr gut, weil man wichtige Erfahrungen gemacht hat. (Hannah)

Junge Schuhputzer in Sucre/Bolivien [mehr]

Der Erlös in Höhe von 600,00 € fließt in die terre des hommes- Projektarbeit.