Aktion

"Zivilcourage: Schau hin, mach mit - Orte, an denen man sich hätte einmischen sollen oder aktuell einmischen muss"

Worum geht’s?

Für den kommenden Internationalen Projekttag 2016 haben sich alle UNESCO-Schulen unseres Netzwerks in Niedersachsen und Bremen zusammengetan und sich folgendes Projekt ausgedacht:

Alle Netzwerkschulen besuchen sich mit einer kleinen UNESCO-Gruppe gegenseitig in Form einer Sternfahrt, beginnend in Göttingen beim Hainberg-Gymnasium, der ältesten UPS von uns, die das Internat Holzminden einlädt. Dort bekommt Holzminden die legendäre bronzene UNESCO-Friedenstaube überreicht, die als Symbol weiter wandert, wenn Holzminden dann Hildesheim einlädt usw. So wandert die Taube von Schule zu Schule, bis alle Netzwerkschulen erreicht wurden und die Taube am Ende wieder in Göttingen landet. Diese Taube findet sich zusammen mit einem Warndreieck als Symbol für das UNESCO-Projekttag-Thema „Schau hin! - Misch Dich ein!“ auf allen von dieser Sternfahrt erstellten Gruppenfotos.

Jede Schule des Netzwerkes Südniedersachsen sucht 3 Orte oder Projekte aus, Orte, bei denen man entweder in der Vergangenheit zum Wohle der Menschheit eingemischt hat, gegenwärtig einmischt oder in Zukunft einmischen sollte. Diese Orte werden fotografisch festgehalten und das Projekt dazu beschrieben.

Wozu?

Nach den Projekttagen 2016 wird es in Goslar eine Ausstellung geben, bei der die Fotos und Berichte als Buch gebunden ausgestellt werden sollen.

Mittagessen im Hainberg-Gymnasium
Vor dem Weender Krankenhaus

1. Ort: Hospiz an der Lutter: Besuch und Gespräch mit der Hospizleitung Frau Roth

2. Ort: Flüchlingsunterkunft „Bonveno“ auf den Zietenterrassen

3. Ort: Haus am Deutschen Theater - Wohnort des Widerstandskämpfers Adam von Trott zu Solz

 

Am Freitag, den 16.10.2015 fuhren wir (Augustin, Aurelie, Eva, Inken, Norica, Chiara, Nelli, Camilla) mit Fr. v. Nerée (UNESCO-Koordinatorin) nach Göttingen zu einer anderen UNESCO-Projekt-Schule, dem Hainberg-Gymnasium. Dort erwartete uns der WPU UNESCO der 8. Klasse mit drei Projekten zum kommenden Thema des UNESCO-Projekttages 2016: „Schau hin! – Misch Dich ein!“. Die einladende Schule wählte drei Orte aus, an denen man sich in früheren Zeiten zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft eingemischt hat oder sich gegenwärtig einmischt.

Zuerst fuhren wir zum Weender Krankenhaus, um die Hospiz-Station, die dort schon lange aus Initiative von Diakonissen und privaten Spendern heraus begründet wurde, anzusehen. Dann ging es weiter an das andere Ende der Stadt, zu den Zietenterassen. Diese waren ebenso wie Teile des Weender Krankenhauses früher Kasernen. Die Zietenterassen sind jetzt Wohngebiet und auch Heimatstadt für ein neu gebautes Flüchtlingsheim, um dessen Bau und Ansiedlung dort über Monate eine Diskussion, im Göttinger Tageblatt veröffentlicht, ausgetragen wurde mit z.T. unschönen Kritiken, ausgelöst nicht nur von den Göttingern selbst, sondern u.a. von einem rechtskonservativen Professor von der TU Clausthal-Zellerfeld, dem aber heftig widersprochen wurde. Überwiegend begrüßen die Zietenanwohner die neuen Nachbarn mit einer engagierten Willkommenskultur.

Das zum Sommer 2015 erstellte moderne Flüchtlingsheim bietet 30 Wohnungen für jeweils 6 Personen, für die Doppelzimmer vorgesehen sind, und es hat eine große Wohnküche. Kochen ist eine der wesentlichen Beschäftigungen für die Flüchtlinge, die Monate lang auf ihre Antragsbearbeitung warten müssen. Viele Ehrenamtliche, die uns auch durch die Anlage führten und Sozialarbeiter kümmern sich um den Sprachunterricht, die Versorgung, Stadtfahrten etc. für die Flüchtlinge. Zu 80 % sind es Männer, die hoffen in Deutschland anerkannt zu werden und einen Job zu finden, um ihre Familie/Frau nachzuholen, viele sind auch noch gar nicht verheiratet. Ein sehr gut Englisch sprechender Flüchtling aus dem Irak erzählte uns von der Flucht und seinem jetzigen Leben in Deutschland. Sie sind sehr dankbar, so gut von der Bevölkerung in Göttingen aufgenommen worden zu sein.

Als dritten Ort besahen wir uns die Gedenktafeln für zwei der Widerständler des 20. Juli 1944, die von Fritz-Dietlof v. d. Schulenburg und Adam v. Trott zu Solz. Beide sind Symbole für „Zivilcourage“, die sie im Widerstand gegen Hitler mit dem Tod bezahlen mussten. Sie waren Angehörige des Kreisauer Kreises. In Kreisau im heutigen Polen gibt es eine internationale Jugendbegegnungsstätte, aber auch im Heimatort von Adam Trott zu Solz, in Imshausen bei Fulda, gibt es eine Akademie, die in Erinnerung an die Widerständler politische Bildungsarbeit betreibt und Seminare und Vorträge anbietet. Darauf wies uns Anne Weiß, die UNESCO-Koordinatorin des Hainberg-Gymnasiums Göttingen hin, die zusammen mit ihrer Klasse diese Exkursion toll vorbereitet hat, sogar mit einem Mittagssnack im Klassenraum, von den Eltern liebevoll zubereitet – vielen, vielen Dank! Wir bekamen die bronzene Friedens-Taube des Hainberg-Gymnasiums mit auf den Weg, die wir dann bei der Vorstellung unserer Projektorte am 12. November an unsere Gäste, die Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim, weitergeben.

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Holzminden am 12.11.2015

Jüdischer Friedhof
Tafel e.V.
Welterbe: Kloster Corvey

Welche Orte des Sicheinmischens wählten die Holzmindener für ihren kleinen Projekttag am 12.11.2015 aus? Erstens „Die Tafel“ in Holzminden, zweitens die vom Internat Solling neu übernommene Patenschaft für die Jüdischen Friedhöfe in Holzminden und drittens Corvey als Kloster, Herrschaft und Weltkulturerbe. Als Gäste kam eine Abordnung der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim, die 2007 Träger des Deutschen Schulpreises waren und seit 30 J. UNESCO-Schule (damit eine der ersten in Niedersachsen) sind. Die beiden UNESCO-Koordinatorinnen Lena Schulz und Lydia Höllings reisten mit 8 Schülern/innen an.

Die Holzmindener Tafel, die in diesem Sommer unrühmlich in die Schlagzeilen kam und seit nicht ganz 10 Jahren besteht, ist ein herausragendes Beispiel für Einmischung von Bürgern zum Wohle der Gesellschaft. Als 1993 die erste Tafel in Berlin entstand, ahnte man nicht, dass sich diese Idee wie ein Lauffeuer in Deutschland verbreiten würde. Gegenwärtig bestehen um die 1.000 Tafeln mit über 60.000 Mitarbeitern, darunter viele Ehrenamtliche. Die Tafeln sind  Deutschlands größte sozialpolitische Bürgerbewegung der jüngsten Vergangenheit.  Frau Rosenau, die Leiterin des Tagesdienstes der Holzmindener Tafel, empfing die Schüler, die mehrere REWE-Tüten  der Aktion eine Spende für „Die Tafel’“ erstanden und als Spende zusammen mit den von Fr. Altergott, der Besitzerin des REWE-Marktes, übergaben. Es entstand der Wunsch bei den Schülern vom Internat Solling mitzuhelfen. Das wird schon bald verwirklicht werden können, wenn der Umzug der Holzmindener Tafel ansteht. Uns wurde einmal mehr wieder deutlich, wie viel persönlichen Einsatz es bedarf, armen Menschen zu helfen und wie sinnvoll es ist, bei jedem Kauf und Wegwerfen von Dingen die nachhaltige Nutzung  zu bedenken. Eigentlich sollte jeder Bürger einmal bei der Tafel geholfen haben und mit ihr immer wieder die Verbindung suchen.

Als zweiten wichtigen Ort der Einmischung stellten wir den Hildesheimern das Projekt Patenschaft für die Jüdischen Friedhöfe in Holzminden vor, die am selbigen Tag in einem Festakt mit Unterschrift von Herrn Rietmüller, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, besiegelt wurde. Diese neu entstandene Patenschaft hat eine lange Vorgeschichte. Pastor Schmidt aus Holzminden und der Heimatforscher Kieckbusch hatten sich intensiv mit der jüdischen Geschichte in Holzminden beschäftigt, dafür interessierte sich auch der Schmiedemeister Peter Brödlau, der mit Schülern begann ein Tor für den Jüdischen Friedhof an der Ortsgrenze von Lüchtringen zu schmieden. Inzwischen arbeitet Peter Brödlau mit neuen Schülern schon an dem dritten kunstvoll in der eigenen Schmiede im Internat erstellten Tor für einen Jüdischen Friedhof im Kreis. Ergänzt wurde dieses Engagement durch die von Joachim Schütte, stellvertretender Direktor und Lehrer für Geschichte und Deutsch am LSH, ins Leben gerufene Geschichts-AG, die sich schwerpunktmäßig mit jüdischer Geschichte befasst. Ohne Einmischung wären diese Gedenkstätten nicht wieder erstanden. Die Robert-Bosch-Gesamtschule, unsere Gäste, konnten bei dem Thema sehr gut mitreden, betreuen sie als UNESCO-Schule mit ihrer Beth-Shalom-AG doch schon seit Jahren den Jüdischen Friedhof in Hildesheim. So freute sich Herr Rietmüller nicht nur den Patenschaftsvertrag mit dem Internat Solling zu schliessen, sondern auch die Hildesheimer Delegation kennenzulernen.

Da das Kloster Coryey und die Civitas Corvey 2014 in die Weltwerbeliste aufgenommen wurden, lag es nahe diesen Ort zu erwählen und dort nach „Einmischung“ zu fragen. S.D. Herzog v. Ratibor und Fürst v. Corvey erläuterte uns in einem lehrreichen, spannendem und schülergerechtem Vortrag, von welchen Faktoren die Entscheidung abhing,  Corvey zum Weltkulturerbe zu machen, dass man sich, ja, sehr aufwendig darum bemühen musste und sogar bis nach Katar reiste, um dem Entscheidungsprozess beizuwohnen, gleichwohl musste man darauf achten, dass der Staat keine Eigentumsrechte verletzte. Eindrucksvoll schilderte Seine Durchlaucht, dass das im Vergleich zu italienischen oder französischen Westwerken aus der Karolingerzeit einzigartig vollständig erhaltene Corveyer Ensemble nur deshalb in die Förderung des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, da die Kirche seit der Schenkung seiner Vorfahren im 19. Jhd.  Besitzer, nicht von Schloss Corvey samt Ländereien, aber der St.Vitus-Kirche ist. Drei Schüler des Seminarfaches „Staat und Herrschaft“ von Fr. Ruppert, die Geschichte, Religion und Latein am Internat Solling unterrichtet, wiesen ergänzend auf die besondere Rolle Corveys im frühen Mittelalter hin, wie sich das Kloster mit seinen Mönchen und Ludwig dem Deutschen in die Christianisierung und Besiedlung Nord- und Ostdeutschlands einmischten, die schließlich von Corvey aus ihren Anfang nahm. Thore sprach zum Schluss dieses Exkursionstages das Corveyer Schriftgut an, das derzeit von der Uni Paderborn begonnen wird zu digitalisieren, um es einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Einzigartige Schriften gehören zum immateriellen Weltkulturerbe. Im Zuge der Zerstörung von Welterbestätten, wie wir sie im andauernden Syrien-Krieg jüngst erlebten, aber auch in Afghanistan, kommt der Digitalisierung selbst von materiellem Weltkulturerbe große Bedeutung zu,  um sie als Kulturgut für die Welt wenn schon zerstört, zumindest digital zu erhalten.     

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Hildesheim am 03.12.2015

Jüdischer Friedhof
Lekrimuni-Projekt in Tansania
Welterbe: Michaeliskirche

Nachdem wir im November einen ereignisreichen Tag in Holzminden beim Internat Solling verbracht haben und uns drei besondere UNESCO-Projekte präsentiert wurden, besuchte uns am 3. Dezember die UNESCO-AG der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule aus Wolfsburg mit ihren zwei Lehrern.

Da wir nur drei unserer UNESCO-Projekte vorstellen konnten, mussten wir eine Auswahl treffen. Wir entschieden uns für langjährige Projekte, welche die Vielfalt unserer UNESCO-Arbeit durch alle Jahrgänge widerspiegelt.

Die Wolfsburger wurden am Vormittag von Frau Andreas und Schülern der UNESCO-AG empfangen und durch die Schule geführt. Anschließend gingen sie gemeinsam mit Frau Schulz, Herrn Reisener und der Beth-Shalom-AG zum jüdischen Friedhof. Dort wurden sie vom Schulleiter begrüßt und erfuhren interessante Details über die langjährige Arbeit der AG und die Relevanz des jüdischen Friedhofs für Hildesheim.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa stellten Oberstufenschüler, die in diesem oder in den vergangenen Jahren in Tansania waren, das Projekt unserer Krankenstation und der Arbeit vor Ort vor und erläuterten die Aktivitäten der von Lydia Höllings geleiteten UNESCO-AG.

Der letzte Programmpunkt war ein Ausflug zur Michaeliskirche. Dort stellten fünf Schülerinnen der 6.5 ihre UNESCO-Arbeit des letzten Schuljahres vor, welche im Rahmen des Projektes „Denkmal Aktiv“ entstanden war.

Neben den Präsentationen an unseren drei Orten (Jüdischer Friedhof, Lekrimuni-Projekt Krankenstation, Weltkulturerbe Hildesheim) übergaben wir am Ende des Tages die bronzene Friedenstaube, welche wir zuvor in Holzminden bekommen hatten. 

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Wolfsburg am 25.01.2016

Tafel e.V.
Carpe Diem "Treff für Obdachlose"
Gedenkstätte "Sara-Frenkel-Platz"

Unsere Aktion fand in der Weihnachtszeit statt. Einer Zeit in der in der man auch an die Menschen denken sollte, die es nicht immer so einfach haben und die sich vielleicht kein weihnachtliches Festessen leisten können. Deshalb entschieden wir uns, den Besuchern der Tafel etwas Gutes zu tun. Unser Projekt: Plätzchen backen und verteilen. Die Plätzchen kamen von Eltern und Schülern, die zahlreich gebacken hatten. Die Aufgabe unserer AG war es nun, diese nett zu verpacken und zu verteilen. Die Besucher der Tafel haben sich über diese kleine Abwechslung gefreut.

In dem Tagestreff „Carpe diem“ können sich die Besucher, die kein Zuhause haben, tagsüber aufhalten und duschen, ihre Wäsche waschen oder für wenig Geld ein warmes Mittagessen einnehmen. Zusätzlich gibt es auch Freizeitangebote die von Besuchern oder auch den Sozialarbeitern des Tagestreff organisiert werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch oder Beratung angeboten. Wir wollten den Tagestreff deshalb innerhalb des Projektes „Schau hin, misch dich ein“ unterstützen und starteten einen Flohmarkt. Auf diesem Flohmarkt verkauften wir von Lehrern und Eltern der Schüler gespendete Spiele, Bücher, CDs, DVDs, Kleidung usw. In der Schule wurde gehandelt, verkauft und gespendet. Einige Tage später überreichten wir insgesamt 300€ während eines netten Gesprächs und beschlossen, dass wir in Zukunft weiter gemeinsame Projekte starten wollen.

Sara Frenkel, geborene Bass, ist 1922 als jüdische Polin geboren. Unter falschen Namen gelang ihr die Flucht vor der deutschen Wehrmacht. Als Krankenschwester arbeitete sie in einer Pflegestätte für Neugeborene von Zwangsarbeitern, neben bei setzte sie sich für Kinder in Kinderheimen ein. Nach Kriegsende setze sich Sara Frenkel für eine Würdevolle Gestaltung der Kindergrabstätten auf dem Rühener Friedhof ein. Unsere UNESCO AG setzt sich mit Frau Frenkel auseinander, da sie, wie auch unsere Schule sich gegen das Vergessen einsetzt. Einsetzen tut sich unsere Schule, in dem sie jährlich Studienreisen nach Auschwitz tätigt.

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Braunschweig am 18.03.2016

Städtisches Klinikum
Friedhof Hochstraße
Grund-u. Hauptschule Sophienstraße

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Goslar am 12.05.2016

Kerzenandacht am 26.04.2016
Erinnerung von André Mouton
Integration von Flüchtlingsfamilien

Adolf-Grimme-Gesamtschule: Die Welt nach Tschernobyl und Fukushima

Die Schüler Hauke Richards und Max Breust stellten ein Projekt vor, das die Schule selbst zu einem Ort der Erinnerung und der Aufforderung zur Einmischung machte. Obwohl das ganze Schuljahr über zum Jahresthema gearbeitet wird, ist der 26. April traditionell der internationale Projekttag der UNESCO-Projektschulen, denn ursprünglich sollte er an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erinnern. Jedes Jahr lädt die Adolf-Grimme-Gesamtschule Zeitzeugen der atomaren Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima ein. In diesem Jahr besuchte am 22. April die Weißrussin Anna Fitseva die Schule und erzählte Schülerinnen und Schülern aus dem 9. und 10. Jahrgang von ihren Erinnerungen an die Nuklear-Katastrophe in Tschernobyl vor inzwischen 30 Jahren. Die Schülerinnen und Schüler waren von dem Gehörten sehr betroffen und beschlossen deswegen, am Jahrestag der Katastrophe am 26. April mit einer Kerzenandacht im Forum der Schule an Tschernobyl zu erinnern und zum verantwortungsvollen Umgang mit Atomenergie aufzufordern.  

Gedenktafel zum Todesmarsch von Osterode nach Oker: Die Erinnerungen von André Mouton

Im Anschluss an diese erste Präsentation in der Schule selbst machten sich die Gastgeber von der AGG zusammen mit ihren Gästen auf zum nahegelegenen André-Mouton-Platz auf. Dort stellten die Schüler Maximilian Dörr und Ralf Hake die Biographie von André Mouton vor, der als junger Mann im Jahr 1943 als Angehöriger der französischen Résistance von den Nationalsozialisten verhaftet und in die Konzentrationslager in Deutschland verschleppt wurde. Er überlebte im Gegensatz zu vielen seiner Mitgefangenen die Zwangsarbeit im KZ Mittelbau Dora bei Nordhausen. Im April 1945, als die SS das Lager räumen ließ, gehörte André Mouton zu einer Gruppe von mehreren Tausend Häftlingen, die von ihren Bewachern in einem Todesmarsch von Osterode über Clausthal nach Oker getrieben wurden. An diesen Marsch erinnern heute Stelen, die auf der Marschroute aufgestellt wurden, und von denen eine auch am André-Mouton-Platz in Oker steht. Die Schüler berichteten ihren Gästen von diesem schrecklichen Ereignis, das die beiden Schulorte, Osterode und Oker, gleichermaßen betraf. Sie erinnerten daran, welches Leid während der Herrschaft der Nationalsozialisten geschehen war, gerade weil viele Menschen sich nicht oder zumindest nicht oft genug eingemischt hatten und richteten einen Appell an alle Anwesenden, sich heute bei jeder Art von Unrecht mutig einzumischen.                                                                                                 

Netzwerk Mensch Oker: Integration von Flüchtlingsfamilien

Wie wichtig es aktuell für die Integration von Flüchtlingsfamilien ist, hinzuschauen, sich einzumischen und ehrenamtlich zu engagieren, stellten die Schülerinnen Lea Ella Wittig und Svenja Richards in der dem Netzwerk Mensch zur Verfügung gestellten Wohnung in Unteroker dar. Sie beschrieben die dort stattfindenden Angebote und erzählten, ergänzt durch die Schüler Nina Kaulfuß, Jelena Hoffmeister und Max Breust, an welchen dieser Aktivitäten sie sich während ihrer Freizeit beteiligen z. B. bei der Kleiderbörse, dem gemeinsamen Kochen mit geflüchteten Jugendlichen oder beim kürzlich stattgefundenen Frühlingsfest. „Gemeinsame Aktivitäten sind ein wichtiger Weg zur Integration und sie machen mir einfach Freude“, so Lea Ella Wittig.  Herzlich empfangen wurden die Gäste von Anja Voges, Frontfrau des Netzwerkes.

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Osterode am 01.06.2016

Flüchtlingsunterkunft
Schachtrupp-Villa
Lore (Berarbeiter)

„Schau hin- misch dich ein“ - 3 Orte in Alfeld am 09.06.2016

Jugendtreff
Carl-Benscheidt-Realschule
UNESCO-Welterbe: Faguswerk

Wir haben uns für den Jugendtreff als einen Ort entschieden, an dem wir uns einmischen wollen. Es wird viel Geld für den Bau von Seniorenheimen ausgegeben, aber für uns Jugendliche gibt es kaum Freizeitangebote. Der Jugendtreff bei uns in der Innenstadt ist veraltet und die Fassade bröckelt ab. Auch die Ausstattung weist einige Mängel auf, so dass man nicht gern hierher kommt. Wir sind der Meinung, dass man sich mehr um Angebote für Jugendliche kümmern muss, z.B. indem man den Jugendtreff renoviert und mehr Aktionen für Jugendliche anbietet. Diese müssen dann nicht nach Hannover oder Hildesheim ausweichen, wenn sie etwas „erleben“ wollen.

Das Schild mit den verschiedenen Schulformen an der Wand unserer Pausenhalle steht symbolisch dafür, dass man sich einmischen sollte. Es gibt viel zu viele Vorurteile zwischen Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums, einer Realschule oder einer Hauptschule. Man wird nach der Schulform abgestempelt und auch so behandelt. Wir finden, dass dies nicht der Fall sein sollte, da jeder Mensch gleich und auf seine Weise gut ist. Wir konnten schon Verbesserungen feststellen, wie zum Beispiel Sportkurse die schulübergreifend zwischen Realschule und Hauptschule stattfinden. Trotzdem finden wir, dass ALLE Schulen mehr miteinander arbeiten sollten, damit Vorurteile gar nicht erst entstehen können. Einer Umfrage unserer 10. Klasse zufolge, würden sich alle über gemeinsame Projekte, Sporttage oder Feste mit Schülerinnen und Schülern anderer Schulen freuen.

Das Fagus-Werk steht für einen Ort, bei dem sich jemand in der Vergangenheit eingemischt hat: Carl Benscheidt, der Gründer des Werkes, wollte zur damaligen Zeit die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter verbessern. Er setzte dies unter anderem um, indem er sich mit dem noch sehr jungen Architekten Walter Gropius zusammensetzte und einen komplett neuen Baustil erschuf. Das Besondere am Fagus-Werk sind die lichtdurchfluteten Werkshallen. Gropius erreichte das, indem er sehr große Glasflächen verbaute. Dies war für das Jahr 1911 sehr ungewöhnlich. Meist waren Fabriken innen sehr dunkel und nur spärlich ausgeleuchtet. Durch den Bau des Werkes mit den großen Glasfronten erzielte Carl Benscheidt, dass seine Angestellten gerne zur Arbeit kamen.

Übergabe der Taube an das Hainberg-Gymnasium Göttingen am 09.06.2016