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Nora Bossong liest am Hainberg-Gymnasium

Von 1999 bis 2001 war sie Schülerin des HG, mit besten Leistungen in ihren Kursen und einem vorbildlichen Abitur:
Nora Bossong war schon als Schülerin eine bemerkenswerte Erscheinung.

Am 11.11.2009 kommt sie, geboren 1982 in Bremen, als Schriftstellerin an ihre alte Schule zurück. Sie liest dort dem 12. Jahrgang aus ihrem neusten Werk vor, dem Roman „Webers Protokoll“. Mit zahlreichen Förderstipendien und Preisen ausgezeichnet, gilt Nora Bossong als eines DER jungen deutschen Literaturtalente. Drei Werke hat sie bisher veröffentlicht: „Gegend“, eine rätselhaft-düstere Erzählung über schwierige Familienverhältnisse, „Reglose Jagd“, ein Gedichtband, und eben ihren  neuen Roman.

Sie erzählt darin, ständig die Zeitebenen wechselnd, die Geschichte des ehemaligen Diplomaten Konrad Weber, der seine etwas zwielichtigen Geschäfte mit Pässen und Geldern während des Dritten Reiches in der erzählerischen Gegenwart der 60er Jahre  vergessen will und ungeschehen zu machen versucht. Er will ein Mensch mit „reiner Weste“ sein, hauptsächlich vor sich selber. Die junge Ich-Erzählerin versucht diesen inzwischen alt gewordenen Weber zu erfassen, spürt seiner Geschichte nach. Ein Urteil gibt es nicht.

Bossong liest konzentriert und fordert dabei ihr Publikum; keine einfache Übung für Schüler des 12. Jahrgangs. Aber ihre kluge Auswahl der Vorlesepassagen und die zwischendurch eingestreuten Erklärungen lassen bei den Schülern doch das Bild dieses Menschen entstehen. Ihre Roman- Sprache ist nüchtern - assoziativ, folgt dem menschlichen Denkprozess, gleitet aber nie ins Umgangssprachliche ab. Auch im Gespräch mit den Schülern weiß sie die Worte wohl zu setzen, überzeugt ihr Publikum durch ihre erfrischende Art, die Hintergrundinformationen zum Roman und seiner Entstehung darzustellen. Die Namen der Figuren z.B., Weber, ein Allerweltsname, aber doch der, der Fäden zieht; Held, im realen Leben ein Literaturinspizient ohne irgendetwas Heldisches, Palmer, Bösewicht oder Anti-Held aus der Fernsehserie „Twin Peeks“… Die Schüler mögen diese humorvolle, persönliche Ansprache und lassen sich zunehmend auf Bossongs Projekt ein.

Am Ende ist wohl allen deutlich geworden, wie viel Arbeit im Vorfeld in einem Roman steckt, bis eine Geschichte daraus geworden ist. Und die Achtung vor dem enormen Hintergrundwissen der jungen Frau ist am Tag danach im Gespräch mit den Schülern spürbar.

Bossongs während der Lesung geäußerte Sorge, irgendwann werde sie für Ehrungen und Stipendien zu alt geworden sein und vielleicht im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen nichts „Vernünftiges“ vorweisen zu können, erscheint nach der Begegnung mit dieser talentierten sympathischen jungen Frau unbegründet. 

Sabine Wiggert

 

Einige Schülerstimmen zur Lesung:

„Als Nora Bossong die Bühne betritt, ertönt ein lauter Pfiff, mit dem sie souverän umgeht: sie schmunzelt einfach darüber. … im Verlauf der Lesung wird deutlich, was für ein enormes Hintergrundwissen sie sich angeeignet hat, um den Roman glaubwürdig, wenn auch leicht überspitzt schreiben zu können. Obwohl der Schreib- wie auch Lesestil die ganze Konzentration der Schüler fordert, ist die Lesung eine gelungene Veranstaltung.“ Tabea 

„Als die Schüler die Aula betreten, haben sie die Erwartung einer langweiligen, monotonen und einseitigen Lesung mit einer ehemaligen Schülerin. Doch nur ein paar Minuten später begreifen sie, dass sie sich getäuscht haben. Nora Bossong ist eine sympathische Person mit Humor. Und sie trifft eine ausgezeichnete Leseauswahl.“  Laura 

„Gegen alle negativen Erwartungen sind die Schüler angetan und beteiligen sich lebhaft an der Diskussion mit Frau Bossong, in der sie auf persönliche Art und Weise die Namen der Figuren im Roman erklärt. Damit gewinnt sie die Schüler als Leser für sich.“ Klaudija 

„Vor der Veranstaltung hatte ich eher eine negative Erwartung und die Vorstellung von einer einschläfernden Lesung und Diskussion. Jedoch hat es Nora Bossong geschafft, mich positiv zu überraschen, indem sie ihre Textpassagen sinnvoll auswählt und durch ihre offene, teils jugendliche Art einen Kontakt zu den Schülern aufbauen kann….Nora Bossong hat es geschafft, mir ein für mich uninteressantes Buchnäher näher zu bringen und die schwere Arbeit des Romanschreibens näher zu erläutern.“ Malin 

„Diese Frau hat Hintergrundwissen. Der Prozess vom ersten Wort bis zum fertigen Roman scheint viel Arbeit gewesen zu sein. Informationen über die Zeit des Dritten Reiches und sogar die Namen der Figuren scheinen perfekt durchdacht zu sein. Mit dem Wissen, wieviel Arbeit in einem und besonders diesem Roman steckt, steigt der Respekt vor einer solchen Schöpfung.“ Marlene