Weltwetter ist eine Wissenschaft für sich

Klima-Experte verschafft Gymnasiasten Einblick in sein Forschungsgebiet
Göttingen (maz). Einen aktuellen Überblick der Klimaforschung und -politik lieferte gestern Professor Martin Kappas den Schülern des Hainberg Gymnasiums. Kappas, der am Institut für Geographie an der Universität Göttingen tätig ist, richtete sein Augenmerk zunächst auf die komplexen Wirkungsgefüge des globalen Klima, um ausgehend von diesen Erkenntnissen die politischen Klimaschutzbemühungen zu beleuchten. Als Maßnahmen gegen eine Steigerung des Treibhauseffekts müsste nach Kappas Meinung das enorme Anwachsen der Weltbevölkerung gebremst werden. Der Anstieg des Ausstoßes von Treibhausgasen sei eine Folge des Bevölkerungswachstums. Außerdem sei es eine Umsetzung des Kyoto-Protokolls, in dem sich zahlreiche Staaten zu einer Festlegung von Emissionsgrenzwerten verpflichteten, ein Muss. Der Professor erinnerte daran, dass die USA die Umsetzung des Protokolls verweigerten und andere Industriestaaten einer entgültigen Verabschiedung skeptisch gegenüber stünden. Ziel müsse es sein, die Emissionen auf dem Stand von 1990 einzufrieren. Auch die Vernichtung der tropischen Regenwälder trage zu einer Klimaveränderung bei. Kappas erläuterte die Schwierigkeiten, die sich Klima-Wissenschaftlern stellten, wenn ihnen - meist von politischer Seite - genaue Prognosen zur Entwicklung des Weltklimas abverlangt würden. ,,Es gibt kein Normalklima", betonte er.
,,Temperatur ist kritisch"
Bereits geringfügige Veränderungen kleinster Faktoren könnten erhebliche Wirkung zeigen. Aus wetterhistorischen Beobachtungen lasse sich jedoch schließen, dass die heutige Durchschnittstemperatur bereits einen kritischen Wert erreicht habe.
Als Beispiel für die Komplexität des Klimas erläuterte Kappas mögliche Folgen, die ein starkes Abschmelzen des Grönland-Gletschers auf Europa haben könnte. Durch die verdünnende Wirkung des Schmelzwassers auf den Salzgehalt des Meerwassers könnte als Folgewirkung ein Kollaps des Golfstromes stehen. Das könnte für Europa trotz globaler Erwärmung einen Kälteeinbruch zur Folge haben.
GT 23.01.02
