„Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“ – Gedenken an die Opfer des Holocaust und der Belagerung von Leningrad

Ilse Koppe und Lea Sorina vor den Kinderzeichnungen aus dem belagerten Leningrad
Die Ausstellung zur Belagerung von Leningrad: „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“
Gedenken an die ermordeten Schülerinnen

Am 27. Januar 2015, dem Holocaust-Gedenktag, wurde am Hainberg-Gymnasium in einer Gedenkstunde mit der Zeitzeugin Lea Sorina der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung gedacht. Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz, am 27. Januar 1944, ein Jahr zuvor, konnte die fast 900 Tage andauernde Blockade Leningrads durchbrochen werden. Die Stadt Leningrad, deren Einwohner nach den Plänen der Nationalsozialisten verhungern sollten, war in dieser Zeit fast vollständig von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten worden.

Zahlreiche Kurse und Klassen des Hainberg-Gymnasiums hatten sich seit Beginn des Monats Januar 2015 intensiv im Geschichtsunterricht mit diesem Thema auseinandergesetzt: Im Aulavorraum war vom 8. – 27. Januar unter dem Titel „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“ eine eindrucksvolle und informationsreiche Ausstellung über die Belagerung von Leningrad zu sehen. Die Idee zur Ausstellung hatte die Zeitzeugin Lea Sorina, die als Kind die Leningrad-Blockade überlebte. Bei der Erarbeitung der Ausstellung unterstützten sie die Jüdische Gemeinde Göttingen, das Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar" und die Projektwerkstatt  „Spurensuche“. Es ist dem Engagement von Wilhelm Behrendt, einem ehemaligen Lehrer der IGS, und der Jüdischen Gemeinde zu verdanken, dass diese Wanderausstellung, die bundesweit an vielen Orten zu sehen sein wird, auch am Hainberg-Gymnasium gezeigt werden konnte.

Lea Sorina kam in Begleitung der Übersetzerin Ilse Koppe erstmals in der Mitte des Monats Januar 2015 ans Hainberg-Gymnasium und führte die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10S im Rahmen des Geschichtsunterrichts durch die Ausstellung. Von diesem Gespräch ausgehend gestaltete die Klasse 10S eine weitere Begegnung mit Lea Sorina, die dann am 27. Januar im Rahmen der Gedenkstunde stattfand.

Lea Sorina berichtete am 27. Januar 2015 in der Aula vor den Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrganges, aber darüber hinaus zahlreicher anderer Klassen und Kurse, von ihren persönlichen Erinnerungen und dem Alltag während der Leningrad-Blockade. Die Anwesenden, die auch Fragen stellen konnten, hörten aufmerksam dem Bericht zu, der zuverlässig und einfühlsam von Ilse Koppe vom Russischen ins Deutsche übertragen wurde.  

Zum Schluss gedachten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10S – und mit ihnen die in der Aula Anwesenden – der im Holocaust ermordeten jüdischen Schülerinnen unserer Schule. Sie lasen die Namen vor und legten vor der Gedenkwand weiße Rosen nieder. „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“ – das war auch der Titel der Ausstellung über die Verbrechen der Belagerung von Leningrad.

Sybille Schröder