Göttinger Stadtgeschichte macht Schule - Das Hainberg-Gymnasium erhält mit der Grafik " Göttinger Stadtansichten" von Uwe Brandi eine großzügige Schenkung der Litfin -Stiftung

Frau Schomburg, die Vertreterin der Litfin-Stiftung
Kaja (10 bil) und Ihr Lehrer beim Geigenspiel
im Gespräch über das Bild

 

Bilder begegnen uns in der Schule in der Regel als Unterrichtsprodukte von Schülern. Thematisch geordnet hängen sie in Vitrinen, Gängen und Direktorzimmern und weisen Bildung in künstlerischer Hinsicht als Teil schulischen Unterrichts aus. Das Hainberg-Gymnasium hat jetzt ein Bild,das nicht durch Schüler gestaltet wurde, von der Göttinger Litfin-Stiftung geschenkt bekommen. Es stammt von dem Göttinger Grafiker Uwe Brandi, der 2015 mit den " Göttinger Stadtansichten" ein grafisches Werk veröffentlicht hat, das auf besondere Weise zum Nachdenken über die Geschichte unserer Stadt anregt. Am 8.Januar 2016 wurde das zwei mal drei Meter große Bild der Schulöffentlichkeit mit einer kleinen Feier vorgestellt. Eine Gruppe von Schülern des Geschichts EA von Frau Schroeder sowie einige Lehrer des HG haben sich dort zur feierlichen Würdigung der Schenkung dieses auffällig großen Kunstwerkes durch die Litfin-Stifung zusammengefunden. Zu Beginn der "Flur - Zeremonie" intoniert Kaja aus der Klasse 10 bil gemeinsam mit ihrem Geigenlehrer den ersten Satz aus einer Vivaldi-Sonate auf ihrer Geige. Eine gespannte Stille wird fühlbar, sodass nach den Begrüßungs- und Dankesworten des Schulleiters die Anwesenden konzentriert den einführenden Worten des Geschichts- und Kunstkollegen Willi Fielitz zum Bild lauschen. Da gibt es verhüllende Bereiche zu entdecken, oder man bemerkt bei genauem Hinsehen auch eine rätselhafte Auswahl in der Thematisierung stadtgeschichtlicher Ereignisse. Manches lässt Brandi weg oder er stellt Geschichtsereignisse absichtsvoll abweichend von der üblichen Chronologie dar. Fielitz zeigt Bezüge auf, die Fragen entstehen lassen, nach den Motiven des Künstlers, nach seinen Aussageabsichten. Wozu z.B. sind die kommentierenden Spruchbänder gut, die sich an sehr vielen Stellen, von kleinen gesichtslosen Gestalten gehalten,durch die Großgrafik ziehen? Eine andere Auffälligkeit stellt Barbaras berühmtes Göttingen - Chanson dar, der Text in blockartig angeordneter schwarzer Fraktur-Schrift wie eine Säule vertikal angeordnet, in der linken Bildhälfte positioniert. Dem französischen Originaltext folgt gleich die deutsche Übersetzung. Aber warum ragt diese Schriftsäule so massiv über sechs der sieben "Zeitleisten" ? Es sind diese und weitere Fragen, die das Bild aufwirft und die unterschiedlichen künstlerischen Gehalte, die zu entdecken eine spannende Stadtführung anderer Art verheißen. Die Darstellung gibt auf vielfältige Art und Weise Anlass zur Auseinandersetzung und ist damit für Projektarbeit, die z.B. mit einer 10. Klasse im Rahmen der Projekttage des Schuljahres 2016 schon geplant ist, bestens geeignet. Frau Schomburg, die als Vertreterin der Litfin-Stiftung der Einladung zur Einweihung gefolgt ist, zeigt mit ihrem persönlichen Statement, wie sie selber sich durch die Darstellung zum neuen, lebendigen Blick auf die Göttinger Stadtgeschichte motiviert fühlte. Dadurch sei die Idee entstanden, das Werk verschiedenen Göttinger Schulen als Experimentierfeld für andere pädagogische Wege durch die Stadtgeschichte zugänglich zu machen. Die kleine Feier wird durch ein zweites, von Kaja gespieltes Geigenstück von Vivaldi abgerundet. Danach bilden sich kleine Gesprächsgruppen von Schülern und Lehrern vor einzelnen Bildsegmenten. Man spürt: Das Interesse für diese ungewöhnliche, vielfältige Kunstwerk ist geweckt. Es wird den Schulalltag bereichern und der Platz, an dem es hängt, ermöglicht es allen HGlern, sich neben möglichen unterrichtlichen Projekten im Zusammenhang mit der Brandi-Grafik selber auf die Antwortsuche zu den Fragen zu machen, die das Bild aufwirft. Das Hainberg-Gymnasium dankt der Litfin-Stiftung für diese Möglichkeit, Geschichtspädagogik in neuer Form stattfinden zu lassen. Die "Göttinger Stadtansichten" sind, neben ihrer interessanten ästhetischen Wirkung, als pädagogische Anregung in der Schule genau richtig! Sabine Wiggert /Text und Fotos, 8.1.2016

Herr Fielitz erklärt das Brandi - Werk
im Gang vom Alt - zum Neubau