Podiumsdiskussion mit Vertretern der Jugendorganisationen der Parteien anlässlich der Bundestagswahl

 

Wem das TV-Duell zwischen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz zu harmonisch war, der ist am Montagmorgen wohl auf seine Kosten gekommen. Der Stadtjugendring Göttingen veranstaltete anlässlich der Bundestagswahl am 24. September eine Podiumsdiskussion im Hainberg Gymnasium. Ziel der Veranstaltung ist es, junge Erwachsene und Erstwähler zum Wählen und zu politischem Engagement anzuregen. Die Parteien CDU, SPD, Die Linke, Bündnis90/Die Grünen sowie die FDP wurden dabei durch Vertreter ihrer Jugendorganisationen repräsentiert.

Nachdem sich alle Schüler der Oberstufe in der Aula versammelt und einen Platz gefunden haben, wurden wir zunächst aufgefordert auf einem Stimmzettel für die Partei zu stimmen, die wir auch bei der bevorstehenden Wahl wählen würden. Das Ergebnis wurde wenige Minuten später an eine Leinwand projiziert. Es zeigte, dass neben der SPD vor allem die Grünen und die Linken gut abschnitten. Nach diesem ersten Eindruck und dem Vorstellen der Vertreter und Moderatoren startete die Diskussion mit dem Thema Bildung. Während sich alle einig waren, dass Bildung wichtig ist und doch bitte vereinheitlicht werden soll, entstand Uneinigkeit bei der Frage, wie sie finanziert werden soll. Die Vertreter der CDU und FDP plädierten für Studiengebühren, wogegen die SPD Hand in Hand mit den Grünen mit ihrem Kernthema sozialer Gerechtigkeit argumentierte, also dass hier wieder die Reichen mehr und die Armen weniger Chancen hätten. Da wohl niemand ein Ergebnis erwartet hätte, lenkten die Moderatoren auf ein neues Thema, welches das Publikum wählen durfte. Abgestimmt wurde für das Thema Flüchtlinge und Integration. Ein kontroverses Thema, wie sich schnell herausstellte. Der Vertreter der Jungen Union nahm hierbei die konservative Position ein, mit der Forderung einer Obergrenze. „Wir haben kein Einwanderungsproblem sondern ein Abschiebeproblem“ hieß es, gefolgt von einem Raunen im Publikum. Soll das eine Position der CDU sein? Wesentlich liberaler brachten daraufhin die Grünen und die SPD das Grundrecht auf Asyl ein. Und noch wesentlich liberaler stellte der Vertreter der Linken die Linke als das „letzte Bollwerk für Frieden in Europa“ heraus. Auf die Frage, wie man Fluchtursachen bekämpfen könne, antwortete er „Wer Frieden will, wählt am 24. September die Linken“. Diese Pauschalaussage wurde vom Publikum durch Raunen und vereinzelte Buhrufe beantwortet.

So ging die Doppelstunde, gefüllt mit verschiedenen politischen Themen, kontroversen Debatten und neuen Eindrücken schnell rum. Als abschließend gefragt wurde, wer nun seine Wahlentscheidung vom Anfang ändern würde, meldete sich knapp ein Drittel. Es gehört zur Demokratie, auch strittigen Meinungen und Ansichten zu begegnen. Ganz egal wer sich nun schon zu Anfang oder am Ende für eine Partei entschieden hat, die Auffassung, dass Wählen von unfassbarem Wert für das Funktionieren unserer Demokratie ist, teilen wohl alle.